Mönchengladbach: Bei der Fuck-up-Night aus Fehlern anderer Unternehmen lernen

Treffen in Mönchengladbach : Fuck-up-Night: Aus den Fehlern anderer lernen

Erfahrungen aus gescheiterten Versuchen helfen, seine Visionen zu verwirklichen. Davon ist Peter Godulla, Gründer der Fuck-up-Night in Mönchengladbach, überzeugt. Diese Geschichten erzählten die Redner bei der jüngsten Auflage der Veranstaltung.

„Fail fast, learn fast – repeat“, so lautet die Philosophie, die Peter Godulla jedem Unternehmensgründer auf den Weg gibt. Übersetzt heißt es: „Scheitere schnell, lerne schnell daraus und wiederhole es. Denn scheitern gehöre mit zum Unternehmertum dazu“, sagt der Unternehmensberater. „In Deutschland ist das Fehler-machen ein absolutes Tabu“, so Godulla. „Daher trauen sich auch immer weniger Menschen, ihre eigenen Visionen zu verwirklichen.“ Mit diesem Tabu wollte Godulla brechen und startete im vergangenen Jahr die „Fuck-Up-Night MG“. Die Idee des „Mecker-Abends“ kommt eigentlich aus Mexiko. Dabei stellen sich Redner auf eine Bühne und erzählen von ihren Fehlern und was andere daraus lernen können. Bei der vierten Fuck-Up-Night im Eickener TIG erzählten vier lebenserfahrene Menschen – Arbeitgeber wie Arbeitnehmer – was sie aus Niederlagen gelernt haben.

Sabine Rey war glücklich – und das viele Jahre lang. „Ich war verheiratet, hatte Kinder und bin arbeiten gegangen“, stellt die 57-jährige ihr Leben dar. Aber dann fing die Talfahrt an: Aufgrund ihrer massiven Prüfungsangst hatte sie nie eine wirkliche Ausbildung vorzuweisen. Irgendwann folgte die Trennung von ihrem ersten Mann. Dann gingen ihre Kindermodengeschäfte pleite. In den nächsten Arbeitsverhältnissen war sie Mobbing ausgesetzt – ein Burnout war die Folge. Es wurde immer schwieriger, für ihre Kinder zu sorgen, „weil einfach nichts klappen wollte“. Nach einem schweren Sturz war Rey zudem und pflegebedürftig. Heute hat Rey eine Anstellung auf Lebenszeit bei einem Sozialträger. Sie arbeitet mit Menschen mit Behinderungen – wie sie es schon immer wollte. Für sie ist ihr Leben eine „Geschichte des erfolgreichen Scheiterns“. Das müsse ja schließlich auch gelernt sein.

Dieter Tischer will keinen „Hattrick“. Zwei Unternehmen sind unter seiner Aufsicht in die Insolvenz gerutscht. „Es ist viele Jahre her, aber ich kann es mir immer noch nicht ganz erklären“, so Tischer. Es seien viele kleine Fehler gewesen. Heute ist er Geschäftsführer zweier Firmen. Den „Hattrick“ aus drei Insolvenzen würde er gerne vermeiden wollen. „Ehrlichkeit und Mut sind wichtig, wenn man ein guter Chef sein will.“ Sich auch einmal Zeit für sich und die Familie nehmen, „denn die Familie ist das, was einen noch hält, wenn man insolvent geht“, so Tischer. Das Tagesgeschäft sei gefährlich – das habe er gelernt. Denn man vergesse sehr schnell, auf sich selbst zu hören.