Kolumne Denkanstoß Ein Maß an Gemeinschaft

Mönchengladbach · Nicht einfach jeder für sich, sondern wir miteinander, wünscht sich unser Autor und warnt davor, in Egoismen und Rücksichtslosigkeit zu verfallen.

Die Musikschule bespielte zur Eröffnung des Hans-Jonas-Parks die neu angelegte Freilichtbühne hinter ihrem Haus.

Die Musikschule bespielte zur Eröffnung des Hans-Jonas-Parks die neu angelegte Freilichtbühne hinter ihrem Haus.

Foto: Isabella Raupold (ikr)

Es war wieder einmal viel los am vergangenen Wochenende in unserer Stadt: Eröffnung des Hans-Jonas-Parks auf dem Abteiberg, Turmfest in Wickrathberg, ein schöner Kantatengottesdienst in der Hauptkirche und am Sonntag das große Kinderfest auf dem Rheydter Marktplatz und auf dem Rheydter Harmonieplatz die Eröffnung der Interkulturellen Woche MG. Diese fand nach drei Jahren Corona-Pause endlich wieder statt. Herrliche Düfte von unterschiedlichsten Speisen stiegen auf und zogen über den Platz, es gab Musik und Tanz bei bestem Wetter.

Vereint zum multireligiösen Gebet waren auch wieder die Vertreter vieler Religionen und Denominationen unserer Stadt. Wir waren erfreut, miteinander auf der Bühne und mit den Menschen auf dem Platz wieder so viel Übereinstimmung zu spüren für das multireligiöse und multikulturelle Miteinander in der Stadt. Überall war viel guter Wille zur Gemeinsamkeit zu spüren.

Auf dem Weg nach Hause stieß ich dann aber doch wieder auf Zeichen des Egoismus: eine Mülltüte, die jemand einfach in eine Grünanlage geschmissen hatte, und ein Falschparker, der rücksichtslos den Radweg blockierte.

Trotz aller Individualisierung und Pluralisierung, die unser heutiges Leben prägen, dürfen wir doch nicht in Egoismen und Rücksichtslosigkeit verfallen, sondern brauchen das nötige Maß an Gemeinschaft, damit das Leben und die Zukunft gelingen können. Mit Respekt und Toleranz auf den Nachbarn achten im Quartier, Gemeinschaft verstärken zwischen den evangelischen Kirchengemeinden und darüber hinaus auch mit den katholischen – und zwischen den Religionsgemeinschaften. Nicht einfach jeder für sich, sondern wir miteinander. Auch im Achten darauf, dass die steigenden Energiepreise keinen aus der Kurve tragen, ohne dabei zu viele Schulden der nächsten Generation neben dem Klimaproblem aufzuhalsen.

Und wir sollten nicht vergessen, was wir bei allen Problemen auch an Gutem erleben dürfen. Am Sonntag feiern wir Erntedank, in der Hauptkirche auch mit den Geschwistern aus Eritrea und Sri Lanka. Gemeinsamer Dank für ein Leben in Freiheit: ein Blick auf Eritrea, Sri Lanka, auf junge Männer an der Grenze Russlands und die mutigen Frauen im Iran reicht aus, um diese Freiheit noch einmal ganz neu zu schätzen! Und gemeinsame Bitte um Gottes Segen für das Lebensnotwendige für alle: um Frieden, Freiheit, Wärme und Auskommen.

Stephan Dedring ist evangelischer Pfarrer in Rheydt.

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