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Mönchengladbach: Bernhard Hansen zaubert für Kinder im Elisabeth-Krankenhaus

Zauberer Bernhard Hansen aus Mönchengladbach : Mit Zauberluft im Bauch schneller gesund werden

Der Mönchengladbacher Bernhard Hansen zaubert seit 16 Jahren für Kinder im Elisabeth-Krankenhaus. In seine Show wird alles eingebaut, auch die Krankenschwester, die das Mittagessen bringt.

Als Bernhard Hansen acht Jahre alt war, hat er zum ersten Mal erlebt, wie es sich anfühlt Menschen mit Kunststücken zu verzaubern. Damals habe er drei unterschiedlich lange Seile vor den Augen der Zuschauer gleich lang gezaubert – und anschließend wieder ungleich zurück gezaubert. Für ihn war damals klar: Wenn er erwachsen ist, wird er Zauberer.

43 Jahre später verzaubert Hansen sein Publikum noch immer. Neben Auftritten auf Hochzeiten und Geburtstagen schenkt der Mönchengladbacher erkrankten Kindern im Elisabeth-Krankenhaus ein Lächeln. „Ich habe mich lange mit den Theorien des Humors beschäftigt: Humor wird heilende, fördernde und befreiende Wirkung zugesprochen. All das kann ich in diesen Zauberstunden vermitteln“, sagt Hansen.

Mit seinem roten Hut fällt der 51-Jährige im Krankenhaus auf. Spätestens aber wenn er seine Zauberkiste in einem Gang auf der Kinderstation aufbaut, kommen um die 20 neugierige Kinder zu ihm. Es ist eine bunt gemischte Gruppe aus Vorschulkindern, Teenagern und auch einigen Eltern. Der Bühnenaufbau gehört schon zu Hansens Programm, indem er den Tisch auf einem Finger balanciert. „Das ist eigentlich eine Zirkus-Technik, aber für Kinder ist das schon Zauberei.“ Sein Programm bestehe zu 50 Prozent aus Clownerie, der Rest sei Zauberei. Platzt jemand mit dem Essenswagen in die Vorstellung auf dem Krankenhausflur, baut Hansen das spontan in seine Nummer mit ein.

Oft spielen die Kinder auch mit. „Sie genießen es, wenn sie mitmachen dürfen“, sagt Hansen. „Jeder Einwurf aus dem Publikum ist ein Geschenk. Daraus entstehen die schönsten Gags“, schwärmt Hansen. Während seiner Vorstellungen ist Hansen ständig am Wirbeln. Er redet, führt das Kunststück vor und hört gleichzeitig zu. „Der Dialog ist für mich das Allerwichtigste, ich will die Kinder persönlich ansprechen“, sagt der Zauberer. Manchmal sind sie auch weniger aufmerksam, zum Beispiel wenn die Narkose noch in den Knochen steckt oder sie einfach schwach sind.

„Die Kinder fragen mich auch, ob ich sie gesund zaubern kann. Dass ich mit meiner Arbeit beim Gesundungsprozess beitrage, verstehen sie noch nicht. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich auf diese Frage antworte“, sagt Hansen. Die Idee kam mit den Ballontieren, die Hansen am Ende jeder Vorstellung verteilt. In der Pumpe sei ganz besondere Luft, Zauberluft, erzählt er dann. Jeder, der möchte, kann seinen Mund öffnen und etwas abbekommen. Dann puste Hansen diese Zauberluft durch das Publikum und am Ende auch in seinen Mund, streicht über seinen großen Bauch und sagt: „Mit Zauberluft im Bauch wird man drei Minuten eher gesund.“ Mit dieser Antwort sind die Kinder zufrieden.

Für Hansen ist es etwas Besonderes, im Krankenhaus zu zaubern. Die Kinder aus ihrer Gedankenwelt herauszuziehen, ihnen eine schöne Zeit zu bieten, dieses befreiende Lachen zu hören und Krankheit und Klinikalltag vergessen zu lassen. „Der Lohn dafür sind die Reaktionen“, sagt Hansen. Kinder hätten nicht diesen Impuls, zu applaudieren. Aber sie geben sehr direktes Feedback. „Während der Vorstellung habe ich den besten Platz“, sagt Hansen.

Wenn Hansen nicht zaubert, dann arbeitet er als Sozialpädagoge an der Paul-Mohr-Schule in Hardt, eine Förderschule in Trägerschaft des Caritasverbands mit dem Schwerpunkt Geistige Behinderung. Ab und zu kombiniere Hansen seine Berufe. „Bei Schulfesten ist das obligatorisch, dass ich zaubere. Und manchmal baue ich auch etwas mit in den Unterricht ein. Aber man darf es nicht zu viel machen, sonst ist man nur noch der Zauberer und nicht der Lehrer“, weiß Hansen.

Im Alltag trägt Hansen aber zur Sicherheit immer ein kleines Zauberprogramm mit sich. Wichtig sei beim Reisen mit dem Fahrrad oder beim Wandern, dass es nichts wiegt. „Höchstens 400 Gramm. Das sind kleine Sachen, die ich am Tisch vor jedem Publikum zeigen kann.“ So hat Hansen bereits in Estland während eines Urlaubs vor einer Familie gezaubert. Auf Englisch. „Die Mutter hat es dann ins Estnische übersetzt“, erinnert er sich lachend zurück.

Auch zu Zaubererkongressen reist der Gladbacher. Erst vor kurzem hat er die Stars der Zauberwelt in England getroffen. Sein Ziel ist es, an einem Wettbewerb des Vereins Magischer Zirkel vor einer Fachjury teilzunehmen. „Die guckt ganz anders auf die Tricks als das Publikum. Die kennen die Techniken, um die zu verblüffen muss ich ganz anders zaubern. Höchstwahrscheinlich brauche ich Jahre, um die Vorstellung zu bauen.“ Dafür plant Hansen sein Akkordeon mit einzubeziehen. Das sei etwas Neues.

Doch bis dahin zaubert Hansen munter für die Kinder im Elisabeth-Krankenhaus und versprüht seine gute Laune. Und jede Menge Zauberluft. Mittlerweile schon 16 Jahre lang. In Mönchengladbach wollen die Kinder übrigens am häufigsten ein Fohlen aus den Luftballons geknotet bekommen. Wer hätte es gedacht.