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Mönchengladbach: Aufräumtrainerin Hanne Gerarts gibt Tipps für mehr Ordnung

Frühjahrputz-Coach : Ordnung und Sauberkeit in der Fastenzeit

Frühjahrsputz ist angesagt in der Familienbildungsstätte: Hanne Gerarts gibt dort Tipps zum Aufräumen. Egal ob große oder kleine „Baustellen“ – mit der richtigen Strategie kann jede Unordnung besiegt werden.

Ordnung ist das halbe Leben, muss sein und führt zu allen Tugenden. Sinnsprüche gibt es viele. Doch helfen sie wenig, herrscht erst mal die Unordnung. Wie Menschen aus derselben wieder herausfinden oder wie es gar nicht erst soweit kommt – dazu gibt Hanne Gerarts in der Familienbildungsstätte Tipps und Anleitungen. Der Kurs der Diplom-Ökotrophologin läuft zur Fastenzeit, denn auch Fasten habe – genau wie Aufräumen – etwas mit Loslassen zu tun.

An drei Terminen in drei aufeinanderfolgenden Wochen verteilt Gerarts in erster Linie Denkanstöße. „Meine Theorie ist, die Leute arbeiten zu lassen. Das ist kein Vortrag, den ich da halte“, sagt die 72-Jährige. Die Teilnehmer schreiben auf, welche Ecken in ihrem Heim sie aufräumen wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. „Ich lasse sie einen Grundriss zeichnen und die Stellen markieren.“

Das Gespräch in der Gruppe hilft auf viele Arten: Die meisten Teilnehmer nähmen es mit Humor, seien froh, wenn andere die gleichen Probleme haben. Das offene Gespräch über die heimische „Baustelle“ gefalle den Leuten so gut, dass viele beim dritten Termin nach einem vierten fragten. Besonders witzig sei es, wenn Ehepaare gemeinsam kämen, weil Mann und Frau oft so unterschiedliche Prioritäten setzten, was weg kann und was nicht so schlimm sei. „Jeder muss hier zu Wort kommen, gemeinsam können wir darüber lachen.“

Im Einzelgespräch sieht sich Gerarts dann die Probleme im Detail an. „Viele glauben, sie machen die ganze Wohnung in einem Rutsch – und brechen irgendwann ab“, erklärt sie. Je größer die Unordnung, umso wichtiger sei es, mit kleinen Ecken anzufangen. Darum gibt Gerarts ihren Teilnehmern auch Hausaufgaben auf. Kleine, schaffbare Ziele, die jeder bis zum nächsten Termin aufgeräumt haben muss. „Die Menschen berichten ganz stolz von ihren Erfolgen und was sie geschafft haben“, erzählt Gerarts. Diese Motivation und die dazugehörigen Erfolgserlebnisse seien essenziell. Sie habe aber auch schon Teilnehmer dabei gehabt, die keine Lust auf die Hausaufgaben hatten und zum zweiten Termin nicht mehr kamen. „Aber nur zum nett Zuhören mache ich das hier nicht.“

Aufräum-Trainerin Hanne Gerarts Foto: C. Albustin Foto: Christian Albustin

Zu ihren Teilnehmern zählten ganz normale Menschen, die einfach nur mal den Keller, die Garage oder den Dachboden auf Vordermann bringen wollten. Sie habe aber auch Messis und Sozialarbeiter, die Messis betreuen, dabei. „Eine Frau etwa sammelte Zeitungen, sie hatte Angst etwas zu verpassen“, berichtet Gerarts. Mit ihr habe sie vereinbart, jeden Tag fünf Ausgaben wegzuwerfen. „Zwingen kann ich niemanden, jeder muss selbst entscheiden, was er wegwerfen möchte. Ich kann nur Hilfestellung geben.“

Wer nicht weiß, wo er anfangen soll oder wovon er sich trennen kann, solle versuchen, wie ein Fremder durch die eigene Wohnung zu gehen. „Man wird betriebsblind im eigenen Heim“, sagt die Ökotrophologin. Als Beispiel nennt sie die Garderobe im Flur. „Wie viele Bügel haben Sie frei für Gäste?“ Für Klamotten hat sie eine Faustformel: Passen die Sachen noch, kommen sie in eine Kiste mit dem Datum darauf. Wurden sie ein halbes Jahr lang nicht mehr angezogen, können sie weg.

Hanne Gerarts gibt schon seit fast 25 Jahren verschiedene Kurse in der Familienbildungsstätte. Der Frühjahrsputz-Kurs hat bei ihr eine lange Tradition, schon im Jahr 2000 feierte er bei den Landfrauen Premiere. „Die haben üblicherweise viel Platz zum Horten“, sagt Gerarts mit einem Schmunzeln.