Mönchengladbach: An der Hochschule Niederrhein geht es am 15.11. um Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeitstag an der Hochschule : Warum ein sparsames Auto nicht reicht

Am 15. November steht der Nachhaltigkeitstag der Hochschule Niederrhein an. In Vorträgen und Workshops stellen sich Experten der Frage, wie eine ressourcenschonende Zukunft aussieht.

Wie viel CO2 steckt in einem Brot? Wie viel Wasser in einem Hemd? Was simpel klingt, wird deutlich komplexer, wenn Zutaten, Herstellung, Transportwege und Lagerung mit einbezogen werden in die Rechnung. Wie eine Antwort dennoch gelingen kann, können Besucher am Freitag, 15. November, in den Räumen der Hochschule Niederrhein (HSNR) erfahren. Das Kompetenzzentrum EthNa (Ethik und Nachhaltigkeit) lädt zum jährlichen Nachhaltigkeitstag ein. In Vorträgen und Workshops gehen Experten der Frage nach, wie eine Wirtschaft ohne stetiges Wachstum aussehen kann.

Die aktuell diskutierte Steuer auf CO2 ist das Thema von Martin Wenke, Professor für Ökologie und Ökonomie. Er erklärt in seinem Vortrag, mit welchen Problemen eine solche Steuer verbunden ist. „Die Grundidee ist es, klimaschädliches Verhalten zu bestrafen und klimafreundliche Aktivitäten zu belohnen“, sagt Wenke. Zudem solle eine solche Steuer zumindest ansatzweise die mit den Emissionen verbundenen Kosten verursachungsgerecht zuordnen. „Die bisherige Umweltpolitik – nicht nur in Deutschland – hat stark auf Effizienzsteigerungen gesetzt“, sagt Wenke. Doch das habe einen Haken: Ein effizienteres Auto etwa verbrauche zwar weniger Benzin. Doch der Nutzen für die Umwelt werde mehr als zunichte gemacht. Denn motiviert durch den geringeren Verbrauch würden die Menschen dann doch wieder mehr fahren. Dieser Effekt wird auch „Rebound“-Effekt genannt, was übersetzt in etwa Zurückfeder- oder Abprall-Effekt heißt.

Am Nachhaltigkeitstag kommen aber nicht nur Dozenten der HSNR zu Wort. Sven Gärtner vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) Heidelberg etwa sieht sich an, welche Umweltwirkungen die Produkte haben, die wir täglich verzehren und mit denen wir uns einkleiden. Wie eine Wirtschaft ohne vorausgesetzte Steigerung aussehen kann, darum geht es im Vortrag von Harald Klimenta, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland.

Monika Eigenstetter, Leiterin des Kompetenzzentrums EthNa, organisiert den Nachhaltigkeitstag in diesem Jahr. „Wir müssen unseren Ressourcenverbrauch hinterfragen“, mahnt Eigenstetter. Das Problem sei, dass jeder was Kleines mache. „Wir sollten uns nicht darüber unterhalten, ob wir Plastiktüten benutzen. Wir müssen einen systemischen Anreiz für Unternehmen schaffen“, sagt die Professorin für Arbeitspsychologie am Fachbereich für Textil- und Bekleidungstechnik.

Praktisch wird es dann am Nachmittag, wenn Besucher sich selbst an wirtschaftlichen Hürden ausprobieren können. So ist etwa bei den Professoren Uwe Großmann (Physik) und Christof Menzel (Mathematik) Brotbacken angesagt. Die beiden Dozenten des Fachbereichs Oecotrophologie zeigen mittels einer Software, wie man die komplette Ökobilanz eines Produktes ausrechnen kann. „Nachdem das Modell für das Backen des Brots erstellt und kalkuliert ist, geht es im nächsten Schritt um Optimierung“, erklärt Großmann. „Welche Möglichkeiten zur Reduzierung des Materialeinsatzes und der Umweltauswirkungen gibt es und welche wären besonders effektiv?“

Der aktuelle Trend, angefeuert durch die „Fridays for Future“-Bewegung geht auch an der Hochschule nicht vorbei. So sei etwa das mehrsemestrige Modul zum Thema Nachhaltigkeit bei den Studierenden des Fachbereichs Oecotrophologie in diesem Jahr überaus beliebt, wie Uwe Großmann bestätigt. „In dem Langzeitprojekt arbeiten die Studierenden intensiv an der Erstellung von Ökobilanzen“, erklärt er. Ganz einfach scheint das aber nicht zu sein. Im ersten Semester werde zunächst nur ein kleines Modell erstellt, erst im zweiten und dritten Semester können die Studierenden ein eigenes Produkt berechnen.

Auch abseits der Veranstaltungen bietet die Hochschule ihren Besuchern Infostände und Verkostungen. Ein Flohmarkt, organisiert von Fairquer, bietet nachhaltige Kleidung, die Fairtrade-Town MG hält fair gehandelten Kaffee bereit.