Mönchengladbach: Apfelfest mit vielen unbekannten Sorten

Besucher entdecken bei Haus Horst in Giesenkirchen : Apfelfest mit vielen unbekannten Sorten

Auf der Streuobstwiese am Haus Horst in Giesenkirchen konnten die Menschen am Sonntag jede Menge Äpfel selbst pflücken und auch lernen, wie man sie weiterverarbeitet.

Inmitten der Verkaufs- und Informationsstände stehen die Apfelbäume, an denen verschiedene Sorten wachsen. Die Besucher haben sichtlich Spaß daran, das Obst vom Boden aufzusammeln oder mit Netzen direkt von den Bäumen zu pflücken. Die Äpfel können entweder gekauft und so mit nach Hause genommen, oder zur Saftpressstation gebracht werden, was das Highlight für die meisten Besucher war. So auch für den kleinen Paul, der mit seinen Eltern das Fest besucht: „damit kann jeder seinen eigenen Apfelsaft haben“, freut sich der Dreijährige. Besonders fasziniert hat ihn, wie aus dem runden Obst sein Lieblingssaft entstehen kann. „Der Apfel wird auf das Band gemacht, dann wird es gestampft und heiß gemacht und dann kommt es in den Karton“, erklärt er.

Dass schon die Kleinsten Interesse an Natur haben, bestätigen auch Stefan Neumeier von der Unteren Naturschutzbehörde und Brigitta Szyska von der Naturschutzstation Haus Wildenrath. Sie haben das Apfelfest gemeinsam mit dem Haus Horst und dem Fachbereich Umwelt der Stadt Mönchengladbach organisiert. Beim Apfelfest gebe es zahlreiche Aktionen für Kinder, die alle sehr gut angenommen werden, wie Neumeier sagt. So können sie beispielsweise Taschen mit Stempeln aus Äpfeln bedrucken oder Saftkartons selbst bemalen. Auch Kerzen wurden mit Imkern hergestellt. Denn bei dem Fest ging es nicht nur um den Apfel, auch der Aspekt des Natur- und Artenschutzes liegt den Betreibern am Herzen: „fast jeder möchte sich am Umweltschutz beteiligen, aber die wenigsten wissen wirklich wie. Ihnen fehlen die Grundkenntnisse oder bekommen sogar falsches Wissen übermittelt. Deshalb sind wir immer da, um weiterzuhelfen.“

Der Hauptgrund für den Besuch ist für die meisten der frische Apfelsaft, den sie an den Ständen kaufen oder direkt an der Saftpresse bekommen. Doch Streuobstwiesen sind für Neumeier und Szyska mehr als nur ein Ort, an dem sich frisches Obst finden lässt. Es sei ein Kulturlebensraum, den es zu erhalten gelte, wie sie erklären. Verschiedene Pflanzen- und Tierarten, beispielsweise Insekten und seltenen Vogelarten wie der Steinkauz, werde so ein Lebensraum geboten.

„Es ist schade, dass so viele Menschen lieber die bekannten Obstsorten aus dem Supermarkt kaufen, statt Streuobstwiesen und den historischen, aussterbenden Sorten eine Chance zu geben“, so Szyska. Grund für das Aussterben sei unter anderem, dass sich die Äpfel oft nicht so lange lagern lassen würden wie mit Pestiziden bearbeitete, ihre Schale entweder zu hart oder zu weich sei oder sie häufig Dellen aufweisen. „Deshalb sind sie häufig nicht benutzerkonform. Schmecken tun sie trotzdem.“

Neumeier freut sich über den hohen Besucherandrang beim Apfelfest. Auf der großen Wiese tummeln sich die Leute, vor jedem Stand bilden sich Schlangen. So auch an dem von der Streuobstwiese Backes aus Viersen. Johannes Backes verkauft dort seine Marmeladen, Honig, Birnensecco und Apfelsaft. „Manchmal sehen unsere Äpfel nicht so schön aus, deshalb bevorzugen viele Leute es, in den Supermarkt zu gehen.“

Umso mehr freut er sich über den Andrang, der am Apfelfest an seinem Stand entsteht. Da die meisten Besucher für den Apfelsaft zum Fest gekommen sind, hat er extra Probierbecher zur Verfügung gestellt – denn Apfelsaft ist nicht gleich Apfelsaft: „wir haben Saft aus rotfleischigen Äpfeln, normalen Streuobstapfelsaft aus verschiedenen Sorten und Mischsäfte, beispielsweise Kürbis-Apfel oder Apfel-Minze.“ Bei den Obstfans kam besonders sein Saft aus Aprikose und Apfel gut an, weil er so süß ist, vermutet Backes. 

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