Mönchengladbach Denkanstoß Nöller

Denkanstoß: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut!

Die Regenbogenfahne steht weltweit als Zeichen für Toleranz, Vielfältigkeit, Hoffnung und Sehnsucht. Es sei ein langer Lernprozess gewesen, bis auch die evangelische Kirche anhand der Bibel erkannt habe, dass die Liebe viele Gesichter hat, sagt Pfarrer Olaf Nöller.

Als am letzten Samstag der „Christopher-Street-Day“ in Köln gefeiert wurde, berichtete mein Kollege im ökumenischen Gottesdienst der evangelischen Antoniterkirche, am Morgen sei eine Dame erschienen und habe irritiert gefragt: „Was soll denn diese fiese Fahne hier in der Kirche?“ Sie meinte damit die „Rainbowflag“, die weltweit als Zeichen für Toleranz bzw. Akzeptanz, für Vielfältigkeit, Hoffnung und Sehnsucht gesehen wird. Sie ist in der Friedensbewegung in Gebrauch – wie auch in der Emanzipationsbewegung der Lesben und Schwulen. Aber gehört sie gerade deshalb nicht in eine Kirche?

Der Regenbogen ist zentrales Symbol der Bibel. Viele kennen den uralten Mythos, der im Buch Genesis 6 erzählt wird: „Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erde und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will den Menschen, die geschaffen habe, vertilgen von der Erde…“. Der Schöpfer, zutiefst enttäuscht, will das „Projekt Mensch“ abbrechen.

Gott sinnt auf Massenvernichtung. Nur Noah findet Gnade vor seinen Augen. Er, seine Familie und auch die Tiere werden vor der Sintflut gerettet.

Doch als sie die Arche verlassen haben, folgt dieselbe Diagnose wie vorher: der Mensch – immer noch böse von Jugend auf! Nur einer ist nicht derselbe geblieben. Gott verspricht: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen, um der Menschen willen… Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.“ Martin Luther deutet: „Da beginnt Gott ein anderer zu werden!“, denn der Gott der Bibel schwört hier allem Vergeltungsdenken ab, obwohl menschliches Unrecht weiterhin zum Himmel schreit. Trotzdem: Gott haut nicht dazwischen, selbst wenn wir uns das manchmal wünschen.

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Und dann schließt der Ewige einen Gnadenbund. Er garantiert den Fortbestand allen Lebens: „Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“ Jesus knüpft später in der Bergpredigt (Mt. 5ff) daran an: „Liebt Eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Zudem warnt er: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ So verkündet Jesus einen Gott, der nicht „fies“ ist vor den Menschen, weil er selber Feindesliebe praktiziert mit dem Ziel, sie zu erneuern und den Hass zu überwinden.

Die „Rainbowflag“ ist nichts, vor dem Christen „fies“ sein müssen. Ihre Farben repräsentieren die Gottesliebe! Meine Kirche heißt darum auch gleichgeschlechtlich liebenden Menschen willkommen. Paare, die dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen wollen, können kirchlich heiraten. Es war ein langer Lernprozess, bis wir auch anhand der Bibel erkannten, dass die Liebe viele Gesichter hat. Ebenso, dass die Welt „bunt“ ist, so wie es der diesjährige CSD in Mönchengladbach unterstreichen will. Das Presbyterium fand darum bestimmt nichts „Fieses“ daran, die Rheydter Hauptkirche für einen ökumenischen Gottesdienst zur Verfügung zu stellen, der am 20. Juli ab 19 Uhr gefeiert wird. Sein Thema lautet: „Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.“ (1. Tim. 4,4). Die sexuelle Orientierung spielt keine Rolle. Alle, die die Liebe lieben, sind willkommen!

Der Autor ist evangelischer Pfarrer in Rheydt