Mönchengladbach: Brandstifter nach Explosion in Klinik

Prozess: Brandstifter bleibt in psychiatrischer Klinik

Der 23-Jährige, der im Dezember 2017 für eine Explosion in einem Mehrfamilienhaus an der Rheydter Straße sorgte, muss in eine psychiatrische Klinik. Vor Gericht sagte er aus, ein sadistisch-satanistischer Film habe ihn zu der Brandstiftung animiert.

Das Geständnis war eindeutig, der Richterspruch ebenso: Der Brandstifter, der am 11. Dezember für die Explosion in einer Wohnung an der Rheydter Straße verantwortlich war, wird in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Ugur T. (23) gab am Dienstag zu, zunächst das Auto seines Vaters in Brand gesteckt zu haben und anschließend im Schlafzimmer seiner Eltern Benzin auf das Bett gegossen und es angezündet zu haben. Es kam zu einer Verpuffung, der Brand ging auf andere Räume der Wohnung über. Animiert worden sei er durch einen sadistisch-satanistischen Film, in dem ein Mann ein Haus anzünde, danach selber die Feuerwehr rufe. Im Film sei nichts passiert.

Die Staatsanwaltschaft warf T. vor, gewusst zu haben, dass sich seine Schwester zum Tatzeitpunkt in der Wohnung aufgehalten und ihren Tod billigend in Kauf genommen habe. Dies bestritt der 23-Jährige am Dienstag vor Gericht: „Sie ist nie um diese Zeit zu Hause, ich habe sie nicht gesehen.“ Erst beim Verlassen der Wohnung habe er sie bemerkt. Sie sei jedoch zurück in die Wohnung gegangen. Durch die Feuermelder wurden an jenem Winterabend rund 30 Bewohner alarmiert, einige konnten das Haus durch das Treppenhaus verlassen, manche mussten von der Feuerwehr über Balkone gerettet werden. Neun Bewohner wurden ambulant medizinisch versorgt.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein psychiatrisches Gutachten angeordnet, um die Schuldfähigkeit sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zu klären. Ugur T. erklärte, bereits zweimal für jeweils etwa einen Monat in der LVR-Klinik in Süchteln gewesen zu sein, da er sich die Venen aufgeschnitten habe. In der Klinik habe man ihm Medikamente gegeben, diese habe er aber nicht vertragen, er habe sich sediert, fast schon narkotisiert gefühlt. Auslöser für die Brandstiftung sei laut T. die Aussage seines Vaters gewesen, den Döner-Imbiss der Familie verkaufen zu wollen. „Ich habe viel Arbeit hinein gesteckt, war damit nicht einverstanden.“

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Mehrere Zeugen sowie ein Brandsachverständiger sagten im Prozess aus. Eine Nachbarin (22) der Familie, zu der die Schwester des Beschuldigten geflüchtet war, berichtete, T. habe sich vor etwa anderthalb Jahren verändert, ein sprunghaftes Verhalten an den Tag gelegt und oft Alkohol trinkend vor dem Haus gesessen. Eine Sachverständige bescheinigte T. eine paranoide Schizophrenie, die mit einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit einhergehe: Der Beschuldigte verfüge nicht mehr über eine rationale Verhaltenskontrolle, könne seine Taten nicht abwägen. Problematisch sei, dass er keine Krankheitseinsicht habe und die Medikamente immer wieder absetze.

In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt die weitere Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der Verteidiger sprach sich ebenfalls für den weiteren Klinikaufenthalt aus, widersprach jedoch, was die Wahrnehmung bezüglich der Schwester in der Wohnung anging. Es sei nicht klar, ob er diese vor der Explosion wahrgenommen hätte. Der Verteidiger bezeichnete die Brandstiftung als „Denkzettel“ für die Eltern.

Die Kammer ordnete die weitere Unterbringung des Beschuldigten in einer psychiatrischen Klinik an. Sie sah es ebenfalls als erwiesen an, dass T. wusste, dass sich seine Schwester zum Tatzeitpunkt in der Wohnung aufhielt. „Dies belegen die ersten Aussagen vor der Polizei, die der Beschuldigte am Tatabend äußerte“, so der Vorsitzende Richter Lothar Beckers. Den Vorwurf der schweren Brandstiftung schloss die Kammer aus: Dabei müsse eine konkrete Todesgefahr für einen Menschen bestehen, aus der dieser nur durch Zufall entkomme. Dies sei hier nicht gegeben.

(eva)