Gesundheit in Mönchengladbach So funktioniert eine eigene Bewegungstherapie für Krebspatienten

Mönchengladbach · Ein spezielles, individuell auf den Betroffenen zugeschnittenes Sportprogramm soll die Lebensqualität von Krebspatienten verbessern. Wo man das Angebot in der Stadt nutzen kann.

Sportwissenschaftlerin Annika Tomanek empfiehlt Krebspatienten, sich viel zu bewegen.  Foto: Markus Rick

Sportwissenschaftlerin Annika Tomanek empfiehlt Krebspatienten, sich viel zu bewegen. Foto: Markus Rick

Foto: Markus Rick (rick)

Wie wichtig es ist, auch bei einer ernsthafen Erkrankung beweglich zu bleiben, ist in der Medizin heute kaum noch strittig. Das war aber nicht immer so. Noch in den 1980er Jahren wurde strikte Ruhe verordnet, wenn etwa ein Herzinfarkt festgestellt wurde. Dies habe damals auch für Patienten gegolten, die an Krebs erkrankt waren, sagte die Sportwissenschaftlerin Annika Tomanek.

Sie sprach jetzt beim Reha-Anbieter Savita in Neuwerk über eine neue Form des Trainings, das Krebspatienten mehr Lebensqualität bringen soll. Zuvor hatte Standortleiter Stefan Schulz zahlreiche Gäste begrüßt, denen er am Schluss der Veranstaltung die Vorteile einer Reha näherbrachte. Als es vor 40 Jahren langsam bewusst wurde, dass es besser sei, sich zu bewegen als zu schonen, kam der in Köln tätige Mediziner Professor Klaus Schüle auf die Idee der Bewegungstherapie für Menschen, die an Krebs erkrankt sind.

Die erste Gruppe, denen er Bewegung verordnete, waren Patienten mit Brust- und Unterleibskrebs. „Danach ist jedoch viele Jahre nichts passiert“, sagte Tomanek. Erst mit dem Jahrtausendwechsel seien immer mehr wissenschaftliche Arbeiten zum Thema erschienen, inzwischen seien es über 800 Artikel. Heute werde kaum noch in Frage gestellt, welchen positiven Effekt Bewegung auch bei Krebspatienten habe.

Die von der Uni Köln gemeinsam mit der Sporthochschule entwickelte onkologische TKostenpflichtiger Inhalt rainings- und Bewegungstherapie, „Ott“ genannt, will inzwischen nicht nur Krebspatienten von ihrer Wirksamkeit überzeugen, sondern auch die Krankenkassen. Wenn etwa Patienten die Reha in Neuwerk nutzen, um in Bewegung zu kommen, ist nicht immer klar, wer das zahlt.

„Die Therapie steht nicht im Heilmittelkatalog“, sagte Annika Tomanek. Und nur das, was in diesem Katalog stehe, werde von den Krankenkassen übernommen. Dennoch habe man einige Kassen von der Kostenübernahme überzeugt, andere aber zierten sich noch. Daher arbeite man an einer eigenen Leitlinie, die nicht nur in Köln, sondern überall garantiere, dass die Therapie gleich ablaufe, um in den Heilmittelkatalog aufgenommen zu werden. Gleicher Ablauf bedeute jedoch nicht für alle dasselbe.

Denn die Therapie werde individuell vorgenommen, in enger Abstimmung in Bezug auf die Behandlung und über ihren gesamten Verlauf hinweg. Dabei achten die Bewegungstrainer bei jedem Patienten auf viererlei: die Informationen im Arztbrief, die Daten des Blutbilds, die aktuelle Funktion des Herzens und wie sich eventuelle Metastasen verhalten. „Daraus entwickeln wir eine sicheres Bewegungsangebot“, sagte Tomanek. Eine regelmäßige Therapie in einer Reha sei auch dann sinnvoll, wenn die Krankheit im Körper wuchere und mit schwerem Geschütz in Form von Chemo- und Bestrahlungstherapie bekämpft werde. Dann gehe es um massive Belastungen durch Nebenwirkungen und eine besonders achtsame Bewegungstherapie in einer Reha.

Als erfahrener Patient wurde Klaus-Dieter Funk vorgestellt. Er ist seit Juni 2022 dabei, hat vor und nach seiner Operation am Programm teilgenommen. „Heute habe ich in der Nachbereitung das ganz normale Training. Ich bin zwei- bis dreimal in der Woche hier“, sagte Funk. Vorher seien die Übungen an Geräten, Hanteln und Gurten seiner Erkrankung entsprechend eingestellt gewesen.

Aber regelmäßiges Training empfehle sich nicht nur in einer Reha, manches lasse sich auch zu Hause machen, erläuterte Tomanek. Falsch sei das Sitzen auf der Couch, richtig dagegen laufen, radeln, tanzen, schwimmen. Doch keine Überforderung: „Training muss guttun“, sagte Tomanek. Daher sollte jeder seine Belastbarkeit einschätzen lernen, nur kurze Übungen machen, an viele Pausen denken und möglichst barfuß üben. Mit regelmäßiger Bewegung lasse sich die Ermattung nach der Behandlung ebenso steuern wie Schlaflosigkeit oder die sensorischen Fähigkeiten. Letztlich lebe man länger, wenn man beweglich bleibe. „Daher sollte „Ott“ integrativer Bestandteil der Krebstherapie sein“, forderte Tomanek.

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