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Mönchengladbach: Altlasten im Boden belasten Etat der Stadt

Stadt legt mehr als neun Millionen Euro beiseite : Altlasten im Boden belasten Stadt-Etat

9,14 Millionen Euro hat die Stadt zur Seite legen müssen, um Böden von Schadstoffen zu befreien – für den Fall, dass die Eigentümer der Flächen nicht dafür aufkommen können. Solche Fälle gibt es einige. Beispiel: Krefelder Straße.

Das Problem kann  am Standort einer Tankstelle, eines Galvanik-Betriebes, einer ehemaligen Textilfabrik und an vielen weiteren Stellen lauern: Chemikalien, die in den Boden gelangt sind, das Erdreich und das Grundwasser belasten. Nicht von allen der mehr 1660 (Stand August 2019) im Altlastenkataster der Stadt verzeichneten Altstandorten gehen Gefahren aus, sagt die Verwaltung. Doch wenn eine Fläche saniert werden muss, wird das teuer. Können  Verursacher der Belastung oder Eigentümer des Grundstücks nicht zahlen, ist eine Sanierung aber dringend nötig,  muss erst einmal die Stadt einspringen. Damit sie das tun kann, legt sie mit dem Segen des Hauptausschusses nun 9,14 Millionen Euro für neun Grundstücke zur Seite. Ob sie diese Summe wirklich ausgeben muss, steht in den Sternen. Grundsätzlich besteht die Chance, Zuschüsse des Landes zu erhalten. Wie komplex das Problem sein kann, zeigen zwei Fälle an der Krefelder Straße.

Befund Nummer eins  2005 wurde an der Krefelder Straße 47-53  eine Belastung des Grundwassers festgestellt, so Barbara Weinthal, Leiterin des städtischen Fachbereichs Umwelt. „Aufgrund der hohen Belastung des Bodens mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW) hat sich im Grundwasser eine 300 Meter lange Schadstofffahne gebildet“, beschrieb die Verwaltung das Problem in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Der derzeitige Besitzer des Grundstücks ist laut Stadt jedoch nicht Urheber der Belastung. Wer dafür verantwortlich ist, darüber lässt sich laut Weinthal nur noch spekulieren. „Dennoch müsste der aktuelle Besitzer für die Sanierung aufkommen, sofern er eine entsprechende finanzielle Leistungsfähigkeit aufweist“, sagt sie. Und:  „Diese ist im vorliegenden Fall nicht gegeben. Insofern hat die Stadt aufgrund der gesetzlichen Verpflichtung in Vorleistung zu gehen.“ Dafür wurde 2017 Geld zur Seite gelegt. Für eine Sanierungsuntersuchung gab es Fördermittel  des Landes. Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) fördere und führe nun die Sanierung durch, so die Verwaltung. Problem gelöst? Mitnichten. Denn nun gibt es:

Befund Nummer 2  Ende 2019, so Weinthal, wurde auf dem Nachbargrundstück Krefelder Straße 57-61 „ein weiterer, separater Schadensherd“ ermittelt. Dort waren von 1948 bis 2010 drei unterschiedliche Metallveredelungsfirmen ansässig. Im Zuge eines Zwangsversteigerungsverfahrens des Grundstücks, so die Stadtverwaltung, wurden Boden und Bodenluft untersucht und „deutlich erhöhte Schwermetallgehalte – Chrom gesamt, Arsen, Cadmium, Cyanide“ festgestellt. Im Grundwasser seien zudem „deutlich erhöhte Chrom VI-Werte von bis zu 3600 Mikrogramm“ gemessen worden. Und:  „Zudem wurden per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) in erheblicher Höhe festgestellt“.  Folge: Die Fläche wurde im Altlastenkataster der Stadt mit der Priorität 2 eingestuft. Bedeutet: „Unverzügliche Bearbeitung, sobald Finanzmittel und Personal zur Verfügung stehen“. Auch in diesem Fall ist der aktuelle Grundstücksbesitzer nicht Urheber der Belastung. Der Verursacher sei tot und nicht mehr heranziehbar, sagt die Stadt. Der aktuelle Besitzer der Flächen habe erklärt, dass er „keinesfalls“ über ausreichende Mittel für eine Sanierung verfüge. Misslich genug, doch obendrein gibt es da noch eine:

Wechselwirkung Die Schadstoffe der beiden benachbarten Grundstücke reagieren chemisch miteinander. Daher lässt sich nach Ansicht des AAV die nötige Form der Sanierungen erst nach einer weiteren Untersuchung der Chrombelastung im Grundwasser auf Grundstück Krefelder Straße 57-61 festlegen. Ohne die Untersuchung könne die Sanierung des Grundstücks 47-53 nicht erfolgreich beendet werden, müsste die Stadt womöglich Fördermittel zurückzahlen. Auch um das zu verhindern und um das ganze Projekt zügig über die Bühne zu bringen, legt sie Geld beiseite, um in Vorleistung gehen zu können. Sollten die aktuellen Besitzer der Flächen einmal über entsprechende Finanzmittel verfügen, kann die Stadt Geld von ihnen einfordern.

Folgen für die Umwelt  „Im Bereich der Schadstofffahne befinden sich im Wesentlichen Gewerbebetriebe ohne Grundwasserbenutzung. Im Bereich ist nur ein Gärtnereibetrieb zu informieren gewesen. Dies ist auch nebst Verhaltensauflagen erfolgt“, sagt Weinthal.