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Mönchengladbach: An Christi Himmelfahrt auch auf irdische Nöte schauen

Denkanstoß Ulrich Clancett : Christi Himmelfahrt und der Blick nach oben

Es gelte nicht nur an diesem Feiertag, zuerst auf die Nöte der Mitmenschen auf Erden zu schauen, meint unser Gastautor. Erst dann könne ein Blick gen Himmel seine Wirkung entfalten.

Diese „krummen“ Feiertage bringen einen doch immer wieder aus dem Konzept. Mitten in der Woche – dann noch ein Brückentag – und schon ist wieder Wochenende. Das ist im Frühjahr gleich aus mehreren Anlässen der Fall. Einer davon ist heute. Christi Himmelfahrt – von manchen auch ohne kirchlichen Hintergrund einfach Vatertag genannt, ist heute!

Ein merkwürdiges Fest, bei dem die Geschichte einiger Freunde von Jesus erzählt wird, die ihren Herrn zum Himmel auffahren sehen. Ein Satz, der mich in den biblischen Texten zum Himmelfahrtstag immer wieder fasziniert, ist der unmittelbar nach dem Ereignis: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor…“ Ich kann mir die verdutzten Gesichter nach diesem Erlebnis sehr gut vorstellen. Unfassbar, all das, was sie mit ihrem Herrn und Meister Jesus durchgemacht haben. Und nun ist er endgültig weg. Einfach weg – zum Himmel.

Was wie ein Märchen aus Tausendundeiner-Nacht klingt, soll sich so am Rande von Jerusalem ereignet haben. Überhaupt ist Jerusalem ein beliebter Ort für Himmelfahrten. Von dem Felsen, über dem sich heute auf dem Tempelberg der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel erhebt, soll der Prophet Mohammed zum Himmel aufgefahren sein. Die Erinnerung an die Himmelfahrt Christi ist bescheidener geraten – aber nicht minder eindrucksvoll und zum Nachdenken anregend.

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Der Besucher Jerusalems entdeckt den Ort auf der höchsten Stelle des Ölbergs der historischen Altstadt gegenüber, getrennt durch ein Tal. In den Fremdenführern ist häufig von der „Himmelfahrts-Moschee“ die Rede, wenn sie den kleinen, achteckigen Bau, der in einem von einer Mauer umgebenen Hof liegt. Und das hat seinen Grund: Nach mehrfacher Zerstörung der Kapelle, die den „letzten Fußabdruck Christi“ vor seiner Himmelfahrt in ihrem Boden birgt, wandelt der Jerusalem-Eroberer und syrische Sultan Saladin 1187 die Kapelle in eine Moschee, ein islamisches Gebetshaus um. Denn auch für die muslimischen Eroberer hat die Himmelfahrt des Propheten Jesus eine hohe Bedeutung. Als Saladin jedoch bemerkt, dass die christlichen Besucher der heiligen Stadt ungebrochen in dem kleinen Bau beten, an die Himmelfahrt Christi denken und erinnern, errichtet er unweit der Stelle eine weitere Moschee und überlässt den Christen weiterhin diesen für sie so heiligen Ort. Eines der unglaublichen Toleranz-Zeichen des mächtigen, muslimischen Herrschers seinen christlichen Mitmenschen gegenüber.

Nach wie vor findet sich neben der Himmelfahrtskapelle ein christlicher Altar unter freiem Himmel. Der wird auch gerne schon einmal (so erlebte ich es bei einer Jerusalem-Reise vor Jahren) zum Auslegen der frisch gewaschenen Automatten des muslimischen Wächters dieses Areals genutzt. Ganz unbefangen. Und genauso werden an diesem Altar christliche Gottesdienste, gerade am heutigen Himmelfahrtstag gefeiert. Gleich nebenan beten die Muslime in ihrer Moschee. Ganz selbstverständlich.

Hier kommt wieder die Bibelstelle ins Spiel: „…was schaut ihr da zum Himmel empor?“ Ja, in diesem Zusammenhang müssen wir Christinnen und Christen uns einfach genau das fragen lassen: Was beschäftigt ihr euch mit dem da oben  – und droht, den Blick auf die Erde zu vergessen. Dieser Jesus, an dessen Himmelfahrt wir denken, steht gerade für den Blick in unsere konkrete Welt, den Blick nach unten. Seine Perspektive geht zwar auch nach oben – aber dennoch geht das nur zusammen mit dem Blick, der auf die konkrete Situation der Menschen und der Welt gerichtet ist. Das eine kann ohne das andere nicht funktionieren.

Und wenn wir in diesen Wochen angesichts der krisenhaften Entwicklungen in dieser Welt immer mal wieder den Blick in den Himmel richten, dass uns von dort her Hilfe kommen möge – dann müssen wir uns von Jesus entgegenhalten lassen: Vergesst nicht, zunächst nach unten zu schauen. Nicht mitleidig – sondern mitfühlend. Aufmerksam für die Nöte in unserer Umgebung. Erst wenn wir uns mit diesen Nöten auseinandergesetzt haben, kann der Blick in den Himmel gelingen. Aber dann tut er das auch (auf)richtig.