Mönchengladbach: Ärzte geben Rat bei Vorhofflimmern

RP-Gesundheitstelefon : Lebensqualität für Herzkranke erhöhen

Am RP-Gesundheitstelefon beantworteten drei Mönchengladbacher Herzspezialisten Fragen rund um das Vorhofflimmern. Zahlreiche Anrufe von Lesern erreichten sie. Die Professoren raten zu Sport – aber nur in Maßen.

Vorhofflimmern ist eine Volkskrankheit – in Deutschland leiden mindestens 1,8 Millionen Menschen unter dieser Herzrhythmusstörung. Auch die Mönchengladbacher beschäftigt das Thema sehr. Bei der RP-Telefonaktion, die sich dem Vorhofflimmern und seinen Begleiterscheinungen widmete, klingelten die Telefone der drei Herzspezialisten Professor Jürgen vom Dahl, Professor Lars Lickfett und Professor Georg Sabin stetig. Vorhofflimmern ist eine Krankheit, die Angst macht. Der Informationsbedarf ist deshalb groß.

Viele Fragen drehen sich um die Katheter-Ablation, das gezielte Setzen von Verödungszonen, die verhindern, dass die chaotischen elektrischen Impulse, die das Flimmern auslösen, zu den Vorhöfen vordringen können. „Die Katheter-Ablation ist mit Ängsten behaftet“, weiß Georg Sabin, Chefarzt der Kardiologie am Elisabeth-Krankenhaus. Sie ist dann sinnvoll, wenn die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigt wird. Eine 78-jährige Anruferin beispielsweise kommt gut mit dem Vorhofflimmern zurecht. Ihr rät Lars Lickfett, niedergelassener Kardiologe und gleichzeitig Chefarzt am Bethesda, von einer Ablation ab. „Das Vorhofflimmern als solches ist nicht lebensbedrohlich“, sagt der Spezialist. „Eine Ablation sollte dann erfolgen, wenn der Patient vom Vorhofflimmern stark beeinträchtigt wird.“ Auch bei jungen Patienten wird abladiert, denn sie haben gegebenenfalls noch viele Jahre mit der Erkrankung zu kämpfen.

Häufig fragen Anrufer auch nach einer zweiten Ablation. Die Möglichkeit einer zweiten Ablation müsse immer mit bedacht werden, sagen die Herzspezialisten einstimmig, denn bei etwa einem Fünftel der Patienten muss „nachgearbeitet“ werden, weil die erste Behandlung nicht den gewünschten Erfolg hatte.

Eine andere Anruferin fragt nach dem Zusammenhang von Vorhofflimmern und einem Herzschrittmacher. „Der Herzschrittmacher ändert nichts am Vorhofflimmern“, erklärt Jürgen vom Dahl, Chefarzt der Kardiologie am Maria Hilf. Der Schrittmacher kann aber als Sicherheitsmaßnahme eingesetzt werden, wenn durch eine medikamentöse Behandlung zu lange Pausen zwischen den Herzschlägen entstehen, das Herz zu langsam schlägt.

Gerinnungshemmer sind ein weiteres Thema, das die Menschen beschäftigt. Eine Anruferin möchte wissen, wie lange vor einer Koloskopie sie den Blutverdünner absetzen solle. Ihr sei zu zehn Tagen geraten worden. „Nein“, sagt Sabin bestimmt, „das ist viel zu lange. Zwei Tage vorher ist sinnvoll.“ Patienten mit Vorhofflimmern müssen Gerinnungshemmer nehmen, weil mit der Herzrhythmusstörung ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko einhergeht. Auch nach einer Ablation kann nicht auf den Gerinnungshemmer verzichtet werden. Patienten mögen Blutverdünner meist nicht, aber sie haben große Vorzüge. „Sie senken nicht nur das Schlaganfallrisiko, sie schützen auch vor Thrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt und Gefäßverschlüssen“, zählt vom Dahl auf.

Bewegung ist gesund und bei praktisch allen Erkrankungen empfehlenswert. Er habe immer Sport getrieben und nun doch Vorhofflimmern bekommen, berichtet ein 76-jähriger Anrufer. Ob er weiter machen soll, möchte er wissen. „Ja“, sagt Lickfett, „aber mit Augenmaß.“ Sport sei gesund, aber man wisse, dass exzessiv betriebener Sport das Risiko für Vorhofflimmern erhöhe. Also: Weitermachen – aber nicht übertreiben.

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