Mönchengladbach: DHL, Hermes und Co. sollen per Lastenfahrrad liefern

Mönchengladbach : Lieferanten sollen aufs Lastenrad umsteigen

Wenn Paketlieferer, Handwerker und Pflegedienste mit dem Rad statt dem Auto fahren, würde das den Verkehr entlasten. Das schlägt der Masterplan Elektromobilität vor. Die IHK prüft eine Studie über die Verteilung von Waren via Mikro-Depots.

Jede Bestellung im Internet hinterlässt Spuren, und das nicht nur in Form von Daten. Sondern vor allem auch im Straßenverkehr. Logistiker und Paketdienstleister sind inzwischen für einen beträchtlichen Anteil im innerstädtischen Verkehrsaufkommen verantwortlich. Und die meisten von ihnen liefern Online-Bestellungen mit Diesel-Fahrzeugen aus, sieht man einmal von Ausnahmen beim Branchen-Platzhirsch DHL ab.

Das soll sich künftig ändern durch eine völlig umgekrempelte innerstädtische Logistik, wie der vom Rat der Stadt verabschiedete Masterplan Elektromobilität darlegt. Darin ist die Rede von der Einrichtung sogenannter Mikro-Depots, im Fachjargon auch Micro-Hubs genannt. Dorthin werden Bestellungen gebündelt geliefert, und von dort auf der letzten Meile zum Kunden umverteilt, und zwar etwa mittels Lastenfahrrädern. „Unter konservativen Annahmen könnten etwa acht Prozent der Fahrten im Wirtschaftsverkehr von Lastenrädern übernommen werden“, schreiben die Autoren des Masterplans Elektromobilität und beziehen sich dabei auf eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. „Langfristig könnten es sogar bis zu 23 Prozent dieser Fahrten sein.“ Dieses Potenzial auf der letzten Meile der Lieferkette werde aber noch von vielen Unternehmen unterschätzt. Denn nicht nur Pakete und Güter könnten transportiert werden, auch für Dienstleister in der Pflege oder im Handwerk sei das Lastenrad als Transportmittel geeignet: „Es wird empfohlen, auch in Mönchengladbach ein eigenes Förderprogramm zur Beschaffung von Lastenrädern für Bürger und Unternehmen, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit der NEW, aufzulegen.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hält eine Menge von der Idee, Waren für die letzte kurze Distanz zum Kunden über Mikro-Depots zu leiten. Auf diese Weise könnten sowohl der Anforderung der Zustellunternehmen an die Wirtschaftlichkeit von Systemen als auch dem Interesse der Städte an der Reduktion des Verkehrs Rechnung getragen werden, sagt Wolfgang Baumeister, Leiter des IHK-Bereichs Verkehr und Infrastruktur. „Um den Lieferverkehr mit großen Fahrzeugen in die Innenstädte zu reduzieren, bietet sich die Einrichtung von Zwischenstationen an, von denen aus die letzte Distanz bis zum Kunden vom Lieferanten zu Fuß oder mit einspurigen Fahrzeugen, wie zum Beispiel Lastenrädern, bewältigt wird. Im Idealfall werden diese Hubs von allen Lieferanten gemeinsam genutzt.“

Doch mehr als eine Projektidee ist das noch nicht. Die IHK prüft derzeit, ob sie mit finanzieller Unterstützung durch das Landesverkehrsministerium die Machbarkeit solcher Mikro-Depots in den Städten Krefeld, Mönchengladbach und Neuss untersucht. „Dabei ist die IHK auf die Mitwirkung der Städte angewiesen“, sagt Baumeister. Bei der Finanzierung soll das NRW-Verkehrsministerium einspringen und einen Großteil der 180.000 Euro, die die Machbarkeitsstudie wohl kosten würde, über Fördermittel tragen, wie erst kürzlich im Neusser Stadtrat mitgeteilt wurde.

Für die Einrichtung von Micro-Hubs in Mönchengladbach hat auch der Masterplan Elektromobilität bereits einige Ideen entwickelt. Die Depots könnten demnach sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Raum entstehen. „Insbesondere bei Neubauvorhaben können sie bereits planerisch berücksichtigt werden“, heißt es in dem Strategiepapier der Stadt. Auch in leerstehenden Geschäften oder in Parkhäusern sei die Einrichtung von Mikro-Depots möglich. Der Plan empfiehlt der Stadt deshalb, in den kommenden drei bis fünf Jahren Erfahrungen in einem Pilotprojekt etwa in den neu zu bauenden Quartieren Seestadt oder Maria Hilf-Terrassen zu sammeln.