Künstlerin in Eicken „Ich heiße Ora, und das bedeutet Licht“

Eicken · Ora Avital liebt die Vielfalt wechselnder Ausdrucksmittel. Die c/o-Künstlerin definiert sich in erster Linie als Malerin. In der Objektgestaltung bevorzugt sie leichte Materialien. Und sie jongliert mit der Illusion von Fläche und Licht.

 Die Künstlerin Ora Avital zwischen ihren Kunstwerken mit Streifenmuster.

Die Künstlerin Ora Avital zwischen ihren Kunstwerken mit Streifenmuster.

Foto: Bauch, Jana (jaba)

Von ganz unten bis unter die Schrägen des Dachgeschosses ist das Wohnhaus an der Eickener Straße 313 beherrscht von Kunst. Arbeitsspuren und Indizien auf Entstehungsprozesse erhöhen das quirlige Miteinander von Bildern, Wandobjekten und bewegt anmutenden Drahtfiguren. Mittendrin empfiehlt sich ein Küchentisch als Ruhepunkt, während der Blick auch von hier aus Richtung Kunst schweifen kann.

„Kunst ist mein Beruf und mein Leben“, kommentiert Ora Avital die offensichtliche Verflechtung ihrer Lebenswirklichkeit. Und die ist in ihren vielfältigen Aspekten nicht leicht zu umfassen.  „Ich definiere mich als Malerin und habe bei Objekten eine andere Attitüde als ein Bildhauer“, sagt die Mönchengladbacherin und verweist auf ihre Vorliebe für leichte Materialien in der Objektgestaltung.

In jungen Jahren experimentierte sie mit Wandobjekten aus geflochtenem Verpackungsmaterial. Schalenförmige Wandobjekte aus Leinwand und Kleber muten insbesondere in mehrteiligen Arrangements bewegt an. Die Künstlerin umkreist Themen, probiert aus und lässt manche Dinge auch einfach in Ruhe reifen, um vielleicht später wieder darauf zurückzukommen.

Avital ist sich bewusst, dass ihr das mitunter als mangelnde Konsequenz auslegt werden könnte. Doch das ficht sie nicht an: „Als Künstlerin muss man ganz nah bei sich sein. Wenn ich schaue, was andere von mir denken, bin ich verloren. Das immer wieder Anderssein hilft mir als Strategie. Ich bin oft selbst gespannt, was ich machen werde“, sagt die 59-Jährige, die sich eine bedingungslose Hingabe abverlangt. „Kunst braucht Zeit, ist anstrengend. Das Scheitern und der Frust gehören selbstverständlich mit dazu. Sie öffnen den Blick für andere, neue Möglichkeiten“, so Avital.

Sie wurde in Israel geboren, studierte dort Kunst, zog 1992 nach Düsseldorf und einige Jahre später nach Mönchengladbach.  Hier zählt sie zu den c/o-Künstlern. „Ich hatte schon früh das Gefühl, etwas schaffen zu müssen“, sagt Avital. Es widerspricht ihrem Kunstverständnis, einen einfachen Weg zu wählen. Die expressive Gestaltung habe ihr sehr gelegen, doch sie habe erst ihre Sprache sortieren müssen, sagt sie über ihre frühe Malerei.

Um sich selbst zu zähmen, fand sie zum Streifenmuster. Von dieser Periode erzählen noch große und kleine Quader, die in architektonisch anmutenden Kombinationen eine spielerische Leichtigkeit ausstrahlen und doch zugleich entschieden in den Raum wirken. Im Gegenentwurf ausschließlich über gerollte Papierlinien definierte Quader jonglieren mit der Illusion von Fläche und Licht.

Der Zähmungsversuch über Streifenmuster hat übrigens funktioniert. „Mit Strukturen habe ich gelernt, meine expressive Kunst zu zähmen. Jetzt male ich wieder expressiver,“ sagt Avital über den persönlichen Befreiungsschlag, der ihr in der selbst gewählten Beschränkung den Blick geweitet hat. Bei einigen atmosphärisch aufgeladenen Landschaftsbildern ließ sie sich ein auf die Sehnsucht, einfach nur zu malen. Regelmäßiges Zeichnen bezeichnet sie als „Fingerübung“, die für sie ebenso wichtig sei wie für einen Tänzer das tägliche Proben.

Für eine Ausstellung zum Thema „Licht“ in der Citykirche arbeitete sie erstmals mit Blattgold und der damit verbundenen Lichtreflexion, damals noch zurückgenommen auf die geometrisch klare Anordnung. Später schichtete sie Blattgold in Verbindung mit Malerei beinahe reliefartig zu dramatisch anmutender Dichte.

„Ich hatte anfangs Angst, Gold könnte kitschig wirken, fand dann aber gerade die Vorstellung eines solchen Gedankens interessant. Ich heiße Ora, und das bedeutet Licht“, sagt Avital in einer Selbstreflexion ihrer künstlerischen Unabhängigkeit, gepaart mit der persönlichen Vorliebe für das Licht.

Die Auseinandersetzungen mit Licht, Raum und Bewegung sind ihr wesentliche Anliegen. Aktuell fügt sie filigrane Drahtlinien zu Figuren und Objekten, deren Netzwerk von Linien dreidimensionalen Zeichnungen gleichen.

Im kommenden Jahr würde sie das Thema gerne zur Rauminstallation ausweiten. Avital lebt ihre Kunst mit Leidenschaft.  Ebenso ist es ihr ein Bedürfnis, sie anderen Menschen näher zu bringen. So bietet sie inmitten ihrer Kunst wie auch im Museum Abteiberg Kurse an und genießt diese Form von Kommunikation.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort