Mönchengladbach: Deep Purple im Sparkassenpark

Sparkassenpark : Rock-Legenden auf Abschiedstour

50 Jahre nach der Gründung spielt Deep Purple ein letztes Mal auf den internationalen Bühnen. In Mönchengladbach gab die Band ihr einziges Konzert in Nordrhein-Westfalen. Der Funke sprang nur bei den Klassikern über.

Es braucht nur die ersten fünf Töne und das Publikum ist vollends begeistert. Es ist „Smoke on the water“ von und mit den Deep Purple, was da beginnt und die Funken sprühen über: Keinen Zuschauer hält es mehr auf seinem Platz.

Doch war dies eher selten der Fall. Und genau von solchen begeisternden Momente hätten viele Zuhörer viele weitere erwartet.

Deep Purple nehmen Abschied. Seit gut einem Jahr bereits touren die Hard Rocker durch die Welt und verabschieden sich von ihren Fans. „Es dauert, so lange es dauert“, sagen sie in Interviews zu der Dauer ihrer Abschiedstournee, die sie „The Long Goodbye Tour“ nennen. Ian Paice erklärt in einem Gespräch: „Das kann bis zu drei Jahre dauern.“

Am Sonntagabend waren sie zwischen Auftritten in Mexico City, Moskau, Verona und Chigao in Mönchengladbach – und damit der einzigen Station in Nordrhein-Westfalen – zu Gast. Nordamerika, Südamerika, Japan, Europa – die Fans der Hard Rock-Band sind weltweit zu Hause.

Wer erwartet hätte, dass nur die Alt-68er im Sparkassenpark ihren alten Idolen zujubeln würden, der sah sich getäuscht. Nachdem am frühen Abend Navarone und Axel Rudi Pell ihre Auftritte beendete hatten, verfolgten erstaunlich viele Zuhörer unter 40 den Auftritt der Rocker. Ein Wermutstropfen: Deep Purple spielten im Sparkassenpark vor leider vielen leeren Plätzen.

Sie sind echte HardRock-Legenden. Im April vor 50 Jahren haben sie sich gegründet. In diesen Jahrzehnten hat es zahlreiche Umbesetzungen gegeben. Der Sänger Ian Gillan, Ian Paice am Schlagzeug und der Bassist Roger Glover gehören fast von Anfang an dazu, der Gitarrist Steve Morse kam 1994 dazu und der Keyboarder Don Airey 2002. Sie haben ungezählte gemeinsame Touren hinter sich. Haben unzählige Studio- und Liveaufnahmen eingespielt.

Aber von Altersmüdigkeit oder Verlangsamung der zwischen 64 und 73jährigen Musikern ist keine Spur zu sehen.

Knapp zwei Stunden rocken, spielen, singen sich Gillan, Morse, Glover, Paice und Airey mit ungezähmter Kraft und hoher technischer und musikalischer Professionalität durch das Konzert. Geben schier unermüdlich Soli an Gitarre, Schlagzeug und Keyboard bzw. Hammond Orgel. Spielen harte Stücke, weiche, balladeske. Sie spielen Stücke aus ihren Alben wie Machine Head, Fireball und vor allem dem neuen: „Infinite“, das sie im April 2017 aufgenommen haben. Das Publikum nahm diese neuen Stücke eher zurückhaltend an, der berühmte Funke sprang kaum.

Einen besonderen Genuss verschaffte das wunderbare, kaum enden wollende Solo von Don Airey am Keyboard. Ein unterhaltsames Detail auch die Videos hinter den Musikern, die dafür sorgten, dass auch das Publikum, das weit entfernt von der Bühne saß, mitverfolgen konnte, wie Airey das Keyboard bearbeitete oder Ian Paice sein Schlagzeug.

Es war schade, dass Ian Gillans Stimme meist zwischen den Instrumenten seiner Kollegen unterging. Schade auch, dass nicht mehr alte Songs in der Art von „Smoke on the Water“, „Lazy“ oder „Black Night“ gespielt wurden, bei denen der berühmte Funke übersprang. Die Stücke waren, wie es schien, nicht der Bestenliste der Band entnommen, sondern stellte eine Mischung, ein Querschnitt der Stücke der letzten Jahrzehnte dar.

Nach nur zwei Zugaben ließ das Publikum dann die Legenden auch weiterziehen. Mit einem knappen „We love you. Take it easy. Bye bye“, waren Gillan, Paice, Glover, Morse und Airey verschwunden.

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