Mönchengladbach: Bauern hoffen nach Dürre auf Regen

Landwirtschaft in Mönchengladbach : Bauern wünschen sich viel mehr Regen

Wolken, etwas Sonne und vor allem: kaum Niederschlag – für Landwirte eine unerfreuliche Vorhersage. Nach heißem Sommer und langer Dürre brauchen ihre Äcker nun viel Wasser. Manche Bauern warten noch auf Hilfen des Bundes.

Die jüngste Probegrabung auf Schelsener Scholle hat Heinz-Josef Hütten arg enttäuscht. Die ersten Zentimeter Boden, die der Spaten des Landwirts durchstieß, waren noch durchfeuchtet. Doch dann wurde das Erdreich zunehmend trockener. „Die Wasserspeicher im Boden sind leer“, sagt Hütten. Nach einem extrem heißen Sommer und einer bis in den Herbst anhaltenden Dürreperiode reichen den Bauern in der Region  auch die Regenfälle während der vergangenen Tage bei weitem nicht aus. „Wir bräuchten noch ungefähr so viel Regen, wie in Süddeutschland an Schnee gefallen ist“, sagt Hütten. Allerdings sollte das Wasser nicht sintflutartig auf einen Schlag, sondern schön über Wochen verteilt herniederkommen. Bleibt ausreichend Niederschlag aus, „kommt in 2019 der dicke Rattenschwanz“, schwant Hütten.

Der Schelsener baut auf dem Birkshof unter anderem Äpfel und Birnen an. In der wichtigen Wachstumsperiode Mai und Juni konnten die Bäume mit ihren tief reichenden Wurzeln noch genug Wasser aus dem Boden holen. In der anschließenden Hitzephase vermochte der Obstbauer mit genau dosierter Berieselung zu helfen. Etliche Äpfel holten sich an extrem heißen Nachmittagen einen Sonnenbrand und mussten aussortiert werden. Doch insgesamt sei 2018 für Obst ein gutes Jahr gewesen, sagt Hütten. Werden die Wasserspeicher jetzt nicht bald aufgefüllt, gerät 2019 jedoch zum Problemjahr.

Sommer 2018: Die Trockenheit machte sich auch auf der Weide bemerkbar. Hier suchte eine Kuh in Wickrathberg nach etwas Fressbarem auf der Weide. Foto: Reichartz,Hans-Peter(hpr)

Wesentlich schwerer hatten es 2018 die in der Region weitaus zahlreicheren Landwirte, die kein Obst, sondern  Getreide, Kartoffeln oder Rüben anbauen. Der Getreideertrag beispielsweise lag etwa  15 Prozent unter dem einer durchschnittlichen Ernte, sagt Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mönchengladbach/Rhein-Kreis Neuss. Und Getreide gedeiht auf immerhin der Hälfte der bewirtschafteten Fläche in der Region.

Wie hart es einen Bauer getroffen hat, ist lokal sehr unterschiedlich, weil abhängig von der Bodenqualität eines Ackers, der angebauten Pflanzensorte und der Fruchtfolge. Was wo besser und was schlechter funktioniert hat, analysieren die Bauern auf Versammlungen in der Winterzeit noch. Einige haben 2018 Unterstützung aus der Dürrehilfe beantragt, welche die Bundesregierung beschlossen hat. „Das Antragsverfahren war kompliziert und bürokratisch“, sagt Wappenschmidt. Die Kollegen warteten jetzt noch auf Bescheide und Auszahlungen.

Da viele Bauern seit Jahren ihre Betriebe auf mehrere Standbeine gestellt haben – etwa durch die Aufnahme von Pensionspferden – hat die Trockenheit in der Region bislang noch nicht reihenweise Höfen den Garaus gemacht. „Aber wenn man ohnehin überlegt, seinen Betrieb aufzugeben, kann das schon dazu beitragen, diese Entscheidung zu treffen“, sagt Wappenschmidt. In einem normalen Jahr machen in der Region drei bis vier Prozent der Bauern ihren Betrieb dicht.

Erschiene Wappenschmidt heute eine Wetterfee, würde er sich neben Regen eine ordentliche Frostperiode wünschen. Denn das Frieren und Tauen würde den Boden auflockern und auf natürliche Weise Läusen den Garaus machen. Diese übertragen Viren und sind so für Pflanzenkrankheiten mitverantwortlich.