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Mönchengladbach: Andrea Milz über die Zukunft des Lokalsports und Teststrategien

Gespräch mit NRW-Staatssekretärin für Sport : Wenig positive Signale für Mönchengladbacher Lokalsport

Vertreter lokaler Vereine und Verbände diskutieren mit der Staatssekretärin für Sport in NRW.

Es gab Redebedarf für Vertreter von Vereinen und Verbänden aus dem Mönchengladbacher Lokalsport. Die Corona-Pandemie trifft auch sie empfindlich. Laut  Wolfgang Rombey, Präsident des Stadtsportbundes, verloren die lokalen Vereine im vergangenen Jahr 2600 Mitglieder, davon 1700 Jugendliche. Die CDU-Landtagsabgeordneten Frank Boss und Jochen Klenner luden daher am Donnerstagabend zu einer Videokonferenz mit Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt NRW. Thema:  „Zukunft des Sports in unserer Stadt – wie kann ein Neustart nach der Pandemie gelingen?“

Rund 30 Vertreter aus fast allen Sportarten nahmen daran teil. Rombey stellte dabei zu Beginn die zentrale Frage, die gegenwärtig viele Vereine beschäftigt: „Der Verlust der Jugendlichen ist ein ernstzunehmendes Thema. Wie können wir diese Kinder wieder erreichen?“ Aber auch die Auswirkungen des neuen Infektionsschutzgesetzes waren Thema – laut neuer Verordnung dürfen Kinder bis 14 Jahren bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 kontaktlosen Sport im Freien nur noch in Fünfergruppen ausüben.  Betreuer müssen zudem einen negativen Corona-Test vorweisen. Für den restlichen Breitensport gilt fast ausnahmslos weiter ein Verbot.

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„Ich habe erstaunt festgestellt, welch merkwürdigen Stellenwert der Sport bei den Entscheidungsträgern in der Politik hat. Da wird er als reine Freizeitaktivität angesehen. Sport ist aber lebenswichtig. Wir verlieren motorische Fähigkeiten und produzieren die Kranken und Toten von morgen“, sagte unter anderem Johannes Gathen, Geschäftsführer des SSB.

Andrea Milz nahm sich rund 90 Minuten Zeit für die Fragen der Teilnehmer. Viel Positives konnte sie in der gegenwärtigen Situation aber nicht vermitteln. „Es wird kein Patentrezept geben, wie wir die Kinder zurückbekommen“, sagte Milz. Sie stellte die Vereine auch darauf ein, dass es nach der Pandemie nicht wie vorher wird. „Ist man den Leuten sogar damit entgegengekommen, den Sport in die Wohnstube gebracht zu haben?  Wer als Verein überleben will, der muss sich die Frage stellen. Diese Hybridangebote sind gefragt“, sagte Milz. Nicht jedem in der Runde gefiel diese Aussicht.

Vor allem mit den weiter geltenden Beschränkungen für Sportarten im Freien zeigten sich viele in der Runde nicht einverstanden – und appellierten, angeleiteten Sport in reduzierten Gruppen wieder zu ermöglichen. Viele machten auch deutlich, dass es Unterstützung durch die Politik brauche, um das Vereinsleben nach der Pandemie wieder aufzubauen.

Milz zeigte Verständnis für die Anliegen der Runde – auch nach alsbaldigen Lockerungen für den Sport, fügte aber auch an: „Bei hohen Inzidenzen müssen die Kontakte reduziert werden. Den Supermarkt kann ich nicht verbieten. Essen und Trinken ist ein Muss. Wir Sportler sagen, die Leute müssen sich auch bewegen. Da sagen aber viele: Nein, das müssen sie nicht. Sport ist kein Muss.“ Zumindest bei der Anregung von Teststrategien, um Breitensport zu ermöglichen, gab Milz etwas Hoffnung: Wenn Modellkommunen möglich seien, gehöre auch eine Teststrategie für den Sport dazu. Und an Testmöglichkeiten mangele es nicht. „An Tests zu kommen, wird das geringste Problem“, sagte Milz.