1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Autorin Skadi Auriel und ihr Sci-Fi-Psychothriller "War Zone Earth"

Thriller spielt auch im Minto : Apokalypse in Mönchengladbach

Die Autorin Skadi Auriel hat eine dystopische Psychothriller-Reihe geschrieben, in der das Gladbacher Minto, die Psychiatrie und das Polizeipräsidium eine zentrale Rolle spielen.

In Skadi Auriels Welt ist das Minto kein Einkaufszentrum. Es ist ein Ort, an dem sich sechs Wochen nach der Apokalypse eine Gangsterbande aus der Unterwelt verschanzt hat. Die Menschen, die nicht befreit werden konnten, hält die Bande dort gefangen. Und auch sonst ist das Minto ziemlich ideal, um den Weltuntergang zu überleben: Viel Platz für Waffen und Gekidnappte, Supermärkte voller Lebensmittel, wenige Eingänge.

Nicht nur das Minto kommt in Auriels Sci-Fi-Psychothriller-Reihe „War Zone Earth“ vor, auch andere Orte der Stadt werden zum Schauplatz des Grauens: Im Polizeipräsidium haben sich gentechnisch veränderte Kreaturen mit langen Krallen einquartiert und in der Psychiatrie in Rheydt verstecken sich die letzten Überlebenden.

Die Autorin hat sich bewusst dafür entschieden, Mönchengladbach zur Kulisse ihrer Sci-Fi-Reihe zu machen: „Die meisten Thriller spielen in Metropolen wie London oder New York. Ich bin hier aufgewachsen und habe mich schon früher oft gefragt, wie es hier während einer Apokalypse aussehen würde. Außerdem kenne ich die Stadt in und auswendig und musste mir nichts ausdenken“, sagt die 36-Jährige.

  • Catherine Shepherd liest in der Zonser
    Autorin aus Dormagen : Catherine Shepherd liest bei Krimi-Führung aus Thriller
  • Ulla Fichtner, hier mit ihrem Buch
    Ulla Fichtner aus Kaarst : Krimi-Autorin aus Leidenschaft
  • Dagmar Witt sitzt an ihrem Küchentisch,
    Buchautorin aus Xanten : Harte Thriller aus der heimischen Küche

Auch die Handlung des Buches musste sie nicht erfinden. Vor zwei Jahren hatte sie einen sogenannten Klartraum – also einen Traum, den sie selber steuern konnte – in dem sie an einer Fortbildung teilnahm, von außerirdischen Wesen gefangen genommen wurde und sich Mönchengladbach plötzlich im Ausnahmezustand befand. „Ich habe mir den Traum aufgeschrieben und dachte, dass es eigentlich eine spannende Geschichte sein könnte. So ist übrigens auch ‚Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde‘ entstanden“, sagt sie. Von dem Buch gibt es mittlerweile einen zweiten Band, am dritten arbeitet sie gerade. „Ich bin so ein großer Fan von den Charakteren und vom Schreiben allgemein. Es ist ein toller Ausgleich zu meinem Job“, sagt sie.

Auriel ist hauptberuflich Psychotherapeutin. Ihr Wissen aus ihrem Job lässt sie ebenfalls in ihre Bücher einfließen. Deswegen ist „War Zone Earth“ keine stumpfe Horrorgeschichte, sondern eine Abhandlung über die Psyche ihrer Charaktere: Protagonistin Taya Rivano zum Beispiel ist ebenfalls Psychotherapeutin und muss ihren Lebensgefährten Julian aus den Fängen der außerirdischen Kreaturen befreien. Sie beginnt, nach und nach an sich, aber auch an Julian zu zweifeln. Ihre Tante und ihr Opa litten an Wahnvorstellungen, sie jetzt auch? Bildet sie sich das alles nur ein? Da die Handlung aus Tayas Perspektive geschrieben ist, weiß der Leser immer nur so viel wie sie. Es ist ein ständiges Rätselraten zwischen Realität und Einbildung. „Ich löse es erst später auf, damit es spannend bleibt“, sagt die Autorin. Auriel hatte beim Schreiben ihrer Reihe noch eine andere Mission: „Oft ist es in dystopischen Filmen und Büchern so, dass die Figuren top ausgestattet sind und genau wissen, was sie zu tun haben. Ich beschreibe, wie sich ganz normale Menschen in Krisensituationen verhalten würden“, sagt die Autorin. Und ganz normale Menschen haben Depressionen, Traumata und Suizidgedanken – was bei einem Weltuntergang nicht abwegig ist.

Irgendwann möchte sich die Protagonistin, eine starke und beruflich erfolgreiche Frau, nämlich umbringen. Sie lässt sich helfen und realisiert, dass jeder Mensch psychisch krank werden kann. Die Psychiatrie, in der sie sich wiederfindet, „ist kein unheimlicher Ort, an dem Leute wie Zombies über den Flur schlurfen und herumschreien“, sondern wird realistisch dargestellt – da fließen die Erfahrungen der Autorin ein. „Mir ist es wichtig, Vorurteile gegen psychische Erkrankungen abzubauen“, sagt sie.

Es gibt auch viele Charaktere, die auf den ersten Blick nicht besonders sympathisch sind. Auriel erklärt im Laufe der Handlung, was vorher passiert ist und wieso diese Person so geworden ist: „Meistens steckt hinter jemandem, der böse scheint, eine Geschichte, ein Grund“, erklärt sie. Ihre Charaktere entwickeln sich, die Guten sind auch mal die Bösen und umgekehrt. „So wie im echten Leben auch“, sagt Auriel.