Mönchengladbach: Center Textillogistik der Hochschule Niederrhein eröffnet

Neues Institut in Mönchengladbach: Denkfabrik für die Textillogistik

Das neue Center Textillogistik der Hochschule Niederrhein und des Fraunhofer IML nimmt seine Arbeit auf. Die Wissenschaftler um Professor Markus Muschkiet sollen neue Lösungen für die Warenströme in der Branche erforschen.

Die Textilwirtschaft und die Logistik-Branche sind wohl die zwei Wirtschaftszweige, die die Wirtschaft in Mönchengladbach noch heute am meisten prägen. Jetzt wächst beides zusammen in einer Büroetage im Blauhaus an der Hochschule Niederrhein. Dort wird Professor Markus Muschkiet mit seinem Forscherteam von nun an ergründen, wie sich die Logistik für die gewachsenen Anforderungen in der Textilindustrie verbessern lässt und welche Textilien für die Logistik, zum Beispiel für Paketboxen an der eigenen Haustür, interessant sein können. Am Montag eröffneten die Hochschule Niederrhein und das Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (IML) das Center Textillogistik (CTL) mit Arbeitsgruppen in Dortmund und Mönchengladbach. Das CTL war bereits im vergangenen Jahr gegründet worden. Jetzt nimmt es seine Arbeit auf.

„Die Textilbranche ist sehr dynamisch, weil sich die Mode und die Anforderungen an technische Textilien stark verändern“, sagte Professor Uwe Clausen, Leiter des Fraunhofer IML an der Technischen Universität Dortmund. „Das neue Center Textillogistik soll die Nachhaltigkeit und die Effizienz in der textilen Lieferkette noch besser machen.“ Innovationstreiber für die Textilindustrie in der Region soll das sein, was Markus Muschkiet mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern erarbeitet, sagte Hans-Hennig von Grünberg, Präsident der Hochschule Niederrhein.

Muschkiet kennt sich mit den Problemen der Branche aus. Er war über Jahre Logistik-Leiter bei Zalando. Ein großes Problem in der Bekleidungsindustrie etwa sei die Verpackung von Pullovern, T-Shirts und Hemden in sogenannten Polybags für den Online-Handel. „Noch immer werden 77 Prozent des Umsatzes stationär gemacht, es müssen also längst nicht alle Kleidungsstücke für den Versand verpackt werden“, sagte Muschkiet. Wenn es aber zu wenige sind, dann wird das Nachverpacken teuer und kompliziert. Ein anderes Beispiel sind die enormen Mengen an Retouren aus dem Online-Handel, die wieder in die Warenwirtschaftskette integriert werden müssen. Kluge und innovative Lösungen sind gefragt. Das CTL soll neue Produkte, Konzepte und Geschäftsmodelle für die gesamte Lieferkette erarbeiten, vom Baumwollfeld bis zum Recycling von Textilien. Dabei war Logistik für die Textilbranche schon immer zentraler Bestandteil. „In der Textil- und Bekleidungsindustrie wurde Globalisierung schon gelebt, bevor es diesen Begriff überhaupt gab“, sagte Wilfried Holtgrave, Präsident des Verbands der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie.

Eröffnung des Center Textillogistik mit (vorne v.l.): Wilfried Holtgrave, Prof. Markus Muschkiet, Prof. Wolfgang Kleinebrink, Prof. Hans-Hennig von Grünberg, Rolf Königs. Hinten v.l.: Walter Erasmy, Prof. Michael ten Hompel, Prof. Alexander Prange, Prof. Uwe Clausen und Anna Büschel. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)
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Damit wächst der Textilcampus in Mönchengladbach um einen weiteren Baustein. Neben dem Fachbereich Textil und Bekleidungstechnik der Hochschule mit seinen mehr als 2000 Studenten gehören das Forschungsinstitut für Textil und Bekleidung (FTB), das Deutsche Textilforschungszentrum Nordwest (DTNW), zwei öffentliche Prüfstellen für Materialprüfungen von Textilien dazu. Überdies werden seit September in der neuen Textilakademie die Auszubildenden aus acht Bundesländern unterrichtet. Zum Jahresbeginn gründen die Hochschule und die Verbände der Textil- und Bekleidungsindustrie im Rheinland sowie in Nordwestdeutschland eine neue Weiterbildungs-GmbH als Joint Venture, um die berufliche Weiterbildung in Textilberufen zu stärken. Und Rolf Königs, Präsident des Verbandes der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie, zählte auch das Textil-Technikum im Monforts-Quartier dazu. „Dieses Ensemble gehört zusammen, und mit dem CTL ist jetzt ein Traum wahr geworden“, sagte der Chef der Aunde-Gruppe.

Königs betonte vor den Gästen in der Textilakademie, wo die Eröffnung des CTL gefeiert wurde: „Die Textil- und Bekleidungsindustrie hat eine entscheidende Renaissance vor sich.“ Und einen nicht unwesentlichen teil dazu soll das Center Textillogistik beitragen.

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