Mönchengladbach: CDU und FDP gegen Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße

Bürgerantrag in der Bezirksvertretung Nord : Lettow-Vorbeck-Straße: CDU und FDP gegen Umbenennung

Die Straße am Bunten Garten wird wohl weiter nach dem Offizier Paul Emil von Lettow-Vorbeck benannt bleiben, der an der blutigen Niederschlagung des Herero-Aufstands in Südwestafrika zwischen 1904 und 1906 beteiligt war. Die Fraktionen verweisen auf den Willen der Anwohner.

Die Lettow-Vorbeck-Straße am Bunten Garten wird ihren Namen aller Voraussicht nach behalten. Für die Sitzung der Bezirksvertretung Nord, die am heutigen Mittwoch darüber entscheidet, zeichnet sich eine Mehrheit ab, den Bürgerantrag auf eine Umbenennung abzulehnen. Die CDU erklärte am Dienstag unserer Redaktion, gegen den Antrag zu stimmen, ebenso die FDP-Fraktion. Damit wäre mit zehn Nein-Stimmen bei 19 Mitgliedern der Bezirksvertretung die Mehrheit gegen den Antrag. Die SPD hat hingegen angekündigt, für eine Umbenennung zu stimmen.

Christoph Dohmen, Fraktionsvorsitzender der CDU im Norden, sagte: „Durch den Bürgerantrag gibt es keine Neuerung zur Situation von vor vier Jahren.“ Damals hatte die Stadt die Anwohner der Straße am Bunten Garten befragt, 90 Prozent sprachen sich gegen eine Umbenennung aus. „Wir fühlen uns an die Befragung der Anwohner gebunden“, sagte Dohmen. Auch Stefan Wimmers, der für die FDP in der Bezirksvertretung Nord sitzt, verwies auf die Bürgerbefragung. Die SPD hingegen werde für eine Umbenennung stimmen, sagte Fraktionschef Felix Heinrichs: „Es gibt so viele begründete Tatsachen, dass Paul Emil von Lettow-Vorbeck eine Person war, die man nicht auf diese Weise ehren sollte. Dieser Name sollte besser nicht in unserem Straßenverzeichnis stehen.“ Die Stadt hatte die Entscheidung der Bezirksvertretung überlassen. Eine Neubenennung der Straße nach Lettow-Vorbeck käme heute „zweifelsohne nicht mehr in Frage“, so das Rathaus. Eine Umbenennung könne aber nur aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erfolgen.

Paul Emil von Lettow-Vorbeck war als Adjutant des deutschen Kommandeurs Lothar von Trotha zwischen 1904 und 1906 an der Niederschlagung des Herero-Aufstands in Südwestafrika beteiligt. Die sogenannte deutsche „Schutztruppe“ ging brutal gegen die Afrikaner vor. Tausende Herero wurden in die Wüste Omaheke getrieben, wo sie verhungern mussten. Tausende Nama fielen der Vergiftung von Wasserstellen sowie der Zwangsarbeit und Krankheiten in Konzentrationslagern zum Opfer. Der Journalist und Afrika-Kenner Bartholomäus Grill, der dies in einem Streitgespräch im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Jahr 2016 nicht als einen von der deutschen Reichsregierung systematisch geplanten Völkermord einstufen mochte, sagte dennoch kürzlich bei einer Lesung in der Stadtbibliothek Mönchengladbach über Lettow-Vorbeck, dieser sei „ein Schandfleck in unserer Geschichte“.