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Mönchengladbach: Der Markt in Venn ist klein, die Kundschaft dafür treu

Märkte in Mönchengladbach : Kleiner Markt, treue Kundschaft

Der Wochenmarkt ist nur etwas für Traditionalisten? Keineswegs. In letzter Zeit entdecken immer mehr Menschen dieses Angebot. Wir erkunden die Besonderheiten in den Stadtteilen. Heute auf dem Markt in Venn.

Am Johannistag, dem 24. Juni, endet traditionell die Spargelzeit in Deutschland. In diesem Jahr fiel der Tag auf einen Mittwoch, also zog es Ursula Breither am Freitag zuvor vor allem mit einem Ziel zum Wochenmarkt in Venn: Spargel kaufen. „Den bekomme ich wahrscheinlich nun zum letzten Mal, dass musste ich noch einmal ausnutzen“, sagte Breither. Aber auch ohne Spargel wird sie wiederkommen – schließlich ist sie jeden Freitag hier. „Der Markt ist für mich in der Nähe. Ich gehe hier immer hin – trotz des Supermarktes gegenüber. Man bekommt hier alles frisch und trifft auch immer wieder Leute“, sagt sie.

Der Markt im Stadtteil Venn an der Mürrigerstraße ist überschaubar. Hektik und Gedränge kommen hier nicht auf. An diesem Freitag sind um die Mittagszeit vier Beschicker vor Ort, später kommt noch ein Blumenstand hinzu. „Das war schon mal größer“, sagt Helmut Lehnen, „aber die Leute gehen nicht mehr so oft zum Markt. So ist es schön klein hier – klein aber fein.“

Lehnen ist mit seinem Gemüsestand auf vielen Märkten in Mönchengladbach vertreten – der Markt in Venn ist für ihn jedoch ein Heimspiel. „Wir kommen aus Winkeln, gleich um die Ecke“, sagt er. Seit über 30 Jahren steht er mit seinem Team auf dem Venner Markt. Er kennt seine Kunden. Und so gehört bei den meisten neben dem Einkauf auch immer der eine oder andere Satz über die Familie oder die Wehwehchen des Lebens dazu. Besonders nachgefragt ist an diesem Tag natürlich der Spargel, aber auch Kartoffeln. „Alles aus eigenem Anbau“, sagt Lehnen, „so wie es auf dem Markt sein sollte.“

Helmut Lehnen hat in Venn seinen „Heimatmarkt“. Foto: Daniel Brickwedde

Das schätzt auch Mia Stratner. „Ich nehme gleich noch Kartoffeln mit. Hier weiß man, wo die herkommen. Das ist mir schon wichtig“, sagt die 83-Jährige. Nun ist sie allerdings erst beim Geflügelstand von Sven Kaiser und sucht einen Schinken. „Mit dem herzhaften Schwarzwälder können sie nichts verkehrt machen“, sagt Kaiser. Er ist erst seit Dezember auf dem Markt vertreten und löste seinen langjährigen Vorgänger ab.

„Die Kunden fragten zu Anfang natürlich auch Sachen nach, die ich gar nicht hatte“, sagt Kaiser. Inzwischen ist er aber voll integriert in Venn – und den Kunden fällt auf, wenn er nicht da ist. „Ich habe sie vorherige Woche vermisst“, sagt eine andere Kundin fast vorwurfsvoll. Kaiser klärt die Dame auf, dass es vergangene Woche einfach zu heiß war – und er nun sogar drei Wochen im Urlaub ist.

Was die Kundin möchte, weiß er trotzdem und holt eine Wurst aus der Theke hervor: „Diese hier bekommen sie immer, richtig?“ Kaiser sagt: „Ich bin sehr gerne hier. Es herrscht eine familiäre Stimmung, die Leute erzählen auch gerne mal von zu Hause“, berichtet er. Aktuell sei aufgrund der Spargelzeit der Kochschinken  sehr gefragt, berichtet Kaiser. Außerdem Grillsachen, das sei aber wetterabhängig.

Susanne und manfred Brendgens sind neu in Venn. Foto: Daniel Brickwedde

Wilma Bocks ist an diesem Freitag mit ihrer Nichte in Venn. „Ich habe heute Kartoffeln, Äpfel, Erdbeeren und Geflügel gekauft“, sagt die 87-Jährige. „Ich bin ein Venner Kind und komme immer gerne hierhin. Es ist ein Stück Heimat. Danach geht es noch ins Eiscafé gegenüber, so ist es immer ein schönes Erlebnis.“

Ihre Nichte hat derweil am Wild- und Geflügelstand von Susanne und Manfred Brendgens einige Sachen eingekauft. Der Wagen der Eheleute ist erst seit vier Wochen auf dem Markt in Venn. „Die Leute sind hier super nett, und man kommt schnell ins Gespräch. Es ist hier sehr familiär“, sagt Susanne Brendgens. Beide kommen aus Wegberg, Manfred Brendgens hat dort ein Jagdrevier. Das geschossene Wild landet dann in der Markttheke.

Stammkunden haben auch die Eheleute Brendgens in Venn schnell gefunden. „Einige rufen gelegentlich schon an, ob wir am Freitag auf dem Markt sind oder nicht“, sagt Manfred Brendgens. Er ist seit 40 Jahren auf den Märkten in der Region unterwegs. Und kennt auch Helmut Lehnen vom Gemüsestand gegenüber schon ewig. „Wir waren schon als Kinder zusammen auf den Märkten“, sagt Lehnen.

Ursula Breither hat noch einmal Spargel gekauft. Foto: Daniel Brickwedde

Für das Grillen am Wochenende hat Inga Stapper eingekauft – Tomaten, Staudensellerie, Pilze, Paprika und Gurken haben es in ihre Einkaufstasche geschafft. „Ich wohne direkt um die Ecke und bin jeden Freitag hier – für die frischen Blumen und das Gemüse. Manchmal gehe ich auch zum Bäcker, die haben leckeres Kümmelbrot“, sagt Stapper.

Besonders beliebt beim Stand der Plümtaler Mühlenbäckerei sei derzeit aber das Doppelback, sagt die Angestellte Daniela Chatteron. Das Roggenmischbrot werde lange gebacken und sei daher besonders knusprig. Aber auch das Walnussbrot sei begehrt. „90 Prozent sind hier Stammkunden. Die kommen jedes Mal und kaufen ihre Produkte“, sagt Chatteron.

Ab 15 Uhr sei allerdings nicht mehr viel los, sagt sie. Auch Lehnen bestätigt das. Oft baut er seinen Stand auch schon eine Stunde vor Marktschluss ab. „Die Leute kommen mittags“, sagt er, „nachmittags ist kaum noch was los.“ Bis dahin sind die Venner mit Marktprodukten offensichtlich versorgt – bis zum nächsten Freitag.