Mönchengladbach: Dialog mit Misstönen beim Deutsch-Chinesischen Wirtschaftstag

Deutsch-Chinesischer Wirtschaftstag : Dialog mit Misstönen

Beim Deutsch-Chinesischen Wirtschaftstag im Borussia-Park wurde die vertiefte Zusammenarbeit in Wirtschaft und Sport gelobt. Andererseits sprach der chinesische Gesandte offen an, was die Volksrepublik stört.

Wer in China erfolgreich sein will, muss Kultur, Land und Leute kennen. Diese Lektion hat Borussia früh gelernt und deshalb auch eine Repräsentanz in Shanghai eröffnet. Eine der ersten Erkenntnisse in China war, dass es beim Marketing durchaus Probleme mit dem dem Begriff  „Die Fohlen“ gibt. „Das wird in China übersetzt mit ,Die Ponys’“, erklärte Peter Hambüchen, bei Borussia für internationale Beziehungen zuständig. „Das wird in China aber etwas anders verstanden und nicht mit Stärke und Unbekümmertheit gleichgesetzt. Das war also schon die erste Herausforderung.“

Borussia wird über lokale Adaptionen und Bezüge vermarktet. „Wir haben in China das Büro aufgebaut, weil China ein Markt ist, mit dem man sich vor Ort beschäftigen muss“, sagte Hambüchen den knapp 200 Besuchern des Deutsch-Chinesischen Wirtschaftstages am Dienstag im Borussia-Park. Dabei ging es auch, aber nicht nur, um Borussias Interessen in China.

Wang Weidong, Chinas Botschaftsgesandter für Wirtschaft und Handel, lobte die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern, die sich stark intensiviert hätten. Gleichzeitig kündigte er verstärkte Bemühungen um Direktinvestitionen in Deutschland an. Und da fangen die Auseinandersetzungen schon an. „Seit 2017 hat die Bundesregierung die Überprüfung für ausländische Investitionen zweimal verschärft, was große Besorgnisse in China erregt hat“, sagte Wang Weidong. „Die Überprüfungsregeln sind weder transparent noch vorhersehbar. In einzelnen Fällen wurden Investoren aus China gezwungen, die Übernahme aufzugeben.“ Er rief dazu auf, „ideologische Vorurteile abzubauen und Doppelmoral aufzugeben“.

Der Mönchengladbacher CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesinnenministerium Günter Krings entgegnete: „Bei aller Freude über wechselseitige Investitionen  gehört es doch zu einem ehrlichen Dialog, dass es in beiden Ländern bestimmte kritische Unternehmen gibt, die solchen Investitionen aus guten Gründen nicht zugänglich  sind.“ Er nannte die nicht zugelassene Übernahme eines deutschen Stromnetzbetreibers als Beispiel. In solch sensiblen Bereichen könne bei einem Erwerb von zehn Prozent der Stimmrechte der Deal vom Wirtschaftsministerium geprüft und untersagt werden.

Im Fall von Huawei und dem 5G-Netzausbau kritisierte Wang Weidong deutsche Haltungen massiv und warnte vor einer Belastung der deutsch-chinesischen Beziehungen. Krings betonte, die Diskussion in Deutschland müsse sachlich geführt werden. Es werde keine „Lex Huawei“ geben. „Wir wünschen uns Gleichberechtigung  der Wirtschaftspartner auf Augenhöhe. Das heißt auch, dass wir in China die gleichen Marktzugangsbedingungen vorfinden wie umgekehrt chinesische Unternehmen in Deutschland“, sagte Krings.

Einer, der den Marktzugang in China geschafft hat, ist Rolf Königs. Nicht nur als Präsident Borussias, sondern auch als Chef des Automobilzulieferers Aunde. Die Gruppe hat einige Werke in dem Land, unter anderem in Xi’an in Zentralchina, wo Aunde 2000 Menschen beschäftigt und Autositze für den chinesischen Markt baut. „Wer in China investiert, gewinnt“, sagte Königs. Und Borussia bringe als Eliteschule des deutschen Fußballs Know-How nach China.

Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf und Präsident des Beirats der Deutsch-Chinesischen Wirtschaftsvereinigung, sagte, Deutschland müsse „aufhören, unsere Wertemaßstäbe anderen aufoktroyieren zu wollen“. „Man kann über die politische Führung Chinas diskutieren, aber zu glauben, dass die chinesische Regierung sich europäische Regeln und Maßstäbe zu Eigen macht, ist zu kurz gesprungen.“