Mönchengladbach: Burkini ist kein Problem im Schwimmbad laut Rolf Heithausen

Mönchengladbacher Bäderchef Rolf Heithausen : „Bermudashorts im Schwimmbad sind ein größeres Problem als Burkinis“

Rolf Heithausen, seit 22 Jahren Chef der Bäder in Mönchengladbach, geht in den Ruhestand. Er spricht über den Brand des Zentralbades und den Umbau der Bäderlandschaft, Bademoden und längeren Schwimmunterricht in den Schulen.

Herr Heithausen, die wichtigste Frage zuerst: Haben Sie ein Schwimmabzeichen?

Heithausen Ja, ich habe als Schüler den Jugendschwimmer gemacht und später das DLRG-Rettungsschwimmer-Abzeichen in Silber, weil ich wissen wollte, was unsere Hilfsschwimmmeister können müssen.

Was muss man denn für das Silber-Abzeichen machen?

Heithausen Dazu gehören zum Beispiel Schwimmen in Kleidung und kombinierte Rettungsübungen mit Herz-Lungen-Wiederbelebung. Hinterher hätte ich mich auch als Hilfsschwimmmeister an den Beckenrand stellen können.

Das können Sie ja jetzt, wo in den Ruhestand gehen, machen. Ist Hilfsschwimmmeister eine Option?

Heithausen Ich war immer ein ganz guter Schwimmer, aber ehrlich gesagt finde ich Schwimmen als Sport relativ langweilig. Ich habe immer lieber Leichtathletik betrieben oder ich bin auch mal Fallschirm gesprungen. Wasser ist eigentlich nicht mein Element. Das war beruflich aber ganz positiv, denn so hatte ich den nötigen Abstand zu den Vereinen.

Wir vermuten, dass es einen Tag in Ihrer beruflichen Laufbahn gibt, den Sie nie vergessen werden.

Heithausen Sie meinen den 23. Juli 2001, als das Zentralbad abbrannte. Da war ich gerade in Urlaub auf Texel.

Mussten Sie den Urlaub abbrechen?

Heithausen Das habe ich angeboten, aber Stadtdirektor Rombey hat das Angebot nicht angenommen. Beim Brand konnte man nicht viel tun und das Versicherungstechnische hat die Bauverwaltung abgewickelt. Als ich wieder da war, habe ich mich um die Organisation gekümmert. Das Schwimmen musste ja weiterhin ermöglicht werden. Der Zeitpunkt für den Brand war auch noch besonders ungünstig, weil die damalige NVV ein paar Monate später, nämlich zum 1. Januar 2002, die Bäder von der Stadt übernehmen sollte. Nun war das größte dieser Bäder abgebrannt. Aber der Übergang wurde trotzdem plangemäß vollzogen. Um den Neubau des Vitusbades hat sich die Stadt dann gekümmert.

Sie mussten Schwimmzeiten sicherstellen, hatten aber plötzlich viel weniger Fläche zur Verfügung. Wie hat das geklappt?

Heithausen Alle hatten berechtigte Ansprüche: die Schulen, die Vereine und auch die Öffentlichkeit. Und unterschiedliche Sportarten haben auch noch unterschiedlichen Platzbedarf. Beim Wasserball zum Beispiel brauchen weniger Sportler mehr Platz als beim Schwimmtraining. Es wurde ein Arbeitskreis Wasserzeiten gebildet, der alleiniger Ansprechpartner bei der Vergabe der Wasserzeiten war. Es hat gut funktioniert. Wir mussten allerdings das Hallenbad Neuwerk, das abgegeben worden war, zurückmieten.

Nach der Übernahme durch die NVV, heute NEW, wurde die Bäderlandschaft in Mönchengladbach umgebaut.

Heithausen Ja, es wurden kleine Schulschwimmbäder wie in Morr, Hardt und Odenkirchen geschlossen, später auch das Freibad Giesenkirchen. Alle anderen Bäder wurden saniert. Es wurden Schwerpunkte gebildet: das Vitusbad als Sportbad, das Rheydter Stadtbad für die ältere Bevölkerung mit wärmerem Wasser, im Süden das Schlossbad in Wickrath für die Familien und schließlich im Osten das Freibad Volksgarten.

Sie übergeben die Bäder jetzt an Ihren Nachfolger Klaus Knoche. Wie ist der Zustand?

Heithausen Wir haben eine sanierte, funktionierende und solide Bäderlandschaft. Mein Nachfolger Klaus Knoche kennt sie sehr gut, er ist auch seit über 20 Jahren in diesem Bereich tätig. Er war vorher Abteilungsleiter der Viersener Bäder.

Wie müssen sich die Bäder weiterentwickeln? Braucht Mönchengladbach ein Spaßbad?

Heithausen Wir sind solide aufgestellt und haben auf Überkandideltes verzichtet. Spaßelemente sind sehr teuer. Eine Röhrenrutsche beispielsweise kostet mindestens 250.000 Euro, kann aber leicht auch eine Million kosten, wenn beispielsweise 3-D-Effekte eingebaut werden. Der Betrieb verursacht hohe Stromkosten und nach ein paar Jahren muss man alles wieder erneuern, das erwartet das Publikum. Deswegen haben wir in Gladbach davon Abstand genommen. Es gibt in der Region genügend gut erreichbare Spaßbäder. Wir haben kleine Freizeitkomponenten wie den Wildwasserkanal in Wickrath eingebaut. So haben wir ein Angebot für alle und trotzdem überschaubare Kosten. Statt auf teure Spaßelementen setzen wir lieber auf zusätzliche Veranstaltungen.

Wie hoch sind die Kosten?

Heithausen Der städtische Anteil liegt stabil bei rund sechs Millionen Euro im Jahr. Und zwar seit 17 Jahren. Wir passen auch auf, dass kein Sanierungsstau entsteht. Beispielsweise haben wir inzwischen die Beleuchtung auf LED umgestellt, das senkt die Stromkosten sehr. Und sie haben eine Lebensdauer von 20.000 bis 50.000 Stunden. Früher mussten die Leuchtmittel nach durchschnittlich 2000 Stunden ausgetauscht werden.

Die Zahl der Vereinsschwimmer geht immer mehr zurück, aber die Gesamtzahl der Badegäste scheint relativ konstant.

Heithausen Es gibt leichte Schwankungen, im Oktober stiegen die Zahlen wieder an. Im Jahr liegen wir relativ konstant bei 750.000 Besuchern. Die Freibadsaison ist dabei herausgerechnet, denn nicht jeder Sommer kann so sein wie der von 2018. Bei den Vereinen sinken die Zahlen tatsächlich, das ist dem allgemeinen Trend geschuldet. Viele Menschen treiben lieber individuell Sport. Sie gehen Laufen oder ins Fitnessstudio statt in einen Verein.

Es gibt immer häufiger Klagen darüber, dass viele Kinder nicht mehr schwimmen können. Wie sieht das in Mönchengladbach aus? Haben die Grundschulen genügend Schwimmzeiten?

Heithausen Ja, die Angebote für die Schulen reichen aus. In Gladbach haben wir eine Nichtschwimmerquote unter den Grundschülern von etwas über 20 Prozent. Das ist deutlich weniger als in anderen Städten, aber für uns immer noch zu viel. Wir haben in Rheindahlen die Schwimmzeiten probeweise von 60 auf 75 Minuten pro Klasse verlängert. Die Umkleidezeiten sind da eingerechnet. Das ist gut angekommen. Damit wollen wir dem Trend entgegenwirken.

Lassen sich die verlängerten Zeiten auf die Gesamtstadt ausdehnen?

Heithausen Das ist eine Entscheidung der Stadt. Die Kapazitäten dafür sind da.

Sie haben 1978 bei der Stadt Mönchengladbach angefangen. Da sah die Bademode noch ganz anders aus. Unter anderem gab es Badekappenzwang.

Heithausen Inzwischen sind die Filteranlagen sehr viel leistungsfähiger geworden. Deswegen brauchen wir keinen Badekappenzwang mehr.

Auch die Bademodemode hat sich geändert. Gibt das Probleme?

Heithausen Wir sind etwas lockerer geworden, auch weil die Filteranlagen Fremdkörper besser herausfiltern können. Wenn heute jemand mit T-Shirt im Freibad ins Wasser springt, geht das, wenn er oder sie zum Beispiel Hautprobleme bezüglich der UV-Belastung durch die Sonneneinstrahlung hat. Burkinis sind auch kein Problem, obwohl ich deswegen hin und wieder Anrufe bekomme. Ich verweise dann immer auf die Bademode der Zwanziger Jahre, als die Menschen ja auch lange Badeanzüge oder Häubchen trugen. Bermudashorts im Schwimmbad sind ein größeres Problem als Burkinis, denn sie nehmen sehr viel Wasser auf. 1,5 Liter Schleppwasser werden jedes Mal aus dem Becken mitgenommen. Stellen Sie sich mal vor, wie viel so im Sommer an der Sprunganlage verloren geht. Das muss ersetzt werden und verursacht Kosten.

Im Düsseldorfer Rheinbad gab es in diesem Jahr Probleme mit Jugendlichen. Wie ist die Sicherheitslage in den Mönchengladbacher Bädern? Setzen Sie Sicherheitspersonal ein?

Heithausen Die Besucher der Bäder spiegeln die Gesellschaft wider. Werteverlust, Respektlosigkeit und Egoismus machen sich bemerkbar, und das ist auch für unsere Mitarbeiter belastend. Es kommt auch zu Übergriffen, die sind aber vornehmlich verbal. Wir setzen zur Entlastung unserer Mitarbeiter Security ein, vor allem an heißen Sommertagen. Deren Präsenz allein führt zu größerer Ruhe.

Mehr von RP ONLINE