Mönchengladbach: BSI-Chef Arne Schönbohm spricht über Cyberkriminalität

Sicherheitspolitisches Forum Mönchengladbach : Mit Sicherheitssiegel gegen Cyberkriminalität

Der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik spricht beim Sicherheitspolitischen Forum Mönchengladbach.

„Wir sind in Deutschland nicht die digitalen Deppen, als die wir uns selbst oft darstellen“, betont Arne Schönbohm. Der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht vor den Teilnehmern des Sicherheitspolitischen Forums Mönchengladbach, das von der Kreisgruppe Niederrhein des Reservistenverbands der Bundeswehr veranstaltet wird. Es geht um ein hochbrisantes, aber oft verdrängtes Thema – Cyberattacken und ihre Schäden.

Günter Krings, Mönchengladbacher Bundestagsabgeordneter und als Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium auch mit dem Bereich der IT-Sicherheit befasst, weist bei seiner Einführung auf die Gefahren hin, die mit der Digitalisierung einhergehen. „Unsere Gesellschaft ist vom Strom abhängig“, betont er. Und damit auch verletzlich, wenn sich Cyberattacken gegen die Energieversorgung wenden.

Arne Schönbohm, Hauptreferent des Abends, stellte fest: „In Europa findet ein Krieg im Cyberraum statt.“ Wie bedroht ist Deutschlands Cyberraum? Der BSI-Präsident  nannte beeindruckende Zahlen: 2018 gibt es weltweit 800 Millionen Schadprogramme, das sind 200 Millionen mehr als im Vorjahr. Jeden Tag kommen 390.000 Schadprogramm-Varianten dazu.  Allein für Android-Smartphones gibt es 30 Millionen Schadprogramme. „Wer von Ihnen hat  Sicherheitssoftware auf seinem Smartphone?“ fragt Schönbohm in die Runde und kann zufrieden feststellen, dass das Sicherheitsbewusstsein unter den Teilnehmern des Forums verbreiteter ist als im Durchschnitt der Bevölkerung.

Die organisierte Kriminalität hat den Cyberraum schon lange für sich entdeckt. „Mit Cyberkriminalität wird mehr Geld verdient als mit Drogen“, sagt der BSI-Chef. Gefahrenbewusstsein ist also notwendig, zumal mit dem Internet der Dinge neue Risiken auftauchen. Wie sicher sind der smarte Fernseher, die vernetzte Waschmaschine? „Die mit dem Internet verbundenen Dinge können fremdgesteuert werden“, erklärt Schönbohm. Zum Beispiel um die Rechenleistung in Bot-Netzwerken zum Kryptomining zu verwenden, dem Schaffen von Bitcoins. Den Gewinn hat der Eindringling, auf den Stromkosten bleiben die Opfer sitzen. Oder das Smarthome wird zum „Stupidhome“, wie Schönbohm sagt, wenn der Zugang manipuliert werden kann und sich auch Fremden die Türen öffnen.

Die Wirtschaft ist sich der Gefahren stärker bewusst als die einzelnen Bürger, aber auch hier gibt es Opfer, denen die Cyberattacken teuer zu stehen kommen. Ein weltweit operierender Logistikkonzern wurde Opfer einer Attacke. Der Schaden betrug 350 Millionen Dollar, zehn Prozent des Marktanteils gingen verloren.

So wichtig Risikobewusstsein ist – der BSI-Präsident sieht Deutschland dennoch gut aufgestellt. Weil zum Beispiel in einer einzigen Stelle, dem BSI, die Kompetenzen gebündelt werden und nicht wie in den USA in 52 unterschiedlichen Behörden. Und weil nicht nur im Silicon Valley, sondern auch in Deutschland hervorragende Experten sitzen. Um dem Verbraucher den Umgang mit dem Thema zu erleichtern, setzt das BSI auf Zertifizierung. „Wir stellen in Kürze ein Sicherheitssiegel für Geräte vor, das dem Kunden die Einschätzung der Risiken erleichtert“, verspricht Schönbohm.

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