Mönchengladbach: Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer über die Zukunft der Mobilität

Mobilität der Zukunft : Autoexperte Dudenhöffer setzt auf China

Das Land sei der größte Automobilmarkt der Welt, sagt Ferdinand Dudenhöffer. Man dürfe sich deshalb nicht von der Volksrepublik abschotten.

Während der Autogipfel mit der Bundeskanzlerin in aller Munde war, stellte Professor Ferdinand Dudenhöffer seine Gedanken zur Zukunft der Mobilität in der Volksbank Mönchengladbach vor. Dudenhöffer, von Vorstandsvorsitzenden Veit Luxem als einer der renommiertesten Automobilexperten Deutschlands vorgestellt, hat durchaus seine eigene Sicht der Dinge. Nicht alles, was der Professor in seinen Vortrag „Immer in Bewegung – Die Zukunft der Mobilität“  vortrug, fand die uneingeschränkte Zustimmung der zahlreichen Zuhörer im Haus der Volksbank an der Senefelder Straße. Insbesondere beim Thema Elektromobilität gab es viele Skeptiker, die unter anderem die geringe Reichweite von Elektroautos, die fragwürdige Rohstoffgewinnung oder Risiken bei Autobränden in die Diskussion einbrachten.

Für Dudenhöffer, seit 2008 nach mehreren Tätigkeiten in der Automobilbranche Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilindustrie an der Universität Duisburg Essen, sind entsprechende Sorgen unbegründet. Die Reichweite würde sich dank besserer Batterietechnologie deutlich vergrößern, die deutschen Autobauer würden bei der Gewinnung von Lithium, Silizium und Kobalt einen zertifizierten Abbau verlangen und schließlich seien Elektroautos nicht anfälliger für Brände – das Risiko bestünde auch bei mit Erdgas, Benzin oder Diesel betriebene Fahrzeugen.

Referent Prof. Ferdinand Dudenhöffer (Mitte), Josef Brück (l.) und Veit Luxem bei „Die Zukunft der Mobilität“. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Die deutschen Automobilhersteller hinken nach seinen Worten aber in der Entwicklung hinterher. „Statt mit dem Marktführer China zu kooperieren, wird von der Politik ein Forschungsweg etwa bei den Batterien eingeschlagen, um etwas Eigenes zu entwickeln.“ Der Vorsprung der Chinesen sei aber nicht einholbar, sagt Dudenhöffer. Für ihn gehört dem elektrisch betriebenen Pkw die Zukunft. „Der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen mit 22 Prozent und der Wasserstofftechnologie mit 13 Prozent ist geradezu unterirdisch im Vergleich zu dem der Batterie mit 78 Prozent.“ Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren hätten hingegen keine Chance mehr. „Wenn wir das CO2-Problem nicht in den Griff bekommen, wird unser blauer Planet bald zugrunde gehen.“ Allerdings werde es ohne neue Atomkraftwerke nicht gehen, um den zukünftigen Energiebedarf ohne fossile Brennstoffe sicherzustellen.

Die Mobilität werde zudem weiter wachsen. „Je mehr Einkünfte die Bevölkerung bezieht, umso mehr Autos werden gekauft.“ Dies zeigten auch weltweite Statistiken. In Europa und den USA sei der Markt gesättigt, dort würden nur alte gegen neue, aber keine zusätzlichen Autos mehr verkauft. Hier kämen rund 80 Fahrzeuge auf 100 Einwohner. Der große Wachstumsmarkt sei China, wo gerade einmal zehn Autos auf 100 Einwohner kämen. „Wir dürfen uns daher nicht von China abschotten“, sagt Dudenhöffer. „China ist und bleibt der größte Automobilmarkt der Welt.“

Das Vertrauen auf die USA sei zudem wenig förderlich. „Die Amerikaner sind nicht die Engel auf Erden“, sagt Dudenhöffer. Durch seine Politik der Zölle und Einschränkungen habe der amerikanische Präsident die Automobilindustrie in Amerika und Europa um Jahre zurückgeworfen. Das Auto als Motor des Wirtschaftswachstums sei – zusätzlich geschädigt durch den Dieselbetrug der deutschen Autobauer – ins Stottern geraten. Die Folgen würden in ein paar Jahren spürbar. 

Ob die deutsche Automobilindustrie für die Zukunft gerüstet sei, ließ Dudenhöffer offen. „Die Kanzlerin hat eine Millionen Elektroautos bis 2020 angekündigt und einen Millionen Landestationen bis 2030.“ Zu diesem Zeitpunkt sei sie allerdings längst nicht mehr im Amt.