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Mönchengladbach: Ärzte sehen E-Zigaretten kritisch

Lungenexperte Andreas Meyer : Ärzte sehen E-Zigaretten kritisch

Die Verkaufszahlen von E-Zigaretten gingen jahrelang steil nach oben. Doch Ärzte warnen: Das „Dampfen“ ist keineswegs ohne gesundheitliches Risiko. Zur Entwöhnung von der normalen Zigarette tauge es nur vorübergehend.

Andreas Meyer ist überzeugt: „Die E-Zigarette ist eine Krücke, um sich das Rauchen abzugewöhnen, aber eine schlechte Krücke.“ Ist man weg von der Zigarette, sollte man auch das „Dampfen“ zügig einstellen, meint der Chefarzt der Pneumologie der Kliniken Maria Hilf. Denn E-Zigaretten werden als ungefährliche Alternative zum Rauchen beworben, sind aber nach Meinung des Mediziners alles andere als harmlos.

Es waren vor allem Todesfälle in den USA, die die Verbraucher aufschreckten. Dort wurden bislang mehr als 30 Todesfälle registriert. Nicht alle Hintergründe sind geklärt, aber hinter vielen dieser Todesfälle steckt womöglich das Verdampfen von Substanzen wie Vitamin-E-Öl oder Cannabisprodukten. In Deutschland sind die Vorgaben für die Liquids (deutsch: Flüssigkeiten), die verdampft werden, strenger. Dennoch sieht der Mönchengladbacher Pneumologe die E-Zigaretten sehr kritisch. Denn die Hinweise verdichten sich, dass das Dampfen zu einer Schädigung des Herzkreislaufsystems und der Gefäße führen kann. „Eine besondere Gefährdung entsteht, wenn neben der E-Zigarette weiter geraucht wird“, sagt Meyer.

Bei der E-Zigarette werden Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, erhitzt. Sie enthalten im Allgemeinen Nikotin, Lösungsmittel und Zusatzstoffe wie verschiedene Aromen. Der eingeatmete Dampf enthält weniger krebserregende Schadstoffe als Tabakrauch. Soweit sind sich die meisten Forscher einig. Das Problem bei der Risikoeinschätzung: Die E-Zigaretten sind noch nicht lange genug auf dem Markt. Es gibt keine Langzeitstudien. Inzwischen werden aber immer mehr Forschungsergebnisse vorgelegt, die auf erhebliche Risiken hinweisen.

Die Ärzte der Deutschen Lungenstiftung verweisen auf eine US-Studie, wonach das Nikotin in E-Zigaretten die Zellen schädigt und zu degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson führen kann. Auch die Leber kann Schaden davontragen und das Risiko für ein Lungenemphysem, eine chronische Lungenblähung, steigt an. Außerdem bleibt die Abhängigkeit vom Nikotin bestehen. „Nikotin ist der eigentliche Beelzebub“, meint der Gladbacher Chefarzt. „Das Suchtpotenzial ist hoch und das Gift bleibt auch in der E-Zigarette das gleiche.“ Wenn also die E-Zigarette zur Raucherentwöhnung verwendet wird, dann nur mit einem definierten Ende, rät Meyer.

Aber auch die nikotinfreien Liquids scheinen Gefahren zu bergen. Der Verdampfungsprozess verwandelt Bestandteile der Flüssigkeit direkt in giftige Substanzen, die die Gefäße angreifen. „Auf lange Sicht dürfte dies bei täglichem Konsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, wenn auch die langfristigen Folgen erst noch erforscht werden müssen“, meldet die Deutsche Lungenstiftung.

Damit nicht genug: Es kommt auch auf das Aroma an. Forscher der University of Pennsylvania fanden heraus, dass Zimt- und Mentholaroma besonders schädlich wirken. Auch Fruchtgeschmack kann zwar lecker sein, scheint aber nicht risikolos zu sein. „Erdbeergeschmack ist schädlicher für die Lunge als andere Substanzen“, berichtet Meyer, verweist aber darauf, dass die Forschung dazu noch in den Kinderschuhen stecke. Schließlich gibt es über 8000 verschiedene Aromen.

Die Risiken der E-Zigarette, von der Tabakindustrie bisher als hippe und harmlose Alternative zu dem in Verruf gekommenen Rauchen beworben, rufen jetzt auch den Gesetzgeber auf den Plan. Ein Werbeverbot für E-Zigaretten ist geplant und soll ab 2024 gelten.