Mönchengladbach: Bündnis für Menschenwürde und Arbeit thematisiert Rente

Bündnis für Menschenwürde und Arbeit in Mönchengladbach : Wie die Rente demontiert wurde

Das Bündnis für Menschenwürde und Arbeit beschäftigt sich mit Altersarmut.

Über 20 Millionen Altersarme werde es in Zukunft geben, wenn die gesetzliche Rentenversicherung nicht gestärkt werde, rechnen die beiden Journalisten Holger Balodis und Dagmar Hühne im Treff am Kapellchen (TaK) den Mitglieder des Bündnisses für Menschenwürde und Arbeit vor. Die beiden sind ausgewiesene Experten auf dem Feld der Altersvorsorge und Autoren so renommierter TV-Magazine wie „plusminus“ und „monitor“. Und sie zeigen auf, wie das Rentensystem in Deutschland in den letzten 30 Jahren unter dem Einfluss neoliberaler Vorstellungen umgekrempelt wurde.

Die Lage vieler Rentner in Deutschland ist schon heute trist. Die Durchschnittsrente lag 2017 bei 866 Euro netto. Bei langjährig Versicherten sah es etwas besser aus: Männer erhielten durchschnittlich 1237 Euro, Frauen kamen auf 724 Euro. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes liegt die Armutsquote bei Rentnern bei 20 Prozent. Andere Zahlen beziehen die deutlich besser versorgten Pensionäre mit ein. Balodis und Hühne erklären, wie es zu dieser Entwicklung kommt. „Die Politik ist in den 90er Jahren den Wünschen der Arbeitgeberseite und der Finanzindustrie erlegen“, erklärt Balodis. Die Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung wurden abgesenkt, stattdessen wurde die private Vorsorge in Form der Riesterrente eingeführt. Außerdem sollte als dritte Säule die Betriebsrente gestärkt werden. Gleichzeitig hat die Arbeitsmarktpolitik einen Niedriglohnsektor geschaffen, dessen Beschäftigte privat nicht vorsorgen können.

Das Resultat zeigt sich in der Berechnung der künftigen Altersarmut. „Wenig Lohn führt zu miesen Renten“, sagt Hühne. Die Riesterrente hat in erster Linie der Versicherungsbranche genutzt: Mehr als 16 Millionen Verträge wurden abgeschlossen, 50 Milliarden Euro staatliche Förderung flossen hinein – und die Versicherten erwartet im Schnitt eine Auszahlung von 78 Euro monatlich. Auch die Betriebsrenten entzaubert Balodis. Bei der Entgeltumwandlung zahlen die Arbeitnehmer ein und mindern gleichzeitig ihre Renten- und Versicherungsansprüche. „Die Arbeitgeber müssten mindestens die Hälfte der Beiträge übernehmen.“

Dass es anders geht, zeigen sie am Beispiel Österreichs. Das Land hat eine sehr ähnliche Sozialstruktur, ist aber einen anderen Weg gegangen. Es gab keine Privatisierung der Altersvorsorge, sondern eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung durch die schrittweise Einführung der Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen, Beamte ebenso wie Angestellte und Freiberufler. Die Durchschnittsrente männlicher Versicherter in Österreich liegt um rund 1000 Euro höher als in Deutschland, bei den Frauen um 500 Euro. „Soziale Gerechtigkeit und damit auch das Rententhema sind wichtige Arbeitsbereiche für das Bündnis“, stellt Johannes Eschweiler vom Bündnisrat fest.

Mehr von RP ONLINE