Mönchengladbach: Caritas kritisiert hohe Zahl der Hartz-IV-Aufstocker

Arbeitslosenreport für Mönchengladbach : Zu viele Geringverdiener brauchen Hartz-IV

Weil das Einkommen oft nicht reicht, bekommen auch viele Berufstätige Geld vom Staat. Der „Arbeitslosenreport NRW“ hat die Zahlen mal aufgedröselt.

(hh) In Mönchengladbach müssen viele Menschen Hartz-IV-Leistungen beziehen, obwohl sie arbeiten gehen. Der Grund ist einfach: Ihr Erwerbseinkommen allein reicht nicht aus. Das zumindest sagt der Caritasverband für das Bistum Aachen. Er stützt sich dabei auf den aktuellen Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Im März 2019 gingen demnach 6294 erwerbsfähige Hartz-IV-Beziehende in Mönchengladbach auch zusätzlich einer Erwerbsarbeit nach.

Der „Arbeitslosenreport NRW“ ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz. Der Report veröffentlicht regelmäßig Datenmaterial zu unterschiedlichen Themen. Kürzlich hatte er sich beispielsweise die Beschäftigungssituation von Flüchtlingen vorgenommen.

Die 6294 berufstätigen Personen, die zusätzlich auch Hartz-IV-Leistunen beziehen – laut Caritas sind das 24,6 Prozent aller grundsätzlich erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger in Mönchengladbach –  „sind als sogenannte Aufstocker auf ergänzende, steuerfinanzierte Hartz-IV-Leistungen angewiesen“, erläutert Roman Schlag, Fachreferent für Arbeitsmarkt- und Armutsfragen beim Caritasverband für das Bistum Aachen.

Selbst 791 Menschen in Mönchengladbach, die in Vollzeit arbeiten, seien laut Arbeitslosenreport auf ergänzende, steuerfinanzierte Hartz-IV-Leistungen angewiesen, sagt der Caritasverband. Hinzu kämen in der Stadt weitere 1822 „Aufstocker“, die in Teilzeit arbeiten sowie 2322 „Aufstocker“, die als Minijobber nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Sie verfügten meist nur über eine mangelhafte soziale Absicherung.

„Diese Zahlen zeigen ganz klar: Obwohl die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem Rekordtief ist, was an sich eine Erfolgsmeldung ist, gibt es auch die Kehrseite: Viele Menschen haben zwar eine Arbeit, können aber von ihrem Lohn nicht leben“, sagt Roman Schlag. Die Gesellschaft dürfe sich nicht damit abfinden, dass so viele Menschen auf ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt für sich oder ihre Familien angewiesen seien.

Roman Schlag: „Wenn Unternehmen Niedriglohnpolitik auf dem Rücken der Beschäftigten und auf Kosten der Steuerzahler betreiben können, muss der Staat gegensteuern.“