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Mönchengladbach: Abstrich-Diagnose bei Patienten mit Fanconi-Anämie

Fanconi Anämie : Neuwerker Ärztin entwickelt Diagnose bei seltener Krankheit

Eunike Velleuer, Oberärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Krankenhaus Neuwerk, hat jetzt zusammen mit Kollegen der Cytopathologie im Universitätsklinikum Düsseldorf und einer Selbsthilfegruppe das Ergebnis einer nach Angaben der Neuwerker Klinik einzigartigen Studie vorgelegt.

Diese zeige erstmalig: Wenn Patienten, die an der sehr seltenen angeborenen Erkrankung Fanconi-Anämie (FA) leiden, Abstriche der Mundschleimhaut entnommen werden, können Mundhöhlenkrebs und dessen Vorstufen erkannt werden.

„Menschen mit FA haben im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung ein um mehr als 500-fach erhöhtes Risiko, an Tumoren der Schleimhäute, insbesondere in der Mundhöhle, zu erkranken“, so Velleuer. Aufgrund des genetischen Defektes bei FA-Patienten können diese Tumore nicht mit Chemotherapie behandelt werden. Daher sind Früherkennung und die chirurgische Entfernung lebensnotwendig. In der Vergangenheit seien viele FA-Patienten gestorben, da die Tumore zu spät entdeckt wurden.

Die Abstrichentnahme könne von jedem Arzt oder Zahnarzt durchgeführt werden, teilte das Neuwerker Krankenhaus mit. Velleuer führe diese Vorsorgeuntersuchung an dem Krankenhaus regelmäßig durch. Sie erwarte, dass durch die Einführung des von ihr mitentwickelten Bürstenabstriches Mundhöhlenkrebs bei FA-Betroffenen deutlich eher diagnostiziert werde – und besser behandelt werden könne.

Die Ergebnisse der Studie führten bereits zu neuen Empfehlungen, um Veränderungen der Mundschleimhaut bei diesen Patienten abzuklären, heißt es aus dem Neuwerker Krankenhaus. In der Vergangenheit sei  dazu geraten worden, bei jeder länger bestehenden sichtbaren Veränderung eine Gewebeprobe mit dem Skalpell zu entnehmen. Jetzt soll zunächst die deutlich einfachere Abstrichentnahme mittels Bürste erfolgen. Wie bei einer gynäkologischen Untersuchung sei diese Vorsorgeleistung sogar eine kassenärztliche Leistung.

(RP)