Mönchengladbach: Der Braunkohletagebau und die Folgen für die Seele

Denkanstoß: Das große Loch

Selbst geschaffene Krater wie der Braunkohletagebau sind auch eine Frage der Psychologie, findet unser Autor.

Am vergangenen Sonntag bekam ich Besuch aus der Eifel. Er war die Autobahn 61 hochgefahren. Beim Mittagessen sprach er plötzlich von dem schrecklichen Krater, an dem er vorbei gekommen war. Noch nie habe er so etwas in seinem Leben gesehen. Kilometerweit ist die Erde aufgerissen und verwüstet, obwohl Wüste dagegen freundlich aussieht. Nirgendwo sieht man einen grünen Halm, eine Mondlandschaft ohne Lebenshoffnung. Gierige Arme von Stahlungeheuern ragen aus dem Schlund hervor. Sie schürfen nach der gewinnträchtigen Braunkohle.

Wenn Borussia im Nordpark spielt, fahren hunderte Autos an dem Loch vorbei. Wie viel Energie wird durch die lange Umleitung verschleudert? Sie ist eigens gebaut worden, um das Loch zu vergrößern. Nachts stelle ich mir die Fahrt unheimlich vor. Man kann sich fürchten, von dem Loch in die Tiefe gezogen werden.

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Schnell kamen wir zur Frage, was so eine lebenszerstörende Grube mit der Seele des Menschen macht. Denn unsere Seele ängstigt sich vor Löchern. Die Sprache verrät es. Wer in ein tiefes Loch fällt, den hält eine schwere Depression gefangen, aus der sich nur mühsam befreien kann. Seelisch Kranke sind unfähig, ihr Leben alleine in die Hand zu nehmen. Für sie ist alles sinnlos. Ihre Seele wird geknebelt und braucht lange, um wieder aus dem Loch heraus zu kriechen.

Deshalb sind solche selbst geschaffenen Krater nicht nur eine Frage der Ökonomie und Ökologie, sondern auch eine Frage der Psychologie. Was macht das Loch von Garzweiler mit der Seele des Menschen? Für die Antike ist die Hölle wie ein gigantischer Schlund, der die Menschen verschlingt. Wir graben uns die Hölle selber. Es fehlt als Dekoration nur das Feuer. Auch wer das alte Bild der Hölle ablehnt, die Konfrontation mit solch einem Loch wirkt auf seine Seele. Die Verletzung unserer Erde erinnert an den Tod, nicht an das Heil. Auf jeden Fall haben wir die klaffende Wunde von Garzweiler geschlagen. „Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten.“ (Papst Franziskus)

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