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Mönchengladbach: Beratung und Aufklärung bei Aids-Hilfe Mönchengladbach

Rat und Hilfe in Mönchengladbach : Der Kampf gegen Aids geht weiter

Nicht erst in Zeiten der Corona-Pandemie ist es still geworden um eine Infektionskrankheit, die einst große Aufmerksamkeit bekam: Aids. Viele Jugendliche wissen heute zu wenig über Ansteckungswege. Dagegen will die Aids-Hilfe in Mönchengladbach etwas tun.

Statistiken können für ein verfrühtes Gefühl der Sicherheit sorgen – das gilt nicht nur für Corona, sondern auch für eine andere von einem Virus ausgelöste Infektionskrankheit: Aids. Daher sieht Robert Lierz auch keinen Grund, seinen Job bei der  Aids-Hilfe an den Nagel zu hängen, nur weil eine Statistik für Mönchengladbach besagt: Starben 2015 noch vier Einwohner an den Folgen einer Infektion mit dem für die Immunschwäche-Krankheit Aids verantwortlichen  Humanen Immundefizienz-Virus (HIV), war es 2016 nur noch eine und 2017 keine. Dass Aufklärung über die Krankheit immer noch nötig ist, beweisen dem Sozialarbeiter Sätze wie dieser:  „Aids? Ja, das ist ansteckend, wie bei Corona. Sollte man nicht die Hände schütteln und so.“

So etwas bekamen die Berater der Mönchengladbacher Aids-Hilfe mitunter zu hören, wenn sie in jüngster Zeit zwecks Aufklärung über Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten in Schulen unterwegs waren. „Dass man ein Kondom benutzen sollte, ist zwar den meisten Schülern klar“, sagt Lierz. Aber vielfach nicht, wie es sich genau mit HIV und Ansteckungswegen verhält. „Aids ist in deren Bewusstsein ein sehr kleines Thema. Die größte Sorge ist immer noch eine ungewollte Schwangerschaft“, sagt Lierz. Er ist überzeugt: „Wenn wir keine Präventionsarbeit mehr machen würden, würden die Infektionszahlen bald wieder steigen.“

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Mag Aufklärung und vorbeugende Beratung vor allem bei jungen Menschen heute eine große Rolle in der Arbeit der Aids-Hilfe spielen: Die Mitarbeiter betreuen auch etwa 20 HIV-Infizierte. Der jüngste ist Anfang 30, der älteste 70 Jahre alt. Einige der Infizierten haben sich schon in den 1980er- und 1990er-Jahren angesteckt und sind zum Teil seelisch und körperlich angeschlagen, etwa durch Krebserkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen, die dem Körper zusätzlich zusetzen. Mitarbeiter der Aids-Hilfe besuchen die Kranken, begleiten und unterstützen sie bei Arzt- oder Ämterbesuchen.

Dass einige der vor 20 oder 30 Jahren Infizierten immer noch leben, ist auch einer immer besseren Medikamentation zu verdanken, mit denen sich die Krankheit zumindest eindämmen lässt. Medikamente, welche die Viren so effektiv bekämpfen, dass sie sich bei HIV-Tests nicht mehr nachweisen lassen, sind freilich erst seit wenigen Jahren auf dem Markt. Allerdings ist dieser Erfolg ebenso wenig wie die Statistiken über sinkende Todeszahlen ein Grund, HIV auf die leichte Schulter zu nehmen und bei Sexualkontakten unvorsichtig zu sein, warnen die Aids-Berater. „Damit diese Medikamente funktionieren, muss man sie ein ganzes Leben lang regelmäßig nehmen und alle drei Monate zur Untersuchung zum Arzt“, sagt Lierz. Gewiss keine wünschenswerte Perspektive. Zumal HIV nicht gänzlich verschwunden ist, sondern, so drückt es Lierz aus, immer noch vielfach unerkannt „in der Gesellschaft schlummert“.

Individuelle Gespräche bieten die Berater in ihren Räumen an der August-Pieper-Straße ebenso an wie Schnelltests auf HIV. Die können dort gemacht werden, man kann sie jedoch auch mit nach Hause nehmen. Allerdings werden Schnelltests nur eingesetzt, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Infektion aufgrund der Umstände gering ist. Wenn der mögliche Ansteckungsweg ein riskanterer war, raten Lierz und seine Kollegen dringend, zum Arzt zu gehen. „Und wer HIV-positiv sein sollte, dem helfen wir gerne.“