Mönchengladbach: Bahnhof ohne Türen und Schalter

Kolumne Mensch Gladbach : Der Tourist-Info-Fernreisen-Schalter

Der Gladbacher Hauptbahnhof entwickelt sich zum kafkaesken Gesamtkunstwerk. Erst fehlen die Türen, bald auch die Serviceschalter. Wie lange wohl noch Züge halten? Doch es gibt eine Lösung.

„,Gibs auf, gibs auf’, sagte er und wandte sich mit einem großen Schwunge ab, so wie Leute, die mit ihrem Lachen allein sein wollen.“ Warum muss ich beim Gladbacher Hauptbahnhof nur an diesen Satz aus einer kurzen Parabel von Franz Kafka denken? Es geht um einen Reisenden in einer fremden Stadt, der fürchtet, seinen Zug nicht zu erwischen und einen Schutzmann nach dem Weg fragt. Dessen Antwort ist die oben.

Ans Aufgeben möchte man denken, wenn man die ganze Chronologie des ewigen Aufschiebens von angekündigten Sanierungsmaßnahmen an sich vorüberziehen lässt. Unser persönliches Highlight in dieser Reihe sind die fehlenden Eingangstüren. Irgendwann vor zwei Jahren wurden die ausgebaut, ohne dass feststand, wer wann die neuen liefert. Die Frage ist nach wie vor ungeklärt, so dass die Fahrgäste, die Einzelhändler und auch die Mitarbeiter der Bahn AG jetzt den dritten türlosen Winter vor sich haben.

Die gute Nachricht: Sollten die Türen, womit fest gerechnet werden kann, auch im nächsten Winter nicht eingebaut sein, werden nicht mehr so viele Bahn-Mitarbeiter frieren müssen. Denn das Servicecenter, in dem man Fahrkarten kaufen kann, Informationen holen und Reklamationen abgeben konnte, wird abgebaut. Die Bahn selbst kann in diesem Fall nicht alleine etwas dafür. Der Verkehrsverbund VRR übernimmt nämlich den Verkauf der Tickets, jedenfalls der regionalen. Wer nämlich in die Ferne reisen will, muss diese Fahrkarte im Internet oder am Automaten kaufen. Schöne, neue Welt. Wie lange wohl noch Züge am Hauptbahnhof halten?

Aber Aufgeben ist ja keine Lösung. Und genau die suchen wir doch. Eine Möglichkeit wäre, den Hauptbahnhof von seiner eigentlichen Funktion zu trennen und einfach als Werk eines Aktionskünstlers zu betrachten. Provokation als Mittel, um die Aufmerksamkeit des Zielpublikums zu sichern und es zu fordern. Auch Kafka spielt hinein: Der Reisende, der niemals eine Antwort, geschweige denn Fahrkarte bekommt. Hat was. Und wäre einzigartig.

Das passt allerdings nicht ins Konzept „MG + – Wachsende Stadt“. Schließlich wirbt die „Seestadt“, die bald in direkter Nachbarschaft zum Hauptbahnhof entsteht, gerade mit dieser Möglichkeit der Mobilität. Da trifft es sich gut, dass man im Rathaus gerade nach einer Möglichkeit sucht, um Revolutionäres in Mönchengladbach einzuführen: eine Stelle, an der Touristen Informationen bekommen, was sie so alles in unserer Stadt unternehmen, wo sie übernachten und was sie besichtigen können. Bisher gilt das bahnhofsnahe Vitus-Center als wahrscheinlicher Standort.

Touristen, Reisende, Bahnhof, Information. Warum also tun sich Stadt und Bahn nicht einfach zusammen? Die Tourist-Information zieht in den Hauptbahnhof und bietet auch einen Schalter, an dem Fernreisende Auskunft und Tickets bekommen. Im Vitus-Center können sich Reisende im türlosen Winter ja aufwärmen.

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende, ohne Aufgeben, dafür mit wärmenden Gedanken.

(dr)
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