Mönchengladbach: Bei der Bahn auf dem Abstellgleis

Kolumne Mensch Gladbach : Bei der Bahn auf dem Abstellgleis

Die Sanierung des Gladbacher Hauptbahnhofs gerät langsam zur Farce. Aktionistisch wurde zwar das Foyer ausgepinselt, jedoch bleibt es den dritten Winter in Folge ohne Eingangstüren.

So schön ein Wochenende ist, bevor man entspannt die Füße hochlegen kann, gilt es ein paar Pflichten zu erledigen: Großputz, Einkauf, Schreibtischarbeit – Spaß macht das den wenigsten. Und wie groß ist die Versuchung, das Ganze zu verschieben. Geschieht dies in großem Ausmaß, wird es pathologisch. Prokrastination heißt der Fachbegriff für krankhaftes Aufschieben.

Womit wir direkt beim Gladbacher Hauptbahnhof wären. Für den hatte ein ehemals öffentliches Unternehmen, das bis heute in vielen Bereichen eine komfortable Monopolstellung genießt, nämlich die Deutsche Bahn AG, mal einen wunderbaren Plan: Das an sich schöne, weil historische Gebäude sollte saniert werden. Außerdem auch die Bahnsteige, deren Zugänge, ebenso der denkmalgeschützte Tunnel, der zu den Gleisen führt.

Das alles sollte 2006 beginnen. Seitdem bietet die Bahn AG eine muntere Serie der Aufschieberei. Die Begründungen variieren, auf Platz 1 steht mit weitem Abstand, dass ausführende Firmen abgesprungen seien, man deshalb den Auftrag habe neu ausschreiben müssen, aber jetzt, bald oder wahlweise in einigen Monaten loslegen werde. Nun ist es nicht so, dass gar nichts passiert wäre: Die Bahnsteige wurden saniert, das Foyer wurde nach eineinhalb Jahren des Aufschiebens vor einigen Wochen tatsächlich ausgepinselt. Sogar in den späten Abendstunden waren Anstreicher auf den Gerüsten am Werk. War beeindruckend. Inzwischen wissen wir: Es sollte nur ablenken. Denn der Rest wird, Sie ahnen es, aufgeschoben.

Und so kommt es, dass Reisende und Händler im Foyer des Gladbacher Hauptbahnhofs den dritten Winter in Folge werden frieren müssen. Denn seit Anfang 2017 sind sämtliche Türen ausgebaut. Schlauerweise, ohne den Ersatz zu sichern. Jedenfalls scheinen wohl schon mehrere Türeneinbaufirmen abgesprungen zu sein (wir haben ehrlicherweise beim Zählen ein wenig den Überblick verloren), es wurde neu ausgeschrieben, laut Bahn aber ohne Erfolg. Vor zwei Wochen hieß es aus derselben Quelle, es sei jemand gefunden, die Türen würden im Oktober noch eingebaut. Nun wurde Mönchengladbacher Landtagsabgeordneten mitgeteilt, dass das doch nicht klappt. Mit Günter Krings war jedenfalls schon ein mächtiger Bundespolitiker in der Sache unterwegs, Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners schrieb sogar einen Wutbrief an den Bahn-Vorstand. Es folgten warme Worte, das Ergebnis sehen Sie vor Ort.

Die Bahn stellt Mönchengladbach aufs Abstellgleis. Da passt auch gut ins Bild, dass ein sinnvoller und machbarer S-Bahn-Halt in der Nähe des Hochschul-Campus’ nicht realisiert wird. Wir könnten auch noch über den Zustand des Hauptbahnhofs Rheydt oder des Bahnhofs in Odenkirchen sprechen. Oder über das große Prestigeprojekt Stuttgart 21, dessen Kosten sich von ursprünglich 4,5 Milliarden fast verdoppelt haben. Da bleibt wohl nichts mehr für Peanuts wie in Gladbach übrig.

„Wenn du es aufschiebst, versäumst du das Leben.“ Wir folgen diesem klugen Satz Senecas und werden heute unsere Pflichten erfüllen. Ein schönes Wochenende!