Mönchengladbach: CDU sucht Nachfolger für OB Reiners

Kommunalwahl 2020 : CDU sucht Nachfolger für OB Reiners

Eineinhalb Jahre vor der Oberbürgermeister-Wahl hat Amtsinhaber Hans Wilhelm Reiners erklärt, nicht erneut anzutreten. CDU-Chef Günter Krings will ein offenes Verfahren und rechnet mit mehreren Interessenten.

Seit langem wurde spekuliert, jetzt herrscht Klarheit: Hans Wilhelm Reiners (CDU), seit 2014 Oberbürgermeister, wird bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr nicht erneut kandidieren. Das erklärte er am Wochenende vor dem CDU-Kreisvorstand und begründete das vor allem mit seinem Privatleben: Er wolle mehr Zeit für Reisen und seine Familie haben. Zudem wäre er am Ende einer zweiten Amtszeit 71, seiner Ansicht nach zu alt, um ein kommunales Spitzenamt auszuüben.

Für die CDU stellt sich nun eineinhalb Jahre vor der OB-Wahl die Frage, mit wem sie ins Rennen geht. „Wir werden ein offenes und transparentes Verfahren durchführen“, betont Parteichef Günter Krings. Auch Abstimmungen der Mitglieder – diesen Herbst oder Anfang 2020 – über mehrere Kandidaten seien denkbar. „Wichtig ist am Ende Einigkeit im Wahlkampf.“ Zu möglichen Nachfolgern will sich Krings nicht äußern. Selbst wird er seinen Hut nicht in den Ring werfen. Als Bundestagsabgeordneter und Parlamemtarischer Staatssekretär liegt sein Fokus eher auf Berlin.

Der Chef der Ratsfraktion, Hans Peter Schlegelmilch, wäre aus der Funktion heraus ein Kandidat, winkt aber ebenfalls ab: Eine solch zeitaufwändige Aufgabe sei mit seinem Unternehmen Imat Uve nicht zu vereinbaren. Allerdings hat Schlegelmilch klare Erwartungen: „Fraktionschef und OB als Tandem – davon träume ich!“ Dass es zwischen ihm und Reiners nicht so war, ist im Rathaus ein offenes Geheimnis.

Immer wieder genannt wird Gregor Bonin, zumal der Technische Beigeordnete seit knapp einem Jahr auch Stadtdirektor und somit direkter Stellvertreter des Oberbürgermeisters ist. Dennoch ist fraglich, ob er kandidieren würde. Der repräsentative Part mit vielen Terminen im Brauchtum, der zur Rolle des Rathaus-Chefs gehört, liegt ihm nicht. Eher vorstellbar wäre ein Posten als Geschäftsführer im Bereich städtischer Beteiligungen. Das würde das Tor für eine Kandidatur seiner Frau öffnen: Annette Bonin, Architektin und Ratsmitglied, gehört als Vorsitzende der Frauen Union automatisch zu jenen, auf die sich der Fokus richtet. Solange ihr Mann Beigeordneter ist, wäre aber eine Oberbürgermeisterin Bonin ausgeschlossen, heißt es in führenden CDU-Kreisen.

Eine andere Frau wird seit längerem als potenzielle OB-Kandidatin gehandelt: Petra Heinen-Dauber, Bürgermeisterin, Rechtsanwältin und Ratsfrau aus Odenkirchen. Ihr werden Authentizität und ein Vetrauensverhältnis zu Schlegelmilch attestiert. Ebenso auf der Liste: Die beiden Landtagskandidaten Frank Boss und Jochen Klenner. Dieter Breymann, Rechtsanwalt, Ratsherr und gut vernetzter Kulturpolitiker, wird genannt. Auch Ratsherr Martin Heinen soll Interesse haben. Zu den Wunschkandidaten gehört hinter den Kulissen Detlef Irmen. Der Banker aus Windberg überzeugt durch wirtschaftlichen Sachverstand. Doch zuletzt trat er aus beruflichen Gründen in der aktiven Politik kürzer, das könnte gegen eine Kandidatur sprechen. Die Gladbacher CDU wird aber ihren Blick auch in die Region richten und nach Beigeordneten oder Geschäftsführern Ausschau halten.

Die Kandidatur der CDU wird auch eine Antwort auf die der Groko-Partnerin SPD sein. Es gilt als sicher, dass die Sozialdemokraten ihren Fraktionschef Felix Heinrichs  aufstellen, der nicht nur bei einer jungen, urbanen Klientel punkten könnte, sondern auch in CDU-nahen Kreisen als wählbar gilt. Krings beunruhigt das nicht: Auch eine lokal starke Persönlichkeit könne nicht den dauerhaft negativen Bundestrend der SPD umkehren.

Die anderen Ratsfraktionen werden ebenfalls auf eigene OB-Kandidaturen setzen. Das dürfte  CDU und SPD Stimmen kosten. Bei den Grünen ist die 25-jährige Lena Zingsheim im Gespräch, was eine gute Antwort auf Heinrichs sein könnte. Die Alternative wäre ein erfahrener Kommunalpolitiker. Bei der FDP fällt immer wieder der Name des langjährigen und von der Groko 2018 nicht wiedergewählten Kämmerers Bernd Kuckels, was ein interessanter Schachzug wäre. Punkten könnten die Liberalen mit ihrer Fraktionschefin Nicole Finger, aber auch sie ist als Unternehmerin stark beruflich gebunden. Die Linke wird laut Torben Schultz ebenfalls einen Kandidaten aufstellen.

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