1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Corona-Alltag einer Erzieherin im Kindergarten - So sieht er aus

Erfahrungsbericht aus Mönchengladbach : So sieht der Corona-Alltag einer Erzieherin aus

Fiebermessungen, verständnislose Eltern, endlose Dokumentationen und Kinder, die nach dem Lockdown plötzlich wieder in die Hose machen. Corona hat den Alltag von Erzieherinnen erheblich durcheinander gewirbelt.

Manuela Jansen (*Name geändert) möchte nicht erkannt werden. Sie liebt ihren Job als Erzieherin und will ihn behalten, obwohl der Beruf immer schwieriger wird, wie sie sagt. Gründe dafür gebe es viele: Einer lautet Corona.

Die Pandemie habe den Alltag in der Kindertagesstätte für die Angestellten noch stressiger gemacht, berichtet die 42-Jährige. Denn die strengen Infektionsschutz-Maßnahmen bedeuten noch mehr Organisation, Dokumentation und Desinfektion. „Wenn ich alles aufschreiben würde, was ich müsste, wäre ich den ganzen Tag mit Schreibkram beschäftigt“, sagt Manuela Jansen. „Und wenn ich alle Regeln strikt einhalten würde, könnte ich meiner sozialen Verantwortung nicht mehr nachkommen.“ Beispiel: Elterngespräche von Angesicht zu Angesicht. Die seien eigentlich wegen Corona nicht erlaubt, oft aber nötig, auch im Sinne der Kinder und deren Entwicklung.

Es gebe durch die Pandemie aber auch schlichtweg mehr Aufgaben, sagt die Erzieherin, die in einer Kita arbeitet, in die täglich 60 bis 80 Kinder gebracht werden. Das fange schon morgens bei den Türdiensten an. Eine Betreuerin sei dafür abgestellt, täglich vor Einlass mit einem Stirnthermometer bei den Mädchen und Jungen Fieber zu messen. Eltern von Kindern, die sich nicht in der Eingewöhnungsphase befinden, müssen wegen Corona draußen bleiben, was immer noch zu Unmut bei manchen Müttern und Vätern führe.

Die Kita-Mitarbeiterin, die an der Tür steht, Fieber misst und Ergebnisse dokumentiert, falle für die Kinderbetreuung erst einmal weg, sagt Manuela Jansen. Dies sei umso schwieriger, wenn es in der Kindertagesstätte Beschäftigte gibt, die zur Risikogruppe gehören und deshalb nicht zur Arbeit kommen.

Zwar gebe es jetzt, wo die Infektionszahlen auch in Mönchengladbach wieder stark steigen, Eltern, die ihre Kinder aus Vorsicht zu Hause lassen. Die allermeisten würden ihre Töchter und Söhne aber in die Kita bringen – selbst bei Erkältungserscheinungen, sogar „wenn den Kindern grüne Seile aus der Nase hängen und sie durchgehend husten“, sagt die Erzieherin. Hat das Kind kein Fieber, dürfe es bleiben. Manuela Jansen ist sich aber sicher, dass die Stirnthermometer keine zuverlässigen Ergebnisse bringen.

Was wäre, wenn es eine Corona-Infektion in ihrer Kita gäbe, möchte sie sich gar nicht ausmalen. „Wir sind wieder zur offenen Arbeit zurückgekehrt“, sagt sie, „das bedeutet: Alle Kinder und Erzieherinnen müssten in Quarantäne, alle Eltern und alle sonstigen Kontaktpersonen.“ Es gebe Kindergärten, die aus gutem Grund bei der Gruppenarbeit geblieben seien. In Manuela Jansens Kita dürfen die Kinder sich aufhalten, wo sie möchten. So würden sich die Mädchen und Jungen ständig mischen.

Einen zweiten Lockdown wünscht sich die Erzieherin nicht. „Das wäre nicht gut. Manche Eltern sind ja in echte Existenzängste geraten, weil sie in Kurzarbeit kamen oder ihren Job wegen fehlender Kinderbetreuung verloren“, sagt die 42-Jährige. Es habe Kinder gegeben, die hätten in der Zeit mit der Familie viel gelernt.

Aber es gab laut Manuela Jansen auch sehr viele, denen der Lockdown gar nicht gut tat. „Viele Kinder sind unselbständiger geworden“, sagt sie, „und es gibt nicht wenige, die wieder in die Hose machen.“ Für die Erzieherinnen bedeutet das: ständiges An- und Ausziehen. „Manchmal brauchst du gar nicht erst etwas anzufangen, weil es andauernd wieder aus irgendeiner Windel riecht“, berichtet Manuela Jansen.

Sie und ihre Kolleginnen müssen wegen Corona nun auch Reinigungsarbeiten übernehmen. Und das betrifft nicht die Körperpflege. Sobald die Kinder die Räume verlassen haben, „müssen wir alles desinfizieren –  jedes Spielzeug, jedes Bauklötzchen. Das ist gar nicht zu schaffen“, sagt Manuela Jansen. Die Reinigungskräfte seien nur für die Böden in der Kita zuständig.

Die 42-Jährige kann verstehen, dass Erzieherinnen streiken, weil sie mehr Geld für ihre Arbeit verlangen. Warum andere Berufsgruppen Corona-Prämien bekommen und Kita-Mitarbeiter nicht, kann Manuela Jansen nicht nachvollziehen. Dennoch beteiligt sie sich nicht an den Streiks. „Der Zeitpunkt ist nicht gut“, sagt sie. Und: „Das kann man Eltern und Kindern jetzt nicht antun.“