Mönchengladbach: Das Rennen ums Rathaus ist eingeläutet

Kolumne Mensch Gladbach : Das Rennen ums Rathaus ist eingeläutet

Bringen Sie sich schon mal in Wahlkampflaune: Erst die Europawahl, 2020 wird dann über Stadtrat und Oberbürgermeister abgestimmt. Noch ist offen, ob Amtsinhaber Hans Wilhelm Reiners erneut antritt.

Haben Sie es gemerkt? Wir hatten schon lange keinen Wahlkampf. Ende September 2017 durften die Mönchengladbacher zum letzten Mal ein Kreuzchen machen – bei der Bundestagswahl. Nach mehr als 17 Monaten Abstinenz geht’s bald wieder los: Im Mai ist Europawahl, womöglich garniert mit einem Bürgerentscheid zum geplanten Verkauf von Haus Erholung. Was eine interessante Kombination aus kontinental und lokal wäre – und ein erster Stimmungstest für die Kommunalwahlen 2020. Abgestimmt wird dann, wie stark die Parteien in Stadtrat und Bezirken vertreten sind, was wiederum für mehrheitsfähige Bündnisse eine Rolle spielt. Gewählt wird aber auch das Stadtoberhaupt.

Den Oberbürgermeister stellt in Mönchengladbach mit Ausnahme der zehnjährigen Amtszeit des Sozialdemokraten Norbert Bude traditionell die CDU. Seit 2014 mit Hans Wilhelm Reiners. Die spannendste Frage im Moment ist: Tritt er 2020 noch einmal an? Bisher hat sich Reiners noch nicht erklärt.

Doch davon hängt einiges ab. Zum Beispiel, wie hoch die Chancen des SPD-Kandidaten ausfallen. Der ist zwar noch nicht nominiert, das wird erst in ein paar Monaten erfolgen, hinter den sozialdemokratischen Kulissen gilt jedoch Fraktionschef Felix Heinrichs als gesetzt. Ein durchaus kluger Schachzug: Er ist eloquent, präsent, gut vernetzt, jünger als er manchmal wirkt (er wird demnächst 30). Mit seinem Groko-Pendant von der CDU, Hans Peter Schlegelmilch, ist Heinrichs in fast symbiotischer Einigkeit verbunden – und ist auch für CDU-Anhänger wählbar. Aus strategischer Sicht also ein SPD-Joker.

Dennoch dürfte er es schwerer haben, wenn Reiners erneut antritt. Der Amtsinhaber ist in der Regel gegenüber einem Debütanten mit einem Bonus belegt. Bei ihm wissen die Bürger, was sie bekommen. Und hat er sich nicht schwere Schnitzer erlaubt – fachlich oder atmosphärisch –, setzt der Wähler gerne auf Bewährtes. Reiners regiert beständig, ohne Ausschläge nach oben oder unten. Was ein Vorteil sein kann. Hinzu kommt, dass er mit Gregor Bonin, der Technischer Beigeordneter und als Stadtdirektor sein erster Stellvertreter ist, eine Freundschaft und interessante Arbeitsteilung pflegt: Bonin zieht, die Groko-Spitzen an der Seite, strategische Linien innerhalb der Verwaltung ein, Reiners trägt sie mit und übernimmt unprätentiös den repräsentativen Part.

Das Unprätentiöse bringt aber auch mit sich, dass er nicht am Amt klebt. Der mehrfache Großvater und passionierte Radfahrer gibt offen zu, dass es für ihn auch ein spannendes Leben neben der Politik gibt. Die Pension aus der Amtszeit ist gesichert, Reiners muss niemandem etwas beweisen. Tritt er nicht mehr an, ermöglicht er damit einen Neuanfang, was sich manche in seiner Partei wünschen, andere fürchten. Doch wer würde folgen?

In jedem Fall steht fest, dass es nicht bei zwei OB-Kandidaten bleibt: Auch Grüne, FDP und Linke wollen Mitglieder aufstellen. Wie viele Stimmen sie holen, wird einen Effekt darauf haben, wer am Ende gewinnt. Das Rennen ums Rathaus ist eingeläutet.

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