Mönchengladbach: Abzocke mit Sex-Hotline

Abzocke: Senioren mit Sex-Hotline abgezockt

Weil ein 90-Jähriger die Nummer eines „Erwachsenen-Dienstes“ gewählt haben soll, bekam er eine Rechnung über 90 Euro. Dabei hat er nie dort angerufen.

Heinrich T.* (Name geändert) fiel aus allen Wolken, als er Post von einer Firma namens „Estrela“ aus Tschechien bekam. Denn  das Schreiben enthielt eine pikante Nachricht: Behauptet wurde, dass der 90-Jährige einen „Erwachsenen-Service“ in Anspruch genommen habe, genauer gesagt: Der Rentner aus Giesenkirchen soll eine Sex-Hotline angerufen haben.

Dafür sollte er nun zahlen. Und das nicht zu knapp: 90 Euro für ein 0,7 Minuten langes Telefonat. Dazu gab es gleich eine Warnung: „Geraten Sie mit der Zahlung in Verzug, droht Ihnen ein Strafantrag.“ Heinrich T. ist sich sicher, dass er keine solche Telefonnummer angewählt hat. Er ging zur Polizei. Und da wusste man: Heinrich T. ist nicht der einzige Mönchengladbacher, der eine solche Rechnung bekommen hat. Dem 90-Jährigen wurde geraten, gar nicht erst auf das Schreiben zu reagieren. Das tat Heinrich T. auch. Die Folge: Er erhielt eine Mahnung. Jetzt soll er 198 Euro bezahlen.

Den Beratern in der Verbraucherberatungsstelle Mönchengladbach ist diese Abzock-Masche wohl bekannt. „Unter vielen verschiedenen Unternehmens-Namen wird so versucht, an das Geld anderer Menschen zu kommen“, sagt Edda Nowack. Und: „Die Firmen kommen meistens aus Tschechien.“ Die Verbraucherberaterin schließt nicht aus, dass manche aus Scham zahlen oder auch nur, weil sie weiteren Ärger vermeiden wollen. Sebastian Dreyer, Leiter der Verbraucherberatungsstelle kennt sogar einen Fall, in dem ein Mann angeblich von seinem Firmentelefon einen „Erwachsenen-Service“ angerufen haben soll und nun dafür zahlen soll. „Zum Glück hat er das nicht getan“, berichtet Dreyer. Stattdessen hatte sich der Mann an Polizei und Verbraucherberatung gewandt. Und die rieten ebenfalls: „Nichts tun. Erst wenn sich ein deutsches Inkasso-Büro melden sollte, sollten sich die Betroffenen Rechtsberatung suchen.“

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Bei kostenpflichtigen Sex-Hotlines müsse immer der Hinweis kommen: „Wenn Sie weiter dran bleiben, müssen sie bezahlen...“, sagt Edda Nowack.  Auch wer sich verwähle und aus Versehen einen solchen Service anwähle, merke spätestens zu diesem Zeitpunkt, wo er gelandet ist. „Und ohne den Hinweis kommt kein Vertrag zustande“, erklärt die Verbraucherschützerin.

Vor ein paar Jahren habe es diese Abzock-Masche schon einmal gegeben, weiß Verbraucherberaterin Ursula Windeck. Damals waren die Fälle noch perfider. Da hatten sich die Betrüger Adressen von Frauen herausgesucht, die gerade Witwe geworden waren. „Sie erhielten dann ein Schreiben, dass ihr Mann vor dem Tod eine Sex-Hotline angerufen habe“, sagt Ursula Windeck. „Für viele war das eine super-peinliche Geschichte. Denn wie sollte man nachprüfen oder beweisen, dass der Mann tatsächlich nie einen solchen Dienst in  Anspruch genommen hat?“ Aber auch in diesen Fällen konnten die Verbraucherschützer den Ratsuchenden helfen. An die Adressen von Frauen heranzukommen, die gerade ihren Mann verloren haben, sei für Betrüger kein Problem. Ursula Windeck: „Sie können sich heute alles kaufen - auch die Adressen von alleinstehenden, 35 Jahre alten Frauen mit Vorliebe für Katzen beispielsweise.“

Heinrich T. weiß jetzt zwar, dass er nicht zahlen muss und dass es sich um Abzocker handelt, trotzdem machen die Rechnungen und Drohungen den 90-Jährigen nervös und unruhig.

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