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Mönchengladbach: Bahn baut 17 Kilometer Lärmschutz

Lärmschutz : Die Bahn will weniger Lärm machen

Ab 2020 will die Bahn den von Zügen verursachten Lärm durch Lärmschutzwände deutlich reduzieren.

Noch sind die Pläne nicht genehmigt, die Kosten nicht abgenickt. Aber die Maßnahmen, die Martina Tittel, bei der DB Netz für die Lärmsanierung an den Schienenwegen des Bundes zuständig, in den vier Bezirksvertretungen Mönchengladbachs vorstellte, lassen aufhorchen. Die Bahn plant in vier großen Arbeitspaketen zwischen 2020 und 2023 die Errichtung von Lärmschutzwänden in vielen Teilen der Stadt, um den Zuglärm zu reduzieren und Bewohner von Häusern, die vor 1974 erbaut wurden, nachträglich vor den Lärmeinwirkungen zu schützen. Konkret sollen 17 Kilometer Lärmschutzwände in der Stadt gebaut werden.

Die Lärmsanierung ist ein freiwilliges Programm des Bundes und von der verpflichtenden Lärmvorsorge, die bei Neubau oder einer wesentlichen Veränderung der Schienenwege gesetzlich vorgeschrieben ist, zu unterscheiden. Das Programm läuft seit 1999 und ist inzwischen mit jährlich 150 Millionen Euro ausgestattet. Ursprünglich wurden 3700 Kilometer Strecke als sanierungswürdig eingestuft, davon sind 43 Prozent abgearbeitet. Seit dem Start des Programms haben Bund und Bahn mehr als 1,3 Milliarden Euro in die Lärmsanierung von knapp 1700 Kilometer Schienenstrecke und 58.400 Wohneinheiten investiert. Etwa 700 Kilometer Schallschutzwände wurden errichtet.

Jetzt also ist auch Mönchengladbach – von der Bahn häufig eher stiefmütterlich behandelt – dran. Die Verantwortlichen haben gerechnet und die Strecken identifiziert, bei denen die Lärmbelastung über 67 Dezibel am Tag und 57 Dezibel in der Nacht liegt. Zudem müssen Gebäude betroffen sein, die vor dem Inkrafttreten des Bundesimmissionsschutzgesetzes von 1974 errichtet wurden. Das sind in Gladbach nicht wenige, besonders im Innenstadtbereich. Mit den zweieinhalb bis drei Meter hohen Wänden wird eine Reduzierung des Lärms um zehn Dezibel erreicht. Das ist viel, denn Dezibel werden logarithmisch berechnet und eine Verminderung um zehn Dezibel bedeutet in etwa eine Halbierung des Lärms.

„Wir bauen einen Vollschutz, anschließend wird es nur noch sehr wenige Gebäude geben, die zusätzlichen passiven Lärmschutz brauchen“, erklärte Martina Tittel den Bezirkspolitikern. Mit passivem Lärmschutz sind vor allem Fenster gemeint, die den Lärm effektiv außen vor halten. Auch dafür zahlt die Bahn beziehungsweise der Bund, allerdings nur 75 Prozent der Kosten, denn der Eigentümer der Immobilie kann eine Wertsteigerung verzeichnen und muss sich deshalb mit 25 Prozent an den Kosten beteiligen – oder auf den Umbau verzichten. Ein Wermutstropfen bei dem Projekt, das Mönchengladbacher, die in Altbauten nahe der Bahnstrecken leben, wieder zu ruhigerem Schlaf verhelfen soll: Es werden nur Gebäude geschützt. Es geht nicht um Gärten, Spielplätze oder Sportanlagen. „Wir schützen keine Außenbereiche“, verweist Tittel auf die Gesetzeslage. Sollte die Stadt an einigen Stellen eine Verlängerung der Lärmschutzwände wünschen, ist das machbar, muss aber auch von der Stadt bezahlt werden.

Offen zeigt sich die Bahn bei der Gestaltung der Wände. Hier können die Bezirksvertreter Wünsche äußern, was Farbe, Durchsichtigkeit oder unter Umständen auch das Material angeht. Grundsätzlich soll es sich aber um ein Material handeln, dass den Schall absorbiere, nicht reflektiere. Das ist zum Beispiel an solchen Stellen interessant, wo nur an einer Seite der Gleise Schallschutz errichtet wird – etwa an der City Ost, der künftigen Seestadt. Bei den Neubauten ist der Projektentwickler, in diesem Fall also Catella für Schallschutz zuständig, nicht die Bahn. „Wir wollen aber nicht, dass diese Neubauten mehr Lärm abbekommen, weil gegenüber eine Lärmschutzwand für Altbauten errichtet wird“, sagte Hermann-Josef Krichel-Mäurer, Bezirksvorsteher Ost.

Bevor es ans Bauen geht, werden die Bürger in öffentlichen Veranstaltungen über das Projekt und die Möglichkeiten des zusätzlichen passiven Lärmschutzes informiert. Diese Veranstaltungen beginnen im Januar des kommenden Jahres. Die Bürger werden dazu eingeladen.