Mönchengladbach: Die Ju 52 aus dem Hangar soll 2019 wieder starten

Historisches Flugzeug Ju 52: Gladbachs „Tante Ju“ soll wieder fliegen

Nach zwei Jahren Standzeit soll die historische Ju 52 im Hugo-Junkers-Hangar am Flughafen wieder in Stand gebracht werden. Dazu wird die Maschine in die Schweiz zur JU-Air gebracht. 2019 soll sie wieder in Gladbach starten.

Ein Hugo-Junkers-Hangar ohne „Tante Ju“ ist undenkbar. Und das wird es auch nicht geben. Im Gegenteil: Die historische Ju 52 mit der Kennung HB-HOY, die im Hangar steht, soll wieder in Stand gebracht werden und von Mönchengladbach aus wieder fliegen.

Das berichteten am Donnerstag Bernd Huckenbeck, Vorsitzender des Vereins der Freunde historischer Luftfahrzeuge (VFL), und Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann. Man habe genügend Spenden gesammelt, um die Kosten für Ersatzmotoren und die Generalüberholung zu finanzieren, sagte Huckenbeck: „Wir sind in der Lage, das Projekt zu stemmen.“ Möglich sei dies durch das „große Interesse und die große Anteilnahme der Mönchengladbacher“ an der Tante Ju. „Das ist für uns ein Ansporn und hat uns sehr berührt“, sagte Huckenbeck.

Insgesamt kostet die Instandsetzung ungefähr 1,3 Millionen Euro. Die Kosten teilen sich der Verein, dem die Maschine gehört, und die Ju-Air, die die Flüge betreibt. „Es wird noch einige Monate dauern, bis das Flugzeug hier flugtauglich gemacht wird und zur Generalüberholung und Wartung in die Schweiz gebracht wird“, sagte Bernd Huckenbeck. Derzeit befinde man sich in der Abstimmung unter anderem mit der Schweizer Luftfahrtbehörde. Das Ziel aber ist klar: „Wir hoffen, dass die Ju im Sommer oder Herbst 2019 wieder fliegt.“

Die 1949 in Spanien gebaute Maschine des in Rheydt geborenen Erfinders und Konstrukteurs Hugo Junkers hat in Mönchengladbach einen besonderen Status. Bis 1991 stand sie auf der Besucherterrasse des Düsseldorfer Flughafens. Als sie verschrottet werden sollte, gründete sich der Verein und übernahm die Maschine. In der Schweiz wurde sie wieder instand gebracht und flog ab 1997 Rundflüge, auch in Teilen Europas. Seit November 2016 sind die Motoren allerdings defekt. Zu Schauzwecken wurden sie ersetzt. Seitdem steht das Flugzeug quasi ohne Unterbrechung im Event-Hangar und dient dort als einzigartiges Schauobjekt bei Veranstaltungen.

Damit ist es bald aber vorbei. Denn nach dem tragischen Unglück vom 4. August dieses Jahres,

  • Musikvideo-Dreh : Plexiphones drehen im Hangar

als in der Schweiz bei einem Absturz einer Ju 52 aus noch ungeklärter Ursache alle 20 Insassen ums Leben kamen, braucht die Ju-Air ein Ersatzflugzeug, um den geplanten Flugplan auch bedienen zu können.

Dabei stand auch im Raum, die Gladbacher Tante Ju ganz in die Schweiz zu holen. „Diese Idee gab es zwar“, sagte Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann. „Aber die Maschine wird nicht abgezogen, sondern von Mönchengladbach aus operieren.“ Am Airport an der Niersbrücke gebe es die notwendige Infrastruktur für kleinere Arbeiten, die nach jedem Flug anfallen. Zwischen den Flugzeiten soll sie auch wieder im Hangar stehen.

Der gänzliche Abzug der Ju 52 aus Mönchengladbach wäre auch kaum machbar gewesen. Denn einerseits ist das Flugzeug Eigentum des Vereins, „und das bleibt es auch“, wie Huckenbeck sagte. Und andererseits gebe es die vertragliche Verpflichtung, dass stets ein Flugzeug dieses Modells im Hangar stehen müsse, sagte Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der EWMG, deren Tochter Event-Hangar Mönchengladbach GmbH der Hangar gehört. Deshalb wird auch eine andere Ju 52 in Mönchengladbach stehen, wenn die Gladbacher Maschine mit der Kennung HB-HOY in der Schweiz in Dübendorf flugtauglich gemacht und von der Luftfahrtbehörde abgenommen wird.

In Mönchengladbach wird es ab dem 29. April wieder Rundflüge mit der Ju 52 geben, allerdings ist noch unklar, welche Maschine diese Flüge bedienen wird. Wenn die HB-HOY wieder einsatzbereit ist, soll sie entsprechende Flüge vor allem in Deutschland bedienen.

Unterdessen dauert die Suche nach der Absturzursache vom 4. August weiter an. Zuständig ist die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle. Weil es keine Flugdatenschreiber oder Voice-Recorder gab, müssen Fluginstrumente, Motoren, Propeller und Wrackteile genau untersucht werden. Das kann dauern. Bisher gebe es keine Hinweise auf technische Fehler am Flugzeug, sagte Ju-Air-Sprecher Christian Gartmann. Die Linie hatte den Flugbetrieb nach dem Unglück für einige Wochen ausgesetzt, Ende August aber wieder aufgenommen.

Mehr von RP ONLINE