Mönchengladbach: Die Geschichte von Haus Erholung

Stadtgeschichte aus Mönchengladbach: Das Geschichte des „Haus Erholung“

Es waren Bürger, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Bau errichteten. Zuvor gab es bereits ein "Haus Erholung" an anderer Stelle.

Was geschieht künftig mit dem Haus Erholung? Das fragen sich derzeit viele. Das Haus auf dem Abteiberg, in dem vor allem Tagungen und kulturelle Veranstaltungen stattfinden, gehört für die Mönchengladbacher wie selbstverständlich zum Stadtbild. Doch längst nicht jeder kennt seine Geschichte. Dass es da prachtvolle Gebäude gibt, haben die Mönchengladbacher einer Gruppe von Unternehmern zu verdanken, der Gesellschaft Erholung, einem königlich privilegierten Verein. Deshalb müssen Satzungsänderungen vom Ministerpräsidenten erlaubt werden. Das heutige Haus Erholung hat eine über 150 Jahre alte Geschichte. Doch vorher gab es schon einmal ein „Haus Erholung“. Die Gesellschaft Erholung ist noch älter. Sie entstand 1801.

Seit 1794 war das rechtsrheinische Gebiet durch die Franzosen besetzt. Das Bedürfnis nach Wahrnehmung gemeinsamer Interessen war zu dieser Zeit stark ausgeprägt. 1801 taten sich 43 angesehene Gladbacher Bürger zusammen und gründeten eine Gesellschaft. Ihr Ziel waren der kulturelle Austausch und Unterhaltungen. Da es sich um Unternehmer, vor allem aus dem Textilgewerbe, handelte, welche sich damals trafen, darf davon ausgegangen werden, dass auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielten und das stattfand, was man heute „netzwerken“ nennt. Am 23. Oktober 1801 fand die Gründung statt. Damen waren in diesem Kreis verboten. Sie durften nur an festlichen Veranstaltungen wie Bällen teilnehmen. In einer Verordnung hielten die Gründer fest, dass sie Zeitungen und Journale zum Zwecke der Unterhaltung anschaffen und sie gemeinsam finanzieren. Außerdem legte man fest, dass neue Mitglieder nur auf Vorschlag der bereits bestehenden Mitglieder aufgenommen werden. Zu den Gründern gehörte Johann Peter Boelling, der 1798 eine Baumwoll- und Leinenfabrik an der Crefelder Straße, der heutigen Hindenburgstraße, gründete und 1808 Bürgermeister wurde. Er sollte später für die Gesellschaft noch eine entscheidende Rolle spielen.

Gesellschaften gab es im 19. Jahrhundert auch an anderen Orten. So existierten in Gladbach noch die Gesellschaft Casino und in Rheydt die Gesellschaft Harmonie. Um sich von anderen Gesellschaften abzugrenzen, wuchs das Bedürfnis, sich ebenfalls einen Beinamen zu geben. So entstand der Name „Gesellschaft Erholung“. Wann diese Namensänderung geschah, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Fest steht, dass ein Dokument vom 22. Januar 1820 bereits den neuen Namen trägt. Am 25. April 1821 schloss man einen Vertrag mit Wilhelm Bornefeld, dem Eigentümer der Abtei-Prälatur. Dort mietete man Räume an, um sich zu treffen. Einen wichtigen Schritt tat die Gesellschaft 1822, der sich bis heute auswirkt. Man bat darum, die Gesellschaft und ihre neu gegebenen Statuten zu genehmigen. Der Antrag wurde vom Bürgermeister an das Landratsamt, von dort an die königliche Regierung in Düsseldorf und schließlich an das Oberpräsidium in Köln weitergeleitet. Am 11. März 1822 kam die Genehmigung und am 29. März 1822 erhielt die Gesellschaft ihre „Concession“. So entstand eine privilegierte Gesellschaft, die vom Staat ausdrücklich genehmigt ist. Deshalb nennt sich die Gesellschaft bis heute königlich privilegiert. 1860 erhielt man die Korporationsrechte. Dieser Status wurde nie geändert und ist noch immer gültig. Damit ist die Gesellschaft rechtlich eine Korporation ohne im Vereinsregister eingetragen zu sein, die dafür aber seit 1822 unter staatlicher Aufsicht steht.

Johann Peter Boelling war ein Gründungsmitglied. Foto: Stadtarchiv Mönchengladbach

Da diverse Zeitungen auslagen, entschloss man sich 1834, eine Lese-Bibliothek einzurichten, in der man auch Bücher ausleihen konnte. Damit stand die Gesellschaft in Konkurrenz zum „Leseverein in Gladbach“. Das Büchereiwesen der Gesellschaft hielt jedoch nicht lange. 1859 wurde die Bibliothek aufgelöst und verkauft. Nachdem die Räume der Prälatur aufgegeben wurden, verkehrte die Gesellschaft Erholung im Gasthof Schlösser, dem späteren Hotel Herfs. Dort war man vor 1821 schon einmal beheimatet. Damit waren die Mitglieder aber nicht zufrieden. Doch es gab ein Problem: Weil man zu diesem Zeitpunkt noch keine Korporationsrechte besaß, konnte kein Grundstück erworben werden. Dennoch beschloss man 1839, ein eigenes Haus zu bauen. Das verdankte man Johann-Peter Boelling. Er besaß ein großes Grundstück an der heutigen Hindenburgstraße. Gegenüber dieses Anwesens entstand 1840 das erste Gesellschaftshaus. Welche Tricks man damals nutzte, um das Haus zu bauen, weiß niemand mehr. Fest steht jedoch, dass die Gesellschaft nicht die Eigentümerin gewesen ist. Gestanden hat das Haus wahrscheinlich an der Ecke Hindenburgstraße/ Wallstraße. Die Gesellschaft geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und so musste das Haus 1852 an den Gastwirt Molls verkauft werden. Am 19. Mai 1900 brannte es ab.

Als sich die Finanzen der Gesellschaft besserten, entschloss man sich zum Bau des heutigen Haus Erholung auf dem „Hundsberg“. Das Areal ersteigerte man 1860 von einer Erbengemeinschaft. Hinzu kamen der ehemalige Schulgarten der katholischen Pfarrgemeinde und ein Stück Land der evangelischen Rectorats-Schule. Am 22. März 1861 war Grundsteinlegung. Bereits im Mai wurde der Garten eröffnet und im Dezember war Einweihungsfeier. Zunächst war das Haus ein Backsteinbau. 1876 wurde ein Querflügel angebaut. In den Folgejahren gab es weitere Bauarbeiten. Um 1900 hatte die Gesellschaft Erholung rund 500, vor allem protestantische, Mitglieder. Vertreten war alles, was Rang und Namen hatte. Die katholische Oberschicht organisierte sich in der Gesellschaft Casino, die 1862 entstanden war.

Ebenfalls um das Jahr 1905 entstand diese Aufnahme für eine Ansichtskarte. Sie zeigt den Garten und die Rückansicht des Hauses. Foto: Sammlung Peter Hoeveler

Dann kam der Bombenangriff in der Nacht zum 31. August 1943. Das Haus Erholung brannte bis auf den Keller nieder. 1946 wurden die Kegelbahn und der Musikpavillon wieder eröffnet und 1950 die Terrasse, der Gartensaal, die Küche und eine Wohnung. Noch bis 1969 gab es Sanierungsarbeiten. Der Nordflügel wurde abgerissen, um den Bau der heutigen Abteistraße zu ermöglichen. Teile des Grundstücks wurden zudem an die Stadt verkauft. Am 1. April 1981 kam es zur Wiedereröffnung. Zuvor jedoch geschah ein anderes Ereignis: Am 1. Januar 1977 schloss sich die Gesellschaft Casino der Gesellschaft Erholung an und ging in ihr auf.

Der Wiederaufbau und andere widrige Umstände brachten die Gesellschaft jedoch in solche Schwierigkeiten, dass sie das Haus Erholung 1983 an die Stadt Mönchengladbach verkaufen musste. 1985 wurde der Vertrag noch einmal geändert. Alle Teppiche und Bilder im Haus sind weiter im Besitz der Gesellschaft. Außerdem darf sie zwei Räume alleine nutzen. Dieser Vertrag ist bis heute gültig. Der letzte wichtige Schritt in der Geschichte der Gesellschaft erfolgte am 1. Januar 1991. Damals löste sich nach 188 Jahren die Rheydter Gesellschaft Harmonie auf und schloss sich der Gesellschaft Erholung an. Bis heute sind viele prominente Namen aus der Stadt Mitglieder in der Gesellschaft Erholung.

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