Mönchengladbach: Christkindlmarkt ist der Treffpunkt zum Advent

Am 1. Dezember im Mönchengladbach: Christkindlmarkt, der Treffpunkt zum Advent

Für viele Besucher ist der Markt auf dem Kapuzinerplatz ein Jour fixe im Jahreskalender. Die Erlöse aus dem Verkauf gehen vollständig an Gladbacher Einrichtungen für behinderte Menschen. Bis jetzt waren es schon 2,9 Millionen Euro.

Hannah, Sebastian, Hajar und Michelle sind voll konzentriert. Die 14- bis 16-jährigen Schüler der LVR-Förderschule Rheindalen sitzen um einen großen Werktisch herum und fertigen Weihnachtskarten an. Sie verwenden bunte Papiersorten und Pappstücke, Sternchen in vielen unterschiedlichen Farben, Größen und Materialien, dazu Elche und Weihnachtsbäume. Alles wird behutsam zusammengestellt und dann stolz präsentiert. Vier bis fünf Weihnachtskarten schaffen sie pro Kopf und Tag. In der Vorbereitungszeit auf den Christkindlmarkt am 1. Dezember arbeiten sie jede Woche an ihren Weihnachtskarten. Schließlich sollen auf dem Christkindlmarkt am Stand der LVR-Förderschule genügend Karten für 1,50 Euro das Stück verkauft werden.

Jedes Jahr zum Christkindlmarkt verwandelt sich der gesamte Kapuzinerplatz in ein einziges Meer aus Ständen und Buden, die Besucher in Adventsstimmung bringen. Es werden unter anderem Weihnachtsdekoration, Bücher, Adventskränze und Kinderspielzeug sowie süße Köstlichkeiten zum Kauf angeboten. 49 Verkaufsstände werden es in diesem Jahr sein.

Der Christkindlmarkt, der immer am Samstag vor dem 1. Advent von 9 bis 17 Uhr stattfindet, wird ausschließlich von unterschiedlichen Einrichtungen und ehrenamtlich tätigen Menschen betrieben, die gemeinsam mit behinderten Menschen Geld für behinderte Menschen aus Mönchengladbach verdienen wollen. „Insgesamt bringen sich 500 Personen ein, um diesen einzigen nicht kommerziellen Weihnachtsmarkt in der Stadt durchzuführen“, sagt Charlotte Lorenz, Vorsitzende des Christkindlmarkt Mönchengladbach. „Bei uns wird Inklusion bereits seit 46 Jahren gelebt.“

Die angebotenen Produkte sind in der Regel handgemacht. Viele Aussteller sind schon seit Jahren dabei. Man trifft sich einige Monate vor dem Christkindlmarkt, tauscht Rezepte aus, sucht nach Verbesserungen und anderen Ideen, diskutiert neue Schnittmuster für Näharbeiten. Der gesamte Erlös, der auf dem Christkindlmarkt erzielt wird, wird in neun Teile geteilt. Acht Organisationen sind fest dabei und übernehmen neben einer Bude auch organisatorische Aufgaben.

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Zu diesen Organisationen zählen auch die Evangelische Stiftung Hephata, die für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Christkindlmarktes zuständig ist, und die LVR-Förderschule Rheindalen, die das Musikprogramm und die städtischen Genehmigungen zur Platznutzung organisiert. Die Schule hat in den letzten 25 Jahren 233.600 Euro aus dem Erlös des Christkindlmarktes erhalten.

Mit dem Geld wurden Dinge angeschafft, die der Förderung der Schüler dienen, etwa spezielle E-Bikes oder Klettergerüste für den Pausenhof.

Der neunte Teil wird jährlich wechselnd vergeben. In diesem Jahr ist es das Förderzentrum Nord, wo man mit den Erlösen aus dem Christkindlmarkt Auszeiträume für Kinder und Jugendliche mit emotionalen Störungen finanzieren will. In den bislang 45 Jahren Christkindlmarkt sind insgesamt rund 2,9 Millionen Euro Spendengelder eingenommen worden.

Manuela Hannen von Hephata-Stiftung schätzt, dass in den vergangenen Jahren jeweils 6000 bis 8000 Besucher Zeit auf dem Christkindlmarkt verbracht haben. „Immer wieder werden wir gebeten, die Öffnungszeit über 17 Uhr hinaus zu verlängern“, sagt sie, doch das sei nicht zu schaffen, da die Buden auf dem Kapuzinerplatz jedes Jahr noch am selben Tag abgebaut werden müssten.

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