Mönchengladbach: Caritas warnt vor Wohnungsmangel

Mönchengladbach : Caritas warnt vor Wohnungsmangel

Noch nie gab es so viele Wohnungen in der Stadt wie heute, trotzdem sind viele Menschen auf der Suche nach einer passenden Bleibe. Das liege daran, dass vor allem teure Unterkünfte entstehen statt günstige Wohnungen, so die Caritas.

Was haben ein Sofa, ein Bücherregal und ein Esszimmertisch auf dem Adenauerplatz verloren? Sie bilden ein „Zimmer auf der Straße“, das der Caritasverband Mönchengladbach am Donnerstag für einen Nachmittag aufgestellt hat. Mit der Aktion „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ will der Verband auf die zunehmende Wohnungsnot auch in Mönchengladbach hinweisen. „Ein Zuhause ist der persönliche Rückzugsort. Es bietet Geborgenheit und die Voraussetzungen für soziale Teilhabe. Deshalb beobachten wir als Caritas-Verband den Mangel an bezahlbarem Wohnraum mit großer Sorge“, sagt Frank Polixa, Geschäftsführer des Caritasverbandes Region Mönchengladbach.

Dabei gab es in der Stadt nie so viele Wohnungen wie im Moment. Zum Stichtag 31. Dezember 2017 zählte das Statistische Landesamt it.NRW in Mönchengladbach genau 137.326 Wohnungen. Das waren 3,1 Prozent mehr Einheiten als am 31. Dezember 2010. Die durchschnittliche Wohnungsgröße liegt bei 85,7 Quadratmetern, der Wert wächst seit Jahren ebenfalls. Rein statistisch hatte jeder Einwohner der Stadt demnach genau 45,0 Quadratmeter Platz zum Wohnen. Auch dies ist ein Bestwert, wenn auch nur für Mönchengladbach. Im Landesvergleich wohnen die Gladbacher im Schnitt um einige Quadratmeter beengter als der Durchschnittsbürger in NRW. Die nackten Zahlen sind eher Belege dafür, dass der Slogan der „Wachsenden Stadt“, obschon ein Marketing-Claim, gar nicht mal so verkehrt ist.

 Wie passt das aber zusammen mit Wohnungsmangel und anderen Begleiterscheinungen, die die Caritas wie auch andere Sozialverbände scharf kritisieren? Tatsächlich ist der Wohnungsbau in Mönchengladbach in den vergangenen eineinhalb Jahren ins Stocken geraten. Im Jahr 2017 wurden it.NRW zufolge insgesamt 248 neue Wohngebäude fertiggestellt, ein Rückgang gegenüber 2016 um 15,1 Prozent. Die Zahl der fertiggestellten neuen Wohnungen fiel im selben Zeitraum um 12,1 Prozent auf 521 Einheiten, wobei ein Teil des Rückgangs auch darauf zurückzuführen ist, dass einfach weniger große Bauprojekte fertig wurden.

Auch die Zahl der öffentlich geförderten preisgebundenen (und damit günstigen) Wohnungen geht stetig zurück. Die Caritas gibt an, dass es Ende 2017 rund 7000 öffentliche geförderte, preisgebundene Mietwohnungen in der Stadt gab. Etwa 1500 Sozialwohnungen sind selbst genutztes Wohneigentum, das seien etwa ein Fünftel weniger als vor fünf Jahren. Damit macht öffentlich geförderter Wohnraum etwa sechs Prozent des gesamten Wohnungsbaus in der Stadt aus. Schätzungen zufolge könnten etwa 37.000 Haushalte einen Wohnberechtigungsschein erhalten.

Diese Situation hat die Folge, dass es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt. „Es wird zwar viel gebaut, aber die Frage ist immer, ob das, was gebaut wird, auch für Menschen mit geringem Einkommen erschwinglich ist.“, sagt Frank Polixa.

Auch der Caritasverband bietet in Mönchengladbach und Korschenbroich etwa 60 Sozialwohnungen an. „Leider müssen wir erleben, dass der soziale Wohnungsbau sehr bürokratisch ist. Wir müssen zu viel Zeit mit Anträgen verbringen. Hier sehe ich die Kommune und das Land in der Verantwortung, denn Wohnungspolitik ist Sozialpolitik“, so Polixa. Dabei wurden in den vergangenen Jahren die bereitgestellten Fördermittel gar nicht mehr in voller Höhe abgerufen, weil sich Bauherren billige Kredite in der freien Wirtschaft besorgen können, ohne dass die Miete auf Jahre hinaus gebunden ist. Die NRW-Bank erwartet infolgedessen für 2020 einen Bestand an preisgebundenen Wohnungen von etwa 6600 Einheiten. Bis 2030, so die Prognose der Landesbank, dürften es nur noch 5100 sein.

Die Baugewerkschaft IG Bau kritisiert, Bauherren in der Stadt hätten eine „mangelnde Investitionsbereitschaft“. Demzufolge seien 2017 in Mönchengladbach 132,9 Millionen Euro in den Neubau von Wohnungen investiert worden. „Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn Mönchengladbach seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will.

Denn der Neubau von bezahlbaren Wohnungen ist die einzige effektive Antwort auf steigende Mieten und hohe Immobilienpreise, von denen auch Nordrhein-Westfalen betroffen ist“, sagt Holger Vermeer (IG BAU) vom Verbändebündnis Wohnen.

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