Mönchengladbach: Deutsche Bank in Odenkirchen schließt

Deutsche Bank in Odenkirchen : Wieder eine Bankfiliale weniger

Die Deutsche Bank in Odenkirchen schließt im Herbst. Das sorgt für Frust bei Kunden. Auch andere Banken haben ihr Filialnetz ausgedünnt.

Die Deutsche Bank an der Burgfreiheit macht zu? Ja, das beschäftigt die Kundin der Odenkirchener Filiale durchaus bewegt. Die 70-Jährige stellt ihren Einkaufskorb neben dem Eingang ab – und legt los: Seit 50 Jahren habe sie ein Konto bei der Deutschen Bank. Wenn die Filiale in Odenkirchen dicht mache, werde sie überlegen, ob sie zu einem anderen Geldhaus wechsele. Andernfalls müsste sie nach Rheydt, wenn sie einem Mitarbeiter der Bank von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen wollte. Die 70-Jährige ist noch unschlüssig. Aber fest steht, was sie von der geplanten Schließung ihrer Stamm-Filiale hält: „Nix! Die Jüngeren machen Online-Banking, für die ist das bequem. Aber für die Älteren ist das kompliziert. Ich will das gar nicht.“

Mit dieser Meinung ist die 70-Jährige, die ihren Namen nicht genannt sehen möchte, in Gesellschaft. Auch Kunden der Postbank sind frustriert. Deren Odenkirchener Filiale an der Straßburger Allee wurde bereits 2018 geschlossen. Die Kunden seien damals damit vertröstet worden, dass sie kostenlos Geld an den Automaten der Deutschen Bank in Odenkirchen abheben könnten. Falle diese Filiale weg, müssten Postbank-Kunden in einem der größten Stadtteile Mönchengladbachs fürs kostenloses Geldabheben nach Rheydt oder Wickrath fahren, lautet die Kritik.

Müssen sie nicht unbedingt, meint die Deutsche Bank. Ihre Filiale in Odenkirchen werde „voraussichtlich im Oktober“ schließen, sagt ein Sprecher in der Frankfurter Zentrale: „Dabei werden aber keine Arbeitsplätze freigesetzt, ein Teil der Mitarbeiter wechselt nach Rheydt.“ Es gebe heute vielfältige Möglichkeiten, sich Bargeld zu verschaffen, unter anderem in Supermärkten und an Tankstellen. Kunden der Deutschen Bank könnten sich zudem auch an Automaten anderer Banken bedienen, die der Cash Group angehören. Das sind neben der Deutschen Bank, der Commerzbank, der Postbank auch die Hypovereinsbank und deren Töchter. Dumm nur für Odenkirchen: Dort gibt es demnächst nur noch zwei Banken: die Stadtsparkasse und die Volksbank.

Obwohl vor allem die Deutsche Bank mit Problemen, sinkenden Aktienkursen, Mini-Gewinnen und einem Schlingerkurs im Umgang mit dem Privatkundengeschäft Schlagzeilen gemacht hat, dünnt sie nicht als einzige seit Jahren ihr Filialnetz aus. Nach Erkenntnissen der Deutschen Bundesbank sind seit 1997 mehr als die Hälfte aller Bankfilialen in Deutschland weggefallen. Damals gab es noch knapp 63.000 Zweigstellen, 2017 nur noch rund 30.000. Die Stadtsparkasse Mönchengladbach kündigte bereits 2016 an, bis 2020 von damals 38 Filialen 15 zu schließen. Derzeit gibt es noch 27 Filialen, wann die restlichen vier schließen, ist noch nicht spruchreif. Die Volksbank Mönchengladbach und Erkelenz machte 2018 eine Geschäftsstelle dicht und gestaltete zwei weitere zu Selbstbedienungsfilialen um.

Weniger Filialen unterhalten zu müssen, ist rentabler. Zumal immer weniger Kunden regelmäßig Geschäftsstellen aufsuchen und immer mehr auf Internet-Banking umsteigen – oder das Telefon nutzen. Im Kundenservice-Center der Mönchengladbacher Volksbank beispielsweise gehen inzwischen gut 200.000 Anrufe pro Jahr ein. Und so erklärt auch der Sprecher der Deutschen Bank: Umfassende Beratungen zu komplexeren Geschäften sollen zukünftig in weniger Filialen konzentriert werden.

Die 70-Jährige Odenkirchener Kundin stellt das wohl kaum zufrieden. Sie hat ältere, nicht mobile Menschen im Blick: „Viele Alte haben niemanden, mit dem sie reden können. Die wollen Ansprechpartner.“

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