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Mönchengladbach: „Als würden sie eine Henkersmahlzeit bestellen“

Letzte Ausgehchance vor Lockdown in Mönchengladbach : „Als würden sie eine Henkersmahlzeit bestellen“

Vor dem zweiten Lockdown fielen die Bestellungen in den Lokalen häufig ein bisschen üppiger aus. Und auch sonst gab es moralische Unterstützung.

Es liefen weniger Zombies und Vampire als sonst über den Alten Markt. Der letzte Samstagabend vor dem sogenannten „Lockdown light“ fiel mit dem importierten Feiertag Halloween zusammen. Halloween-Partys, wie man sie aus den vergangenen Jahren kannte, waren zwar diesmal mit Covid-19 gestorben, dennoch nutzten einige Mönchengladbacher  die Chance, noch einmal auszugehen. Viele Tische in den Gaststätten waren besetzt.

Das goldene Oktoberwetter hatte tagsüber etliche Besucher in die Innenstadt und auf den Sonnenhausplatz gelockt, von denen mancher im Café Hoffmanns Platz nahm. „Man hat gemerkt, dass die Leute es noch mal genutzt haben, ins Café zu kommen“, stellte Rebekka vom Team des Hoffmanns fest. Und ihre Kollegin Vanessa ergänzte: „Es waren viele Stammkunden, die uns noch mal unterstützt haben. Man merkt schon, dass die Leute mitfühlen.“

Im Kino lief „Zombie – Dawn of the Dead“, in dem eine Pandemie zu einer Zombieapokalypse führt. Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Die beiden und ihr Kollege David wurden auch immer wieder auf den nahenden Lockdown angesprochen. Mehr Trinkgeld als sonst habe es an diesem Tag gegeben. Und öfter als sonst seien Sekt oder Weißweinschorlen bestellt worden, sagte David.  Nachdem das Hoffmanns an diesem Samstag die Kerzen ausgeblasen und die Türen geschlossen hatte, füllte sich die Altstadt.

Auf den Bänken vor Sinn saß „Engelchen“ Katharina  neben „Teufelchen“ Johanna. Wo um Himmels Willen kann man denn heute mit seinem Halloween-Kostüm hingehen? „Wir treffen uns gleich mit ein paar Freunden. Dann gehen wir noch zusammen zu mir“, verriet Johanna. Wenige Schritte weiter im „Restaurant, Espresso-Bar Cappuccino“ deutete nichts auf Halloween oder den anstehenden Lockdown hin.

Noch einmal mit Freunden ausgehen und ein Bier trinken. Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Fünf Gehminuten entfernt öffnete das Comet Cine Center seine Türen für die letzten Abendvorstellungen, bevor das Kino wegen Corona zum zweiten Mal  in diesem Jahr schließen muss. Ab Sonntag wurden die Filmprojektoren bereits nach den Nachmittagsvorstellungen ausgeschaltet. Bei Ticketverkäufer Timo standen an diesem Samstagabend nicht mehr Kinobesucher an der Kasse als an den Tagen zuvor, eher etwas weniger, schätzte er. „Abgesehen von den Masken ist hier alles wie immer. Die Leute kommen her, um Spaß zu haben.“

Lediglich bei der Auswahl der Filme herrschte oft Weltuntergangsstimmung: In den vollsten Kinosälen sahen sich die Zuschauer entweder den Film „Greenland“ an, in dem die Erde von einem Kometenhagel bombardiert wird, oder „Zombie – Dawn of the Dead“, in dem eine Pandemie zu einer Apokalypse führt.

Wer nach dem Kinobesuch bei einem Latte Macchiato noch über die cineastischen Endzeit-Szenarien plaudern wollte, konnte dies auf der anderen Straßenseite in „Das Café“  tun. Dana Stapper, die das Café zusammen mit ihrer Mutter betreibt, erhielt in der letzten Zeit viel Zuspruch. „Man merkt, dass die Leute für einen da sein wollen. Das berührt mich sehr. Viele fragen, ob wir demnächst wieder einen To-go-Service anbieten werden“, sagte Stapper. Manchmal erscheine es ihr so, als ob ihre Gäste kommen würden, um ihre Henkersmahlzeit zu genießen. „Einige sagen Dinge, wie: ,Diesen Burger wollte ich unbedingt vorher noch mal essen.’“, sagte die Gastronomin.

Wer an diesem verregneten Abend von dort aus in Richtung Alter Markt aufbrach, sah die hellerleuchteten Fenster der evangelischen Christuskirche, in der ein Gottesdienst anlässlich des Reformationstages gefeiert wurde.

Einen Zusammenhang zwischen dem katholischen Feiertag Allerheiligen am 1. November und den Besuchern in der Pizzeria „Trattoria Maccheroni“ sah Inhaber Ferraro Ernesto. Viele würden nicht mehr in Mönchengladbach wohnen, kämen aber zu Allerheiligen zurück, besuchten die Gräber ihrer Familienangehörigen und gingen abends essen. Nachdem zwischenzeitlich weniger Gäste in die Trattoria gekommen waren, sind nun kurz vor dem Lockdown mehr Reservierungen eingegangen. Und auch die Bestellungen seien etwas üppiger ausgefallen, so Ernesto. „So bekommen wir viel moralische Unterstützung.“

Im Goldwasser war die Stimmung gut, dennoch hätte Inhaber Carlos Cabello mit mehr Gästen gerechnet. „Tanz in den Mai und Halloween laufen eigentlich immer super“, sagte er und hielt Regen, das Borussia-Spiel und allgemeine Angst für die Gründe, dass einige Tische leer blieben. Dabei hätte er seinen Gästen mit Live-Musik und einem DJ einiges geboten.

Ein abendlicher Spaziergang die Waldhausener Straße hinunter führte auch zwei Stunden vor der Sperrstunde an einigen dunklen Fenstern und verschlossenen Türen vorbei. Ein Anblick, der ab 2. November wieder keine Seltenheit mehr sein wird.