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Mönchengladbach: Bernhard Jansen und sein Caravan für Kunst

19. September in Mönchengladbach : Ein Caravan voll mit Kunst

Der Ausstellungsraum ist klein. Aber es liegt an den Regeln für den Schutz vor Corona, dass am 19. September immer nur eine Person in den Caravan von Bernhard Jansen darf. Der Wagen steht auf dem Sonnenhausplatz und birgt Arbeiten Gladbacher Künstler.

Bernhard Jansen hat die unbändige Lust am Blick über den Tellerrand. Im Zentrum seiner Passion aber stehen Kunst und deren Vermittlung. Hier bringt er sich im Team wie auch als Einzelkämpfer ein. „An Kunst interessiert mich nicht nur das Ergebnis, sondern auch Prozess und Wechselwirkung“, sagt der Kunsthistoriker. Er versteht sich nicht als Künstler, arbeitet aber auch künstlerisch, und er hat die Gabe für das Handwerkliche, um Kunst in den Blick zu rücken.

Dabei profitiert der 52-Jährige vom eher ungewöhnlichen Berufsweg. Der Mönchengladbacher arrangierte einst als ausgebildeter Schauwerbegestalter zum Beispiel Schaufensterflächen, ehe er ein Kunstgeschichtsstudium begann und mit Promotion abschloss. „Ich nutze meine komplette Ausbildung, fahre nicht Schmalspur, und das macht Spaß“, betont er mit Blick auf Vita und zukünftige Vorhaben.

Eine halbe Stelle im Verlagswesen bietet Sicherheit. Nach langjähriger Erfahrung in der Museumspädagogik und Kunstvermittlung sowie als Ausstellungsmacher, Konzeptionist und Moderator von Kulturgesprächen bezeichnet er sich als „Türöffner“ und Hemmschwellen-Senker“ für Kunst. In der Profession ist er gerade jetzt so richtig schön im Stress, nicht nur – aber natürlich auch – wegen Corona, weil geplante Projekte unter veränderten Bedingungen verschoben oder überdacht werden müssen. Da die Mönchengladbacher Kulturnacht „Nachtaktiv“ der Pandemie zum Opfer fiel, überlegt Jansen, ob er Teile des geplanten Programms als „Streaming-Geschichte“ bringt. Im September stehen für ihn zwei wichtige Ereignisse auf der Agenda: Das c/o-Parcours-Wochenende und „Der rote Faden“, eine künstlerische Installation zur Identität der Textilstadt Mönchengladbach als Lebens- und Arbeitswelt.

 Und so sieht der Ausstellungsraum von innen aus.
Und so sieht der Ausstellungsraum von innen aus. Foto: bauch, jana (jaba)
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Zum Parcours bestückt Jansen erneut seinen Caravan mit einer En-Miniature-Ausstellung, die am 19. September auf dem Sonnenhausplatz einen Überblick über die Arbeiten der beteiligten c/o-Künstler gibt. Üblicherweise kann Jansen bis zu 35 Kleinformate mühelos platzieren. „Ein Wohnwagen ist von innen größer als man von außen meint. Er ist wie eine Puppenstube. Man muss sich ein bisschen für die Kunst bücken, doch die Proportionen stimmen“, erzählt der Kunsterklärer und Kurator.

In diesem Jahr beschränkt sich die Übersicht auf etwa 17 Kunstwerke. Wegen der aktuellen Hygieneauflagen beteiligen sich am Parcours weniger Künstler als in den Vorjahren. Die Hygieneauflagen bereiten Jansen keine Probleme, da der Caravan ein „kontrollierter Raum“ ist. Über einen Monitor soll dieser zudem von außen einsehbar sein. „Die Publikumsvarianten kann ich mir allerdings abschminken. Es darf immer nur eine Person mit Maske eintreten“, erzählt Jansen.

In früheren Jahren nutzte er die Grundfläche von sechs Quadratmetern auch für Performance, Konzert und Tanzvorführung vor kleinem Publikum. „Vier Tänzerinnen haben einmal im künstlerischen Ausdruck mit der Enge gespielt“, berichtet Jansen. Er kann von vielen berührenden Begegnungen erzählen und betont: „Wenn da ein Wohnwagen steht, sind die meisten Leute einfach neugierig und auch positiv eingestellt. Da kommen auch viele, die ansonsten mit Kunst nichts zu tun haben“.

Die erste mobile Ausstellung setzte er mit Unterstützung der damaligen NVV um, die einen alten Bus samt Fahrer kostenlos zur Verfügung stellte. Um unabhängig zu sein, kaufte der Mönchengladbacher später einen gebrauchten Caravan, den er entkernte und mit Beleuchtung ausstattete.  2013 entdeckte der frühere Kulturbürochef Thomas Hoeps das Potential des Mini-Ausstellungsraums für den Parcours und begeisterte Jansen dafür.

Der Kunsthistoriker koordiniert zurzeit auch das vom Arbeitslosenzentrum initiierte Installationsprojekt „Der rote Faden“, das parallel zum Parcours an öffentlichen Orten im Quartier Abteiberg präsent ist. Die Künstler Cora Straßburg und Joshua Eckstein zeigen Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit der Identität der Textilstadt als Lebens- und Arbeitswelt. „Das Quartier und seine Menschen sind vielfältig. Dazu gehören nicht nur Museum und Münster“, wirbt der Kunstvermittler für den Blick auf unterschiedliche Facetten.