Mönchengladbach: Angehörige lernen Pflege bei Experten im Kurs der Sozial-Holding

Kursus der Sozial-Holding : Angehörige lernen Pflege

In einem Kurs der Sozial-Holding werden Teilnehmer darauf vorbereitet, ihre Eltern oder Ehepartner zu versorgen.

Die Person, an der Patricia Thenior die belebende Waschung demonstriert, hat Belebung wirklich nötig. Sie wirkt schwerkrank, steif und passiv, während sie mit einem raueren Waschlappen und etwas kühlerem Wasser abgerieben wird.  Das ist kein Wunder, denn es handelt sich um eine lebensgroße Puppe, die in einem Pflegebett in der Mitte des Raums liegt. Sie sieht allerdings wirklich ziemlich echt aus. „Ich erschrecke mich auch manchmal, wenn ich unerwartet auf die Puppe stoße“, sagt Petra Sieben, Abteilungsleiterin bei der Sozial-Holding und für die Kurse für pflegende Angehörige verantwortlich. Im Gebäude der Sozial-Holding in Hardterbroich findet gerade ein solcher Kurs statt. Rund um das Bett mit der so echt wirkenden Puppe sitzen rund 20 Teilnehmer. Viele von ihnen pflegen bereits Eltern oder Ehepartner, einige wollen sich darauf vorbereiten.

Die Sozial-Holding bietet die Kurse regelmäßig in Zusammenarbeit mit der AOK an. An 15 Abenden lernen die Teilnehmer Techniken der Mobilisation, erfahren etwas über Ernährung, über die Bedürfnisse Schwerkranker und Sterbender, die Leistungen der Pflegeversicherung, Altersverwirrtheit und Demenz, Sturzprävention und auch darüber, wie Pflegende sich selber schützen und ihre Grenzen erkennen.

An diesem Abend beginnt das Modul, das sich mit Körperpflege beschäftigt. „Zur Körperpflege gehören Haut-, Haar-, Nagel-, Zahn- und Mundpflege“, erklärt Referentin Patricia Thenior, die viel Erfahrung aus der Altenpflege mitbringt. „Wichtig ist es, die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Patienten zu berücksichtigen.“ Wer immer die Nassrasur bevorzugt oder Kosmetik verwendet hat, sollte auch weiterhin nass rasiert oder geschminkt werden. Bei Menschen, die immer morgens geduscht oder abends gebadet haben, sollte das fortgesetzt werden. Und bei Menschen mit Demenz? „Da warten wir, bis sie mitmachen. Wir akzeptieren ihre Haltung und zwingen sie nicht“, sagt Thenior.

Aber es ist genauso notwendig, die eigenen Gefühle zu reflektieren. „Totschweigen ist nicht gut“, sagt Petra Sieben, „wohl aber ein offenes Wort. Man kann ruhig sagen, dass einem die Intimwäsche eigentlich unangenehm ist und dann gemeinsam stolz darauf sein, es gemeistert zu haben.“ Auch ein humorvolles Herangehen kann die Situation entspannen. Und Humor haben viele der Teilnehmer – an diesem Abend wird viel gelacht und sich ausgetauscht. Es werden auch immer wieder Tipps weiter gegeben sowohl von der Referentin als auch von den Teilnehmern. Die Kopfhaube, mit der Bettlägrigen die Haare gewaschen werden können, hat Patricia Thenior dabei. Sie stößt auf reges Interesse. Und womit kann man am besten eine Zahnprothese reinigen? Mit Seife, sagt die Expertin. Natürlich muss sie hinterher gründlich ausgespült werden. Hat der zu Pflegende keine Zähne mehr, kann trotzdem nicht auf die Mundpflege verzichtet werden. Die Referentin hat feuchte Wattestäbchen dabei, mit Zitronen-, Blaubeer- oder Himbeer-Geschmack. Sie sehen ein bisschen aus wie Lollis und können auch zum Befeuchten der Lippen eingesetzt werden.

Die Waschung hat neben der Reinigung des Körpers noch weitere erwünschte Effekte: Sie kann belebend oder beruhigend wirken. „Die belebende Wäsche ist stimulierend und durchblutungsfördernd“, erklärt Thenior. Es wird gegen den Strich gewaschen und im Anschluss mit ätherischen Ölen wie Rosmarin, Zitrone oder Wacholderbeere gearbeitet. Bei der beruhigenden Waschung ist alles andersherum: das Wasser ist wärmer, der Waschlappen weich. Als Duft wird Lavendel, Vanille oder Zeder gewählt. „Damit kann man viel bewirken, weil die Patienten ihre Körpergrenzen wieder spüren“, erklärt die Referentin. Der Kurs bietet den Angehörigen immer wieder Gelegenheit, praktisch zu üben und das Gehörte anzuwenden. Damit bei der Pflege zu Hause alles rund läuft.