Mönchengladbach: Blumenkübel als Zankapfel

Mönchengladbach : Blumenkübel bleiben in Rheydt ein Zankapfel

Zum Turmfest sind sie erlaubt, danach wieder nicht: die Pflanzkübel am Rheydter Ratskeller. Am Montag müssen sie wieder weg.

Freitagmorgen auf dem Rheydter Marktplatz. Harald Gerstung, Pächter des Ratskellers, hat die Blumenkübel für seine Außengastronomie herausgeholt. Und kaum erscheint er dort, steuern auch schon die ersten Passanten auf ihn zu: „Mensch toll, haben Sie es geschafft? Dürfen die Blumenkübel jetzt endlich bleiben?“ Nein, dürfen sie nicht. Eine Erlaubnis für sie gibt es nur für das Turmfest. Ab Montag muss auf die Dekoration wieder weg.

Mehr als 2000 Euro hatte Harald Gerstung für die Anschaffung der Kübel inklusive Bepflanzung ausgegeben. Er habe sie extra nach dem Vorbild vom Alten Markt in Mönchengladbach anfertigen lassen, wie er sagt. Und er ärgert sich, dass sie am Alten Markt erlaubt sind, bei ihm aber nicht.

Viele Bürger sind für die Blumenkübel. Sie starteten Unterschriften-Aktionen, sammelten Protestzettelchen und wandten sich an den Oberbürgermeister. Doch der Widerstand hat nichts genutzt. „Die Gestaltungsrichtlinie stellt eine verbindliche Handlungsleitlinie für die Verwaltung dar. Der Abgrenzung der Außengastronomie des Ratskellers durch Blumenkübel wird deshalb nicht zugestimmt“, heißt es aus dem Planungsamt. Hört sich an, wie in Beton gegossen. Jetzt, mit dem Vorschlag der beiden Rheydter CDU-Ortsverbände, Blumenkübel für die Außenterrassen in Rheydt doch zuzulassen, sehen viele wieder ein zartes Pflänzchen Hoffnung aufkeimen – zumindest in der Bürgerschaft.

Bei den Politikern sieht das anders aus. Da sorgt der CDU-Vorstoß für großes Erstaunen. Bei der SPD Rheydt/Odenkirchen beispielsweise. „Auf der einen Seite freut es mich ja, dass die CDU sich noch einmal für längst vorgeschlagene Kompromisse einsetzen möchte, auf der anderen Seite grenzt es aber fast schon an Heuchelei, sich jetzt als Retter der Situation in Rheydt aufspielen zu wollen“, sagt Matthias Poser, Vorsitzender der SPD in Rheydt und Odenkirchen. Es sei doch gerade die CDU gewesen, die im Planungsausschuss und im Rat jegliche Kompromisse aus der Bezirksvertretung Süd vom Tisch gefegt hat. Auch FDP-Fraktionsvorsitzende Nicole Finger freut sich, „dass in der CDU langsam die Erkenntnis zu reifen scheint, dass die Gestaltungssatzung Rheydt in ihrer jetzigen Form ein Fehler ist.“ Doch dass jetzt von Teilen der CDU ein städtisches Grünkonzept gefordert wird, kann sie nicht nachvollziehen. Es mache wenig Sinn, eine „große“ Lösung auf Kosten der Stadt zu finden. Finger: „Es kann nicht sein, dass wir viel Geld in die Hand nehmen, nur damit CDU, SPD und dem Planungsdezernenten erspart bleibt, einen ohnehin für alle erkennbaren Fehler einzuräumen.“

Barbara Gersmann, Bezirksvorsteherin Süd, versucht es als Westfälin jetzt mit einer rheinischen Lösung. „Nach dem Turmfest werde ich Herrn Gerstung und die Bauverwaltung zum Gespräch einladen. Es muss doch ein Kompromiss zu finden sein“, sagt sie.

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