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Mönchengladbach: Die Bello Sisters bauen ihre Pyramide beim Circus Roncalli

Circus Roncalli : Drei Schwestern, eine Pyramide

Loren (21), Celine (18) und Joline (12) sind die Bello Sisters und gastieren mit Roncalli in der Stadt. Das Leben im Zirkus ist ihr Lebensmittelpunkt, bietet aber auch Herausforderungen.

Loren liegt auf einem großen runden Podest auf dem Rücken und streckt ihre Füße zum Himmel. Darauf legt sich Celine und zuletzt steigt Joline auf die Pyramide und macht – wiederum auf den Füßen ihrer Schwester – einen Spagat. Im Fachjargon nennt sich diese Akrobatik Adagio-Equilibristik. Hierbei bauen die drei Artistinnen lebende Statuen mit viel Dynamik und Kraft aus ihren Körpern. In der Regel sind Gruppen wie sie zusammengestellt. Die drei Schwestern aber können als artistisches Trio im Circus Roncalli auftreten, ihr Traum ist wahr geworden.

Das Zirkus-Gen haben sie von Vater Stiv Bello, Onkel Ronni Bello und ihrem Großvater Luciano vererbt bekommen. Sie alle gehörten in den 1990ern zu den Stars in der Roncalli-Manege. Um eine solide Ausbildung zu bekommen, besuchten die Schwestern drei Jahre lang eine Zirkusschule im italienischen Verona. Joline war damals erst acht Jahre alt, ihre Schwestern 13 und 16. „Ich habe mich aber nie einsam gefühlt, meine Schwestern waren ja dabei“, sagt Joline heute mit zwölf Jahren. Loren und Celine haben ihre Schulzeit bereits abgeschlossen. Doch Joline hat zusätzlich zu den Auftritten im Zirkus noch Online-Unterricht. Eine feste Schule, an einem festen Ort, die könnte sie nicht besuchen. Das ständige Umherziehen macht ihr jedoch nichts aus. „Uns war in Verona irgendwann ziemlich langweilig“, stimmt Schwester Loren zu.

 Für ihre Pyramiden brauchen Loren (unten), Celine (Mitte) und Joline (oben) Kraft, Körperspannung und enormes Gleichgewicht.
Für ihre Pyramiden brauchen Loren (unten), Celine (Mitte) und Joline (oben) Kraft, Körperspannung und enormes Gleichgewicht. Foto: Bauch, Jana (jaba)
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Der nahtlose Übergang von der Schule in die Manege war allerdings Glück. Denn gerade als das vierte und letzte Jahr an der Zirkusschule begonnen hatte, kam die Einladung von Roncalli. „Wir wussten eine Woche lang nicht, wohin mit den Gefühlen“, erinnert sich Celine. Und es musste alles schnell gehen. Bereits zwei Wochen später standen sie schon in der Roncalli-Manege. „Ich war so nervös und erleichtert, dass ich nach der Vorstellung erst einmal geweint habe“, erinnert sich Loren.

Dass es gerade Roncalli wurde, ist für die drei Schwestern eine schicksalhafte Fügung. Vor genau zehn Jahren haben sie eine Vorstellung des Zirkus’ in Oldenburg besucht und dort für sich beschlossen: Pyramiden bauen mit dem Körper, das wollen wir auch. Ein Video, dass Vater Stiv stolz Zirkusdirektor Bernhard Paul zugeschickt hat, führte schließlich zur Einladung.

Und tatsächlich ist es nicht nur die akrobatische Eleganz oder die enorme Beweglichkeit, die die Bello Sisters auszeichnet. Es ist vor allem die Art und Weise, wie sie miteinander agieren. Ihre Bewegungen sind aufeinander abgestimmt, man merkt, wie stark sie einander vertrauen und trotz Alters- und Größenunterschiede schweift nach jeder Übung der Blick auf die gleiche, sanfte Weise durch das Publikum.

Montag und Dienstag stehen sie allerdings nicht in der Manege. Dann sind die Schwestern oft gemeinsam in der Stadt unterwegs oder verbringen Zeit mit ihrer Familie. Weil Joline noch nicht volljährig ist, begleiten ihre Eltern den Zirkus auf der Tour. Auch ihre achtjährige Schwester ist mit dabei und trainiert bereits, um irgendwann mit ihren Schwestern in der Manege stehen zu können. Für ihren Traum lebt die Familie auf kleinem Raum zusammen: Celine und Loren teilen sich als ältere Schwestern einen Wagen. In einem weiteren Wagen schlafen Joline, ihre jüngere Schwester und ihre Eltern. Doch die Schwestern vermissen nichts: „Das bedeutet für uns Zuhause“, sagt Loren. Die Bellos kennen es nicht anders: heute hier, morgen dort. Ein Leben, bei dem das Haus einfach mitreist. Anders können und wollen sich die Schwestern ihr Leben nicht vorstellen.

Auch wenn feste Freundschaften oder ein Freund außerhalb der Zirkuswelt schwer zu finden sind: „Bei einem Partner sollte es schon jemand sein, der auch im Zirkus ist – oder sich zumindest vorstellen kann, mit dem Zirkus zu ziehen“, sagt Loren. Sie hebt die Brauen und ihre Grübchen treten hervor: „Natürlich guckt man zum Saisonstart auch mal, was das Ensemble so hergibt.“ Oberste Priorität habe für sie aber immer ihre Familie.