Film-Workshops in Mönchengladbach „Demokratiekino“ im Hugo

Mönchengladbach · Die Rheydter Gymnasiasten beschäftigten sich den Themen Flucht und Migration. Dafür sahen sie sich Filme des Mönchengladbacher Regisseurs Cagdas Eren Yüksel an.

 Lehrer Reinhard Bitter, Referent Raphael Jeismann, die Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel und Schulleiter Marc Reese.

Lehrer Reinhard Bitter, Referent Raphael Jeismann, die Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel und Schulleiter Marc Reese.

Foto: Hugo-Junkers-Gymnasium

Im Rahmen der Arbeit zum Thema „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ fanden am Hugo-Junkers-Gymnasium zwei Film-Workshops zu den Themen Migration und Flucht statt. In zwei jeweils dreistündigen Veranstaltungen hatten die rund 80 Schüler der Jahrgangsstufe 9 die Gelegenheit, zwei beeindruckende Dokumentarfilme anzuschauen. Im Anschluss daran wurde lebhaft diskutiert und reflektiert – und das alles moderiert von Referent Raphael Jeismann, der als Lehrer für jede Schule ein Gewinn wäre.

Jeismann arbeitet für den Verein „Teller ohne Rand“ des Mönchengladbacher Regisseurs Cagdas Eren Yüksel, der in seinen Filmen „Gleis 11“ und „Asyland“ sowohl der ersten Generation der sogenannten Gastarbeiter als auch geflüchteten Menschen eine Stimme gibt.

Der Film „Gleis 11“, auf dem am Hauptbahnhof München ab den 1950er-Jahren viele Gastarbeiter aus Südosteuropa ankamen, erzählt von der Teilhabe am Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg und den guten und weniger guten Erfahrungen, die Türken und Italiener in Deutschland machten, dessen Entwicklung sie mitgeprägt haben. Ganz nach dem Motto des Schweizer Schriftstellers Max Frisch aus dem Jahre 1965 „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“ berichten Mitbürger der sogenannten ersten Generation vom warmen Empfang, guter Nachbarschaft, Hilfe bei vielen Gelegenheiten, aber auch von Diskriminierung.

Die Darsteller schildern ihre Erinnerungen auf so rührende Weise, dass im Publikum Tränen flossen – und auch die Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel, die den Film ihres Neffen schon oft gesehen hat, zeigte sich tief berührt, denn so wie der Film die Geschichte der Großeltern vieler anwesender Schüler zeigt, erzählt er auch die Geschichte ihrer Eltern.

In „Asyland“, einem Film über geflüchtete Menschen, beschreiben die Protagonisten eindringlich bis erschütternd ihre Wege über Grenzen und Meere, ihr Ankommen und Leben in Deutschland. Vor dem Hintergrund des grauenhaften Krieges in der Ukraine wurde die Zeitlosigkeit des Werkes deutlich und die Schilderungen einer Frau, die in einem syrischen Foltergefängnis über Wochen an einen Stuhl gefesselt überlebte, obwohl sie sich jeden Tag den Tod wünschte, ließ das Blut in den Adern gefrieren.

Gülistan Yüksel bat die Schüler in ihrer Ansprache vor dem Hintergrund der in den Filmen gezeigten Lebenserfahrungen, sich aktiv für Frieden und Demokratie einzusetzen – und die Chancen einer freien Gesellschaft zu nutzen, ganz so, wie ihre Eltern das einst taten. Weitere Infos: http://www.demokratiekino.de/

(RP)
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