Mönchengladbach: Benediktpreis für Stolperstein-Initiator Gunter Demnig

Auszeichnung für Künstler : Benediktpreis für Stolperstein-Initiator

Der Künstler Gunter Demnig ist bekannt für seine Bodengedenktafeln, die an Opfer der Nationalsozialisten erinnern. 2020 erhält er dafür den Benediktpreis von Mönchengladbach, eine der wichtigsten Auszeichnungen in NRW.

„Hier wohnte Adele Aron, Jg. 1920, deportiert 1941, ermordet in Lodz“ – man mag achtlos über die Hauptstraße in Rheydt schlendern, vor dem Haus Nummer 33 sind zwei Steine im Bürgersteig anders. Sie sind aus Messing, der eine mit dieser Inschrift, der andere erinnert an Karoline Aron, Jahrgang 1884, auch sie wurde 1941 von den Nationalsozialisten deportiert und in Lodz ermordet. Es waren eine jüdische Mutter und eine ihrer zwei Töchter, die in der Schreckensherrschaft der Nazis sterben mussten. Die andere Tochter schaffte es, zu emigrieren.

Es ist nur einer von 82 solchen besonderen Gedenkorten in Mönchengladbach, an denen der Künstler Gunter Demnig 278 so genannte Stolpersteine verlegt hat. Weltweit sind es Zehntausende. In 21 europäischen Ländern und 1265 deutschen Kommunen erinnert Demnig an die Opfer der NS-Willkür, indem er an ihrem letzten selbst gewählten Wohnort die Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig legt, die Erinnerung an diese Menschen und ihre Ermordung lebendig hält.

Dafür ist der 71-Jährige schon vielfach ausgezeichnet worden. Im nächsten Jahr kommt eine besondere Ehrung hinzu: Demnig erhält im Frühjahr 2020 den Benediktpreis von Mönchengladbach. Darauf hat sich das Kuratorium des Vereins geeinigt. Dem Gremium gehören unter anderen der Kunst-Kurator Prof. Kasper König, Landtagspräsident André Kuper, der Astronaut Prof. Reinhold Ewald, der Chefarzt Ulrich Kania und die Unternehmerin Christiane Underberg an.

Demnig ist laut dem Vorsitzenden des Vereins „Benediktpreis von Mönchengladbach“, Helmut Linnenbrink, ausgewählt worden, „weil er mit seinem Projekt Stolpersteine ein groß angelegtes, zugleich aber auch diskret und ortsspezifisch verwirklichtes Mahn- und Denkmal ins Leben gerufen hat“. Mit jedem Stein sende Demnig nachhaltig „die christliche, abendländische Botschaft von Menschenwürde, gegenseitiger Wertschätzung und Toleranz sowie von Gewaltlosigkeit aus“. Das „Wehret den Anfängen“ seiner Stolpersteine sei angesichts der überwunden geglaubten Entwicklung wichtig. „Sein Wirken ist vorbildlich für uns alle.“ 2020 sei es 75 Jahre her, dass die Schreckensherrschaft der Nazis beendet worden sei. „Die Preisverleihung an diesen Künstler ist ein Zeichen, das den Grundsätzen unseres Preises entspricht“, betont Linnenbrink.

Er sieht mit der Wahl des Preisträgers erneut bestätigt, dass der Benediktpreis neben dem Aachener Karlspreis und dem Preis des westfälischen Friedens in Münster der dritte in NRW mit landesweiter Ausstrahlung ist.

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